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Zwischen «Pinzetteneingriff» und «Schwertkur»

3. Mai 2017 von

Foto: Fredy Haffner

Qualität statt Quantität: die bislang ausgewerteten Verkehrspläne in der Redaktion des «Hönggers».

Von

Online seit
3. Mai 2017

Printausgabe vom
04. Mai 2017
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Von einzelnen neuen Lichtsignalen über einen «Grosskreisel-Verkehr» bis hin zu neuen Umfahrungsmöglichkeiten schlagen Leserinnen und Leser des «Hönggers» Lösungen für den «gordischen Knoten Verkehr Höngg» vor. Dies zeigt, dass das Thema nach wie vor beschäftigt – selbst wenn sich bislang nicht viele trauten, ihre Meinung zu Papier zu bringen.

Die üblichen Kritiker solcher «Höngger»-Aktionen wie dieser zum Thema «Gordischer Knoten Verkehr Höngg» werden es so oder so monieren und deshalb sei es gleich klar gesagt: Die Menge der Pläne und Ideen, die bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe eintrafen, ist anzahlmässig nicht repräsentativ. Zieht man jedoch alle in den letzten Jahren mündlich geäusserten Meinungen hinzu, dann bilden sie diese ziemlich genau ab. Und: Die Qualität der meisten eingesandten Pläne oder Leserbriefe (siehe Seite XY) ist erstaunlich hoch. Da haben sich einige Hönggerinnen und Höngger mit der Problematik augenscheinlich und eingehend befasst. Die Auslegung der gemachten Vorschläge zur Verbesserung der Verkehrssituation lässt sich in folgende Kategorien aufteilen.

Der grosse Kreisverkehr

Mit Abstand am meisten vorgeschlagen wurde ein grosser Kreisverkehr: Vom Meierhofplatz her in die Regensdorferstrasse, dann links in die Wieslergasse hinunter zur Limmattalstrasse und von dort zurück zum Meierhofplatz. Alles ohne Gegenverkehr. Das bedeutet, wer von der Regensdorferstrasse stadteinwärts will, muss über die Wieslergasse hinunter zur Limmattalstrasse und sich dort in den Verkehr hoch zum Meierhofplatz einreihen. Und wer die Gsteigstrasse hinunterkommt, muss, egal wo er oder sie hin will, den Weg über die Regensdorferstrasse und gegebenenfalls die Wieslergasse einschlagen. Einzig Bus und Tram dürften wie heute direkt über den Meierhofplatz verkehren. Denkbare Vorteile dieser Variante: Der allgemeine Verkehr würde sich, sofern die Ampeln intelligent regelnd eingreifen, verflüssigen und sich weniger stauen. Trotzdem könnte der Durchgangsverkehr aus Richtung Regensdorf und Affoltern allenfalls abnehmen, da die Durchfahrt des Zentrums Höngg «komplizierter» wird. Nachteilig wäre hingegen der klare Mehrverkehr durch die Wieslergasse sowie – speziell für den Höngger «Binnenverkehr» – etwas umständlichere Verkehrsverbindungen. Erstaunlich an diesen Vorschlägen ist, dass sie zum grossen Teil genau jene Ideen umsetzen wollen, mit der im August 2010 die Dienstabteilung Verkehr (DAV) das Problem in einem sechsmonatigen Versuch wenigstens als Test hatte angehen wollen: Mit einem Rechtsabbiegegebot – linksabbiegen oder geradeausfahren wäre verboten worden – am Meierhofplatz von der Regensdorfer- in die Limmattalstrasse. Dies hätte auch zur Folge gehabt, dass der Verkehr über die Wieslergasse hätte ausweichen müssen. Hätte sich das Quartier, jedenfalls die damals öffentlichen Stimmen, nicht so vehement gegen den Versuch gewehrt und die DAV letztlich zum Rückzug bewogen, wüsste man längst, ob es funktioniert oder nicht.

Neue Ampeln vor der Post

Ein kleiner, dafür effizient scheinender Wurf sind die verschiedenen Vorschläge, endlich die allseits hinderliche Situation beim Fussgängerstreifen vor der Post über die Gsteigstrasse zu lösen. Mehrfach wird vorgeschlagen, an dieser Stelle ein Lichtsignal anzubringen, das den Fussgängern den Übergang regelt und dem übrigen Verkehr die ewige – wenn auch klare – Frage klärt, wer denn nun Vortritt habe. Ergänzend dazu wird ein neues Lichtsignal mit Fussgängerstreifen gleich beim Riegelhaus an der Ecke Regensdorfer-/Gsteigstrasse empfohlen. Dafür solle jener zwischen UBS und Canto Verde ersatzlos aufgehoben werden. Allerdings würden sich so die Wege für Fussgänger rund um den Meierhofplatz etwas verlängern – andererseits ist genau dieser Übergang jener, an dem man sich heute buchstäblich die Füsse in den Bauch steht. Warum also nicht lieber gleich ein paar Schritte mehr machen?

Verbindungsstrasse und Tunnel

Nicht zum ersten Mal vorgeschlagen wird eine neue Verbindungsstrasse über den Hönggerberg, quer durch den Wald. Sie solle den Rütihof irgendwo zwischen Heizenholz und Restaurant Grünwald direkt mit der Emil-Klöti-Strasse bei der ETH Hönggerberg verbinden. Der Vorteil: Der Verkehr aus dem Furttal, dem rechtsseitigen Limmattal, aber auch aus dem Rütihof würde nicht mehr durch das Zentrum von Höngg – oder über die Strasse Am Wasser – in Richtung Stadt fliessen, sondern über den Bucheggplatz. Ein Einsender schlägt konkret einen Tunnel vor, um keine Waldfläche zu verlieren, der andere belässt es bei einer normalen Strasse. Eine Zwischenlösung wäre wohl eine abgesenkte Strasse mit in kurzen Abständen vorhandenen Wildquerungen. Ein neuer Tunnel «oben», ein alter «unten»: Natürlich ist auch der Tunnel ab der Europabrücke weiterhin gedanklich nicht vom Tisch. «Ohne Tunnel keine Lösung», schrieb jemand zu der entsprechenden Zeichnung auf den Plan. Tunnels mit Ausgängen direkt in Affoltern, bei der ETH Hönggerberg oder am Bucheggplatz werden vorgeschlagen.

Häuser abreissen

Erstaunlich, doch tatsächlich wurde auch vorgeschlagen, bestehende Häuser abzureissen, um mehr Platz für den Verkehr zu schaffen – ein Gedanke, der vor einem halben Jahrhundert noch salonfähig war, doch schon damals – man dankt es heute – nicht umgesetzt wurde. Konkret vorgeschlagen wird der Abriss des Orsinihauses am Meierhofplatz mit dem Canto Verde im Erdgeschoss. Oder der Hauskomplex in dem He-Optik zuhause ist – dies mit der Bemerkung, dass der Hausteil an der Ecke zum Gässli sowieso seit Jahren leer stehe.

Die Pläne liegen zur Einsicht auf

In diese Hauptrichtungen gehen also die bislang eingegangenen Vorschläge. Sie fächern sich auf irgendwo zwischen einem «Pinzetteneingriff» oder – um auf den Vergleich mit der Sage um Alexander dem Grossen und dem Gordischen Knoten zurückzukommen – einer «Schwertkur». Einige wenige wurden eingesandt, die nur kleine Veränderungen wie zum Beispiel eine bessere Veloweg-Variante oder die Verkürzung einer Traminsel vorschlagen. Die bereits eingegangenen liegen zur Einsicht im Infozentrum des «Hönggers» auf. Ob sich daraus wohl etwas entwickelt?

Der «Höngger» freut sich auf weitere Lösungsvorschläge und Meinungen zum Thema «Verkehr Höngg». Im Infozentrum des «Hönggers» am Meierhofplatz 2 sind weitere noch leere Pläne gratis erhältlich.

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