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Dossier Verkehr Höngg/Kreis 10

Schlussbericht «Workshops Verkehr Kreis 10», Teil 1

10. Mai 2013 von

Foto: Fredy Haffner

Segen oder Fluch? Jede der vorgeschlagenen Massnahmen, wie die Bäulistrasse vom Schleichverkehr befreit werden könnte, bringt Vor- und Nachteile für die Anwohner. So zum Beispiel auch die diskutierte Möglichkeit, die Durchfahrt auf Höhe der Grossmannstrasse zu unterbinden. Foto: Fredy Haffner

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10. Mai 2013

Printausgabe vom
10. Mai 2013
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Diese Tage wurde der Schlussbericht, datiert vom 2. Mai, veröffentlicht. Der «Höngger» hatte in der Ausgabe vom 26. April bereits aus einer ersten Fassung die für Höngg relevanten Empfehlungen erläutert. Im Schlussbericht sind nun auch die ersten Stellungnahmen der Stadt präsentiert. Der «Höngger» berichtet detailliert in zwei Teilen.

Im von der Dienstabteilung Verkehr und vom Tiefbauamt der Stadt Zürich durchgeführten Mitwirkungsprozess «Verkehr Kreis 10» mit rund 30 Vertreterinnen und Vertretern aus den Quartieren Höngg und Wipkingen wurden an drei Veranstaltungen 17 Empfehlungen zur Verbesserung des Verkehrs zuhanden der Stadt erarbeitet. Zielsetzung des Mitwirkungsprozesses war es, gemeinsame Ziele und Strategien im Umgang mit dem Verkehr zu formulieren und denkbare, möglichst pragmatische Lösungsansätze oder gar Lösungen zu finden, die kurz oder mittelfristig realisierbar sind, wobei die übergeordneten Vorgaben der regionalen und kantonalen Richtpläne zu berücksichtigen waren. Der Schlussbericht zeigt, wie intensiv sich die Gruppe mit der Thematik auseinandergesetzt hat. Dafür gebührt den Teilnehmenden grosser Dank. Sichtbar wird aber auch, dass die heterogene Gruppe verschiedentlich keinen Konsens fand.

«Knackpunkt» Meierhofplatz

So fand sich zum «Knackpunkt» Meirhofplatz – hier als Beispiel für alle Punkte herausgegriffen – kein Konsens zur Problemwahrnehmung, ob nun zu wenig oder genügend Raum für Fuss- und Veloverkehr vorhanden und die Aufenthaltsqualität allgemein gut oder ungenügend sei. Dafür war man sich einig, dass der Stau auf den Zufahrtsachsen ein Problem ist, der öffentliche Verkehr zu den Stosszeiten behindert wird, seine Passagiere lange Umsteigewege haben − Beispiel stadtauswärts Bus 46 zu Bus 80 − und dass die Fussgängerquerungen, also die Zebrastreifen, ungenügend oder gar unsicher sind. Entsprechend wurde dann auch um einen Konsens bei der Formulierung der Zielsetzungen und Anregungen an die Stadt gerungen.
Die gefasste Empfehlung an die Stadt lautet: «Die Rückstauerscheinungen auf der Limmattalstrasse, die infolge des Lichtsignals am Meierhofplatz entstehen, werden vorverlagert auf Strecken, auf denen vom Tramtrassee unabhängige Spuren für den MIV (motorisierter Individualverkehr) zur Verfügung stehen.»
Die Einschätzung zu dieser und allen folgenden Anregungen wurden von den Fachleuten der Dienstabteilung Verkehr (DAV) und vom Tiefbauamt in Zusammenarbeit mit einem Verkehrsingenieur-Büro vorgenommen. Hier lautet sie: «Die Massnahmen sind prüfenswert. Bei einer weiteren Vertiefung ist besonderes Augenmerk auf die gesamtverkehrliche Leistungsfähigkeit, die Sicherheit für zu Fuss Gehende und Velofahrende sowie die Auswirkungen im Bereich der neuen Rückstaubereiche zu legen.»
Eine andere Anregung befasste sich mit der Haltestellensituation am Meierhofplatz. Die Gruppe diskutierte unterschiedliche Verbesserungsvorschläge: So könnte etwa die Haltestelle der Buslinie 46 stadtauswärts in die Tramhaltestelle an heutiger Lage integriert werden. Oder eine kombinierte Tram- und Bushaltestelle würde unmittelbar vor dem Meierhofplatz stadtauswärts an die rechte Trottoirkante verlegt. Ein dritter Vorschlag würde die kombinierten Tram- und Bushaltestellen in beiden Fahrtrichtungen auf der Höhe der heutigen Tramhaltestelle stadteinwärts einander gegenüberliegend anordnen. Die Empfehlung aus dem Mitwirkungsprozess ganz allgemein: «Weitergehende Ideen zur Zusammenlegung von Bus- und Tramhaltestellen werden einer genaueren Prüfung unterzogen.» Und die Einschätzung der Behörden dazu: «Die weitergehenden Massnahmen könnten die Leistungsfähigkeit für den MIV teilweise erheblich reduzieren, was zu einer weiteren Zunahme der Rückstaus und zu Verlagerungen auf andere Achsen führen dürfte. Entsprechend werden vor allem die letzten beiden Vorschläge seitens der Stadt eher kritisch eingeschätzt. Da jedoch auch der Stadt eine effizientere Nutzung des vorhandenen engen Raumes ein Anliegen ist, sollen die Potenziale der genannten Ideen ausgelotet werden.»

Das «Quartierzentrum» aufwerten

Wo Höngg sein «Quartierzentrum» hat, wird verschieden beurteilt. Hier sprach man gezielt vom untersten Bereich der Regensdorferstrasse zwischen Gsteigstrasse und Wieslergasse, wo «ein grosser Teil der kommerziellen Einrichtungen angesiedelt ist», wie es im Dokument heisst. Die Empfehlung dazu: «Das Quartierzentrum wird mit einer fuss- und veloverkehrsfreundlichen Gestaltung der Strassenräume insbesondere im unteren Teil der Regensdorferstrasse massgeblich aufgewertet.» Und die Einschätzung der Behörden dazu: «Eine Aufwertung des unteren Teils der Regensdorferstrasse ist grundsätzlich prüfenswert. Mit welchen konkreten Massnahmen dies möglich ist, muss noch vertieft untersucht werden.» Anzumerken ist, dass am 14. Mai 2012 ein Postulat der GLP-Gemeinderäte Guido Trevisan und Gian von Planta eingereicht wurde, das die «Einrichtung einer Begegnungszone mit Tempo 20 an der Regensdorferstrasse zwischen Brühlweg und Hol- brigstrasse» vorschlägt.

Schluss mit Schleichverkehr in der Bäulistrasse

Die Bäulistrasse wird, von der Strasse Am Wasser aus, häufig und insbesondere abends als Schleichweg zur Umfahrung des Meierhofplatzes benutzt. Am Mitwirkungsprozess wurden verschiedene Vorschläge erarbeitet, doch jeder birgt auch negative Folgen, deshalb lautet die Anregung allgemein: «Weitere Vorschläge zur Verringerung des Schleichverkehrs in der Bäulistrasse werden einbezogen und zusammen mit den vorliegenden Vorschlägen auf ihre Zweckmässigkeit hin überprüft.» Und die Einschätzung der Behörden dazu: «Das Problem ist erkannt. Es wurde bereits eine Vielzahl von Lösungsansätzen studiert, welche dann aus verschiedenen Gründen verworfen wurden, oft insbesondere aufgrund grossen Widerstands aus dem Quartier. Aus städtischer Sicht sind keine neuen Lösungsansätze offenkundig. Gegebenenfalls könnte ein Versuchsbetrieb weiterhelfen.»

Was der «Höngger» «verschwieg»

Natürlich kam am Mitwirkungsprozess auch wieder die alte Idee einer Tunnellösung ab Europabrücke unter dem Rebhang der Kirche zur Sprache, wie «Zürich Nord» mit prominenter Bildmontage berichtete. Die Empfehlung lautete: «Die Stadt prüft neue Tunnelverbindungen ab Europabrücke.» Doch die Priorisierung der Gruppe zeigt bereits, wie unwichtig diese Anregung ist. Der «Höngger» ging deshalb auch nicht darauf ein – und auch die Stadt wird es wohl nicht tun, wie deren erste Einschätzung zeigt: «Alle bisherigen Untersuchungen zeigen, dass die heutigen Verkehrsnachfragen auf diesen Relationen einen solchen, sehr teuren Tunnel bei weitem nicht rechtfertigen oder dass sie sogar unerwünschten Verkehr anziehen. Die Stadt sieht hier keinen Handlungsbedarf.»  
Aus Platzgründen musste dieser Bericht zweigeteilt werden.

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