Dagmar schreibt: Don’t Let the Sunshine In

Unsere Redaktorin Dagmar Schräder schreibt über die grossen und kleinen Dinge des Lebens. Heute wiederholt sie sich bewusst.

Dagmar Schräder bringt ihre Gedanken aufs Papier. (Foto: dad)

Lange habe ich überlegt, ob ich diesen Text überhaupt verfassen soll. Das hat drei Gründe: Erstens langweile ich mich selber langsam mit dem ewigen Geschreibe über dasselbe Thema (ich hab nachgeschaut: bereits 2023 habe ich mich darüber ausgelassen. Und dann 2024 und 2025 wieder). Zweitens bringt dieses ständige Lamentieren sowieso nichts. Und drittens gibt es schliesslich noch genug andere, weitaus eloquentere Menschen als mich, die sich darüber den Mund fusselig reden und die Finger wundschreiben.

Warum sollte also auch ich noch mehr Worte verlieren? Aber je länger ich drüber nachgedacht habe, desto mehr wurde mir klar, dass ich den Text trotzdem schreiben muss. Weil ich hier an dieser Stelle meistens darüber berichte, was mir grad so auf dem Herzen liegt. Keine grosse Politik, sondern das kleine Leben. Und mein kleines Leben, das wird von diesem grässlichen Sommer empfindlich tangiert. Ja genau, Sie haben es bestimmt schon vermutet: Es geht mir wieder um das Wetter. Nein, nicht mehr ums Wetter, sondern um das Klima. Also um das, was wir aus unserem Klima gemacht haben.

Jeden Tag in den vergangenen Wochen habe ich mir die Wetterprognose angeschaut und hätte heulen können. Bei aller Liebe zur Sonne, ich konnte dieses ewiggleiche Symbol in der Wetter-App einfach nicht mehr ertragen. Nur heute, da ich diese Zeilen schreibe und es endlich wieder etwas kühler ist und sogar regnet, fühle ich mich etwas besser. Noch nie in meinem Leben habe ich mich so sehr über Regen gefreut wie heute. Ich hatte wirklich Angst, der Himmel sei zu so etwas gar nicht mehr fähig.

Jede Wolke, die mir in den letzten Wochen begegnet ist, habe ich angefleht, etwas Wasser auf mich und die vertrockneten Wiesen um mich herum auszugiessen – aber bis heute vergeblich. Lange allerdings wird dieses Gefühl der Erleichterung nicht anhalten, schliesslich macht so ein bisschen Regen noch kein Ende des Sommers. Und überhaupt setzt dann, wenn Hitze und Dürre endlich vorbei sind und alles wieder gemütlich zur Tagesordnung übergeht, erst mein Hauptproblem ein. Denn es wird mit Sicherheit nicht der letzte unerträgliche Sommer gewesen sein. Und sicherlich nicht der heisseste.

Das allerdings bringt mich schier zur Verzweiflung. Denn wir sind zwar unheimlich spät dran, aber wir könnten immer noch etwas tun. Das Allerschlimmste verhindern. Unfassbarerweise aber machen wir das nicht. Ganz im Gegenteil: Wir verhalten uns einfach getreu dem Motto «Nach mir die Sintflut». Wobei selbst dieses Sprichwort momentan angesichts der Trockenheit nur noch wie blanker Hohn wirkt. Nur ein kleines Beispiel: Wenn man in den letzten Tagen die Nachrichten gelesen hat, konnte man direkt unter den Artikeln zu fehlendem Wasser, zu Waldbränden und Hitzetoten die neuesten Zahlen zu den Flugbewegungen des Flughafens Zürich erfahren: All-time-Rekord! Wunderbar, oder? Man fliegt jetzt halt vielleicht mehr in den Norden und nicht mehr so nach Italien. Klimaanpassung nennt sich das.

Ja, ich weiss, es nervt, immer auf dem Individualkonsum rumzuhacken. Schön und gut, wenn ich mich in Verzicht übe. Aber eigentlich muss sich im Grossen etwas ändern. Aber wie denn bloss? Was kann ich dazu beitragen? Mit dieser Frage zermartere ich mir seit Wochen das überhitzte Gehirn. Eine – Achtung Metapher – zündende Idee, die wünschte ich mir jetzt. Vielleicht hat jemand einen Rat?

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