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Höngger Fauna

Königin des Jahres

11. Juli 2018 von

Sommerlicher Hochbetrieb am Nest der Sächsischen Wespe an einem Obstbaum auf dem Hönggerberg: Während die einen durch Flügelfächeln für Kühlung sorgen, fliegen andere Arbeiterinnen mit Beuteinsekten für die Larven ein.
Foto: Dr. Hans-Peter B. Stutz

Sommerlicher Hochbetrieb am Nest der Sächsischen Wespe an einem Obstbaum auf dem Hönggerberg: Während die einen durch Flügelfächeln für Kühlung sorgen, fliegen andere Arbeiterinnen mit Beuteinsekten für die Larven ein.

Foto: Dr. Hans-Peter B. Stutz

Sommerlicher Hochbetrieb am Nest der Sächsischen Wespe an einem Obstbaum auf dem Hönggerberg: Während die einen durch Flügelfächeln für Kühlung sorgen, fliegen andere Arbeiterinnen mit Beuteinsekten für die Larven ein.

Von

Online seit
11. Juli 2018

Printausgabe vom
12. Juli 2018
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Wie ein Fantasieschloss aus einem Science-Fiction-Film klebt das Nest der Sächsischen Wespe am Stamm eines Obstbaums auf dem Hönggerberg. Und höfisch geht es hier auch zu und her, denn der Königin stehen über 200 Arbeiterinnen zu Diensten.

Zu ihrem Hofstaat kam die Königin jedoch nicht etwa durch Erbfolge, sondern durch harte Arbeit. Im April verliess die gut sechs Monate junge Königin ihr Winterversteck. Zuerst musste sie sich die aufgebrauchten Energiereserven wieder anfressen und dann einen Platz für ihr Nest suchen, den sie schliesslich am Stamm eines Birnbaumes fand. Vielleicht beeinflusste sie dabei ein toter Baum in der Nähe, an dem sie mit ihren Mundwerkzeugen morsches Holz abraspeln konnte. Dieses vermischte sie mit Speichel und pflasterte daraus ein kleines, schirmförmiges Dach und ein paar wenige Zellen, in die sie je ein Ei ablegte. Die ausschlüpfenden Larven fütterte sie bis zur Verpuppung mit Insekten. Nach dem Schlupf dieser ersten Arbeiterinnen konnte sich die Königin auf ihre eigentliche königliche Aufgabe konzentrieren: das Eierlegen. Ihre so immer zahlreicher werdenden Arbeiterinnen bauten das Nest laufend um und aus, schufen mehrere Waben-Stockwerke, umhüllt von einem schützenden Mantel. Schliesslich erreichte das Nest seine jetzige Grösse, die ungefähr einer gefüllten Einkaufstasche entspricht. Am relativ kleinen Eingang geht es rege zu und her. Die Arbeiterinnen fliegen ununterbrochen Larvenfutter ein, bevorzugt Fliegen. Sie selber ernähren sich von Larvenspeichel und Blütennektar. In extra grossen Zellen haben sie Larven grossgezogen, aus deren Puppen jetzt Männchen und neue Königinnen schlüpfen. Die erst einjährige Königin wird bald keine Eier mehr legen und sterben. Auch die letzten Arbeiterinnen werden in den nächsten Wochen ihr Lebensende erreicht haben und der Hofstaat wird zusammenbrechen. Nun paaren sich im Obstgarten die neuen Königinnen mit den Männchen und speichern deren Spermien in speziellen Samentaschen. Damit ist das Drohnenleben auch gleich wieder beendet. Im Herbst suchen die Königinnen ein Winterquartier im Totholz, hinter Baumrinden, oder in Spalten an Gebäuden. Aber keine von ihnen wird im nächsten April das wunderbare Mutterschloss übernehmen, sondern jede wird in mühsamer Arbeit einen neuen Staat gründen und «Königin des Jahres» sein. Königlich präsentieren sich allerdings alle Artgenossen, auch die Arbeiterinnen und Drohnen: Das Erkennungsmerkmal von Dolichovespula saxonica ist nämlich ein Fleck auf dem Stirnschild, der einer Krone ähnelt.

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