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Neophyten

Neophyten im Höngger Wald

10. September 2019 von

Das rasche Wachstum des Neophyten «Henrys Geissblatt» führt zu Dickichten, die die Waldverjüngung behindern.
Foto: Baudirektion Kanton Zürich

Das rasche Wachstum des Neophyten «Henrys Geissblatt» führt zu Dickichten, die die Waldverjüngung behindern.

Foto: Patricia Senn

Die Amerikanische Goldrute bildet dichte und zähe Monokulturen und verdrängt schützenswerte Arten vor allem in Naturschutzgebieten.

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Online seit
10. September 2019

Printausgabe vom
11. September 2019
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Auch im Höngger Wald gibt es invasive Neophyten. Neben Henrys Geissblatt sind es vor allem die Goldrute und der Sommerflieder, die sich ausbreiten. Dank der Zusammenarbeit von Stadt, Kanton und Privatwaldbesitzern ist die Situation jedoch unter Kontrolle.

Es regnet bis zum Boden, als Schaggi Heusser IV., Höngger Landwirt und einer der grössten Privatwaldbesitzer des Quartiers, einen Hang in der Nähe des Holderbachs hinaufklettert und auf die Stelle deutet, wo die Zivildienstler von Grün Stadt Zürich bereits den Neophyten Henrys Geissblatt entfernt haben. Die halb-immergrüne Schlingpflanze, die ursprünglich aus China kommt, bildet lange Triebe, die an Bäumen hochwachsen und ein dichtes Geflecht bilden können. Auch am Boden kann sich dichter Bewuchs bilden, der den natürlichen Unterwuchs hemmt und die Verjüngung behindert. Die Aktion der Stadt ist schon einige Jahre her, aber sie war wohl gründlich, nur ein einzelnes Pflänzchen ragt neben einem Baumstamm aus der Erde. 2016 hatte die Stadt Zürich einen Informationsanlass organisiert, an den auch Heusser als Waldbesitzer eingeladen wurde und über die invasiven Neophyten unterrichtet wurde. «Es gab schon immer fremde Pflanzen im Wald, aber lange waren sie kein Problem – oder man war sich dessen einfach nicht bewusst», erzählt Heusser, während er trittsicher auf dem rutschigen Waldboden zwischen den Bäumen und Sträuchern zur nächsten Stelle führt. Sobald er eine Stelle entdeckt, die betroffen ist, meldet er sie bei Grün Stadt Zürich, welche sich um die Vernichtung kümmert. Sie müssen jede Pflanze mitsamt der Wurzel entfernen, eine strenge Arbeit. «Für diese wertvolle Unterstützung bin ich dankbar», sagt der Waldwirt in vierter Generation. Das Verhältnis Stadt und Kanton bezeichnet Heusser als sehr gut, man hat einen gemeinsamen angenehmen Umgang gefunden, das war nicht immer so. Sinnvoll findet er die Bekämpfung der invasiven Arten auch, «wenn man nichts dagegen tut, überwuchern sie alles, die jungen Triebe anderer Bäume und Sträucher haben keine Chance, aufzukommen».

Lichtverhältnisse sind entscheidend

Weiter geht es durch den satten Hönggerwald fast bis zur Stadtgrenze Richtung Oberengstringen. Dort hat Sturm Lothar am 26. Dezember 1999 in nur 2,5 Stunden, die er brauchte, um über die Schweiz zu ziehen, erheblichen Schaden angerichtet. Nach fast zehn Jahren sind noch Spuren dieser Naturgewalt zu sehen, doch der Wald hat sich zurückgekämpft und das in einer erstaunlichen Vielfalt: «Hier gedeihen Ahorn, Buchen, Vogelbeeren, Eiben und sogar Rot- und Weisstannen», erzählt Heusser begeistert. Was an diesem Fleck scheinbar auch sehr gut wächst, ist die Amerikanische Goldrute, auf einer Lichtung hat sich ein beeindruckendes Feld davon gebildet. Später wird Heusser zum Mähen zurückkommen und den Standort bei der Stadt melden. Obwohl der Wald eine langfristige Angelegenheit ist und keine schnelllebigen Trends mitmachen kann, ist er gleichzeitig ein komplexes, sensibles Geschöpf. Die Lichtverhältnisse sind ausschlaggebend dafür, welche Arten gedeihen und welche nicht. Es braucht Licht am Boden, damit die Jungpflanzen überhaupt wachsen. Zu viel davon, und schon spriesst der Sommerflieder und andere Wucherpflanzen, wie die Brombeere oder die Gemeine Waldrebe, besser bekannt als «Niele», die Heusser, wie viele anderen auch, als junger Bursche geraucht hat. «Da wurde mir manchmal schlecht davon». Auch Efeu kann einem Baum schaden, wenn er in die Krone wächst. «Wir hauen nicht immer sofort alles ab, aber wenn es ungesund wird, handeln wir, sonst wird auch der Aufwand irgendwann unverhältnismässig gross». Momentan beschäftigt den Privatwaldbesitzer aber ein anderer Schädling stärker, als die Neophyten: Der Borkenkäfer hat zahlreiche Bäume befallen.

Auch Vereine werden aktiv

Neben Grün Stadt Zürich und den Privateigentümern beteiligt sich auch der Natur- und Vogelschutzverein (NVV) am Kampf gegen die invasiven Neophyten. Insbesondere auf ihren eigenen Pachtflächen am Ruggernweg und am Kappenbühl und in ihren Projekten entfernen sie die Pflanzen konsequent. «Beim Einjährigen Berufskraut machen wir pro Jahr bis zu fünf Durchgänge», sagt Benjamin Kämpfen vom NVV. Der NVV setzt sich auch bei der Stadt für die Beseitigung besonders schädlicher Arten, wie das erwähnte Henrys Geissblatt ein und informiert die Bevölkerung über das Thema. Neben dem Berufskraut sind vor allem die Goldruten und Schneebeeren sehr verbreitet. «Andere Arten wie der Essigbaum sind auf unseren Flächen praktisch verschwunden», so Kämpfen.
Korrigendum zum Artikel «Neo-was? Exotische Pflanzen in Höngg»: Anders als im Artikel geschrieben, ist der Kirschlorbeer nicht verboten. Obwohl er nicht auf der Schwarzen Liste erscheint, zählt der Kanton Zürich ihn zu den invasiven Neophyten, die bekämpft werden müssen. Grün Stadt Zürich empfiehlt ebenfalls, die Pflanzen zu entfernen. Sie ist allerdings noch immer zum Verkauf freigegeben.

Bereits zum Thema erschienen: «Neo-Was? Exotische Pflanzen in Hönggers Gärten», 29. August

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