Dagmar schreibt: Horror in Höngg

Unsere Redaktorin Dagmar Schräder schreibt über die grossen und kleinen Dinge des Lebens. Heute über ein Erlebnis, das sich Hollywood fast nicht besser hätte ausdenken können.

Foto: dad

Eigentlich wollte ich ja nicht schon wieder über meine Menagerie berichten. Ich hatte mir sogar schon ein nettes Thema ausgedacht, das gar nichts Tierisches beinhaltete. Aber dann ist letzte Woche etwas vorgefallen, das ich unbedingt loswerden muss. Denn ich hab in meiner kleinen Idylle etwas erlebt, das durchaus Potenzial für einen Horrorfilm gehabt hätte.

Folgendes ist passiert: Ich war wie jeden Morgen bei meinen Hühnern: füttern, Eier einsammeln und so. Begleitet wurde ich von einer kleinen Hündin, so ein Dackelverschnitt. Diese war auf meinem Grundstück schon die Tage zuvor immer ganz aufgeregt gewesen, hatte gebellt und war unentwegt um mein kleines Holzhäuschen rumgerannt. Mehrfach war sie sogar schon in eine kleine Lücke unter das leicht erhöht stehende Häuschen gekrochen. Dort müssen Mäuse sein, dachte ich mir.

Ein Loch am Eingang

Auch an diesem Morgen war sie ganz ausser sich und schnüffelte wild herum, während ich meine Hühner versorgte. Plötzlich aber ertönte ein lautes Fauchen und Knurren, gefolgt von einem qualvollen Quietschen der Hündin. Sofort liess ich die Hühner Hühner sein und rannte zu der Stelle, wo das Geräusch herkam. Die Hündin stand direkt beim Eingang zu besagtem Loch und sah zwar einigermassen verzweifelt aus, wirkte aber sonst intakt. Ich rief sie zu mir, doch sie kam nicht. Konnte sie auch nicht. Die Leine, die ich zu Sicherheitszwecken an ihr gelassen hatte, befand sich unter dem Häuschen und schien dort festzustecken. So sehr sie sich auch bemühte, sie konnte sich nicht befreien.

Also begann ich, selber am Hund und an der Leine zu ziehen. Doch die bewegte sich keinen Millimeter. Stattdessen ertönte nun erneut dieses furchteinflössende Geräusch, dieses Fauchen und Grollen. Der Schreck fuhr mir in die Glieder. Die Leine steckte nicht fest – etwas hielt sie fest! Unter dem Häuschen! Dieses Etwas versuchte, den Hund zu sich in die Höhle zu ziehen. Mit enormer Kraft und offensichtlich steigendem Missbehagen, wie dem Grollen unschwer zu entnehmen war.

Das Monster reagierte sofort

Was zur Hölle war das? Ich zog fester, bekam es aber gleichzeitig mit der Angst zu tun. Was, wenn dieses Wesen plötzlich aus seiner Deckung hervorkommen und mich in die Finger beissen würde? Ich gabs auf. Hastig öffnete ich den Karabiner, der die Leine mit dem Geschirr des Hundes verband, befreite den Vierbeiner aus seiner misslichen Lage und schaute, dass ich mit ihm auf dem Arm Land gewinne. Das Monster unter dem Haus reagierte sofort und zog die Leine zu sich.

Weg war sie. Für immer verloren. Denn darunter fassen und sie dort wieder rausholen, das war mir dann doch zu wild. Notfallmässig bastelte ich aus Schnur eine Ersatzleine, um die Hündin davon abzuhalten, ihr Leben erneut aufs Spiel zu setzen und wieder unter das Haus zu kriechen. Sie war nämlich nicht halb so schockiert wie ich. Ich hingegen musste das Erlebte erst mal verarbeiten – und mich schlau machen, was das für ein Wesen gewesen sein könnte, dass sich da bei mir breit gemacht hat.

Einen Verdacht hatte ich bereits, der sich dann bei meiner Recherche erhärtete: Ein Dachs hatte sich hier häuslich eingerichtet! Verdenken kann ich es ihm nicht. Auch nicht, dass er sich gegen die aufdringliche Hündin zur Wehr setzen wollte. Doch was passiert wäre, wenn er sie zu sich unters Haus gezogen hätte, das will ich mir gar nicht ausmalen.

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