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Politik / Im Blickfeld

Tanz um das goldene Kalb

14. Dezember 2016 von

Foto: zvg

Judith Stofer, Kantonsrätin AL, Zürich Kreis 6/10

Von

Online seit
14. Dezember 2016

Printausgabe vom
15. Dezember 2016
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Der Kanton ist wieder im Sparmodus. Leistungsüberprüfung 2016 oder verniedlichend abgekürzt Lü16 heisst dieses neue Sparprogramm, mit dem die Zürcher Regierung jährlich einige hundert Millionen Franken sparen will.

Gespart werden soll vor allem bei der Bildung, bei den Prämienverbilligungen für Krankenkassen und bei den Löhnen des Personals. Des Weiteren will er das Budget mit diversen Mehreinnahmen wie zum Beispiel Plafonierung des Pendlerabzugs bei 3000 Franken wieder ins Lot bringen.

Wer hat, dem wird gegeben

Am 12. Dezember hat zudem der Kantonsrat mit den Beratungen zum Budget 2017 begonnen. Es zeichnet sich dabei auch dieses Jahr wieder ab, dass die bürgerliche Mehrheit mit ihren Vorschlägen zum weiteren Abbau bei der Bildung sowie den Löhnen des kantonalen Personals erfolgreich sein wird. Was die bürgerliche Mehrheit bei der Budgetdebatte jeweils veranstaltet, ist nicht mehr und nicht weniger als ein moderner Tanz um das goldene Kalb. Wer hat, soll weiterhin mehr bekommen, wer nichts hat, muss noch mehr bluten. Zu den Sparvorschlägen gehören auch die Schliessung der Lehrwerkstätte für Möbelschreinerinnen und Möbelschreiner in Zürich sowie die Lehrateliers für Damenschneiderinnen in Winterthur. Einige Jugendliche aus dem Kreis 10 haben ihre Lehre als Möbelschreiner an der Lehrwerkstätte in Zürich abgeschlossen.

Lange Tradition

Mit der Schliessung der Lehrwerkstätten und der Lehrateliers sollen zwei seit Jahrzehnten hervorragende, gut eingespielte und etablierte Einrichtungen des dualen Berufsbildungssystems ohne Not und aus billigen Spargründen zerstört werden. Die Absolventinnen und Absolventen der Lehrwerkstätten und der Lehrateliers werden von der Branche stark nachgefragt. Vielen Ein-Mann und Ein-Frau-Gewerbebetrieben der Schreiner- bzw. Bekleidungsgestalterinnenbranche ist es nicht möglich, Lernende selbst auszubilden, da sie zu klein sind. Aus diesem Grund ist dieses ergänzende Angebot mit den Lehrwerkstätten und Lehrateliers eminent wichtig. Der Regierungsrat begründet seinen Schliessungsentscheid damit, dass der Kanton Zürich keine Tradition mit Lehrwerkstätten habe und diese die duale Berufslehre konkurrenzieren würden. Diese Argumentation kann ich nicht nachvollziehen. Bei näherer Betrachtung entpuppt sie sich als reine neoliberale Ideologie. Lehrwerkstätten haben eine lange geschichtliche Tradition in der Schweiz. Ein Bildungsangebot ist ein Bildungsangebot. Egal, ob es sich dabei um eine Lehrwerkstatt, ein Lehratelier oder eine Lehrstelle in einem Betrieb handelt – in jedem Fall werden stark nachgefragte Fachkräfte ausgebildet.

Ich lehne diese unsinnige Schliessung ab. Damit unsere Jungen eine Zukunft haben.

Judith Stofer, Kantonsrätin AL, Kreis 6/10

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