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Dossier Am Wasser/Breitensteinstrasse

Warum will der Verkehr nicht weg?

19. Januar 2012 von

Foto: Archiv «Höngger»

Ob und um wie viel das Verkehrsaufkommen Am Wasser abnahm, ist noch nicht erhoben.

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19. Januar 2012

Printausgabe vom
19. Januar 2012
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Mitte November 2011 erhob die Interessengemeinschaft Am Wasser/Breitensteinstrasse (IGAWB) in einer Pressemitteilung an die Medien Vorwürfe gegenüber der Dienstabteilung für Verkehr der Stadt Zürich (DAV). Diese widerspricht.

Der Ist-Zustand an der Strasse Am Wasser ist, da widerspricht niemand, in verschiedenster Hinsicht unbefriedigend. Zu viel Verkehr fliesst auf Höngger Seite zu schnell und zu gefährlich über die partiell zu enge Strasse parallel zur Limmat. Deshalb schlossen sich Anwohner bereits am 26. Januar 2010 zur IGAWB zusammen, um die rund 2500 Anwohner zu vertreten. Besonders während der Sanierung der Hardbrücke nahm der Verkehr merklich zu und die Anwohner wehrten sich mit Transparenten dagegen. Seit dem 31. Oktober sind die Bauarbeiten abgeschlossen, auf die erhoffte Entlastung wartet die IGAWB vergeblich: «Die Achse Am Wasser–Breitensteinstrasse wird nach wie vor als Schleichweg genutzt, der Verkehr hat lediglich um 15 Prozent abgenommen», schrieb sie Mitte November an die Medien. In Zahlen: 1995 waren es noch 4’000, seit der Eröffnung der Westumfahrung und dem Rückbau der Weststrasse nahezu 15’000 Fahrzeuge täglich.

Zu früh für ein Fazit

Die DAV, seit längerer Zeit mit der IGAWB in direktem Gespräch, zeigt sich überrascht, dass diese Aussagen verbreitet, die ihrer Ansicht nach nicht den Tatsachen und der Wahrheit entsprechen. «Diese Zahl von 15’000 Fahrzeugen bezieht sich auf einen Zeitpunkt vor dem Ende der Sanierung der Hardbrücke», hält Heiko Ciceri, Kommunikationsverantwortlicher der DAV, fest, als ihn der «Höngger» mit den Aussagen der DAV konfrontiert. Und es sei auch verfrüht, nach sechs Wochen ein aussagekräftiges Fazit zu ziehen, die DAV werde erst im Frühling 2012 Zahlen präsentieren, nachdem die Verkehrsentwicklung über eine längere Periode hatte beobachtet werden können. Man strebe seitens der Stadt mit den zur Verfügung stehenden Mitteln noch weitere Rückverlagerungen auf andere Verkehrswege an. Wie schwierig es ist, den Autofahrenden eine einmal angewöhnte Fahrroute wieder abzugewöhnen, dürfte jeder Verkehrsteilnehmer aus eigener Erfahrung wissen. Das bestätigt auch Ciceri: «Auf die Routenwahl eines jeden Einzelnen können wir keinen direkten Ein- fl uss ausüben.»

Was brächte eine «Dosierungsanlage»?

Eine solche Möglichkeit sieht die IGAWB indes in einer ihrer Ansicht nach geplanten Lichtsignalsteuerung an der Europabrücke: Von dort kommend sollte der Verkehr, welcher stadteinwärts rechts in die Strasse Am Wasser einbiegen will, dosiert werden. Die Grünphasen wären dabei so kurz, dass jeweils nur wenige Fahrzeuge passieren könnten. «Das Tiefbauamt der Stadt Zürich hat schon seit längerem die Baupläne ausgearbeitet. Doch nun hat das Präsidium der DAV den geplanten Umbau der Lichtsignalsteuerung an der Europabrücke blockiert», beklagt sich die IGAWB. «Das ist eine Unterstellung, die nicht den Tatsachen entspricht», ist Ciceri empört. Die «Dosierungsanlage» sei gegenüber der IGAWB nie versprochen worden, sondern die DAV habe lediglich zugesichert, eine solche Anlage zu prüfen. Was denn auch geschah – ein eigentliches Bauprojekt gibt es aber noch nicht und eine allfällige Ausführung wurde durch das Tiefbauamt frühestens auf den Sommer 2012 in Aussicht gestellt, vorausgesetzt, die Finanzierung wäre im Budget 2012 sichergestellt. Doch grundsätzlich zieht die DAV den Nutzen einer solchen Anlage aus praktischen Gründen in Zweifel, da die Rechtsabbiegerspur von der Europabrücke auch eine Busspur sein müsste: «Um die öV-Bevorzugung aufrechtzuerhalten, müssten wir jedes Mal, wenn sich ein Bus der Verzweigung nähert, die wartenden Fahrzeuge in Richtung Am Wasser abfliessen lassen.» Quintessenz: Die Dosierungswirkung wäre in den Spitzenzeiten äusserst gering.

Allgemeine Forderungen und Pläne

Der IGAWB liegen aber auch allgemeine Anliegen am Herzen. So fordert sie unter anderem ein durchgehendes Tempo 30, bauliche Anpassungen, keinen Durchgangsverkehr und ein 24-Stunden-Schwerverkehrsverbot Tag und Nacht − ausgenommen wären lediglich Lieferungen für das Quartier. Die DAV betrachtet diese Forderungen differenziert: «Wir halten mit Nachdruck fest, dass bereits heute Tempo 30 im Abschnitt Grossmannstrasse bis Am Wasser Hausnummer 125 gilt. Dies entspricht rund einem Viertel der Gesamtstrecke dieser Achse», schreibt Heiko Ciceri. Auch sei grundsätzlich festzuhalten, dass es sich bei dieser Achse um eine kantonal klassierte Strasse handelt, welche eine gewisse Kapazität aufnehmen muss: «Bevor die Stadt eine Massnahme ergreifen kann, muss auch der Kanton sein Einverständnis geben und auch Strassenverkehrsgesetz und Signalisationsverordnung – in der Kompetenz des Bundes – sind zu beachten.»

Umbau für 2015 geplant

Was die baulichen Massnahmen betrifft, so existiert dagegen beim Tiefbauamt ein Bauprojekt, das die Umgestaltung der ganzen Achse unter Einhaltung der kantonalen Vorgaben vorsieht. Entlang der ganzen Strasse Am Wasser ist beidseitig ein Gehsteig geplant. So auch an der engsten und gefährlichsten Stelle, beim Haus 108. Die Mauer vor dem hangseitigen Anwesen – übrigens im Besitz der Stadt Zürich –, vor welcher der Gehsteig derzeit noch abrupt endet, wird zurückversetzt. Zahlreiche neue Gehsteige, Radstreifen, Verkehrsinseln und Neugestaltungen der Fussgängerübergänge sollen zu einer Verkehrsberuhigung führen. Der Bau sei «für 2012 geplant», berichtete der «Höngger» vom 3. Dezember 2009. Im Dezember 2011 bestätigt Stefan Hackh, Leiter Kommunikation beim zuständigen Tiefbauamt, den Baubeginn auf 2015, vorausgesetzt, es gehen nach der Ausschreibung keine Einsprachen ein und das Budget wird bewilligt.

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