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Leitartikel

Mit Trommelwirbel ins neue Jahr

10. Januar 2018 von

Foto: Fredy Haffner

Urs und Walter Zweifel stossen mit dem Zunftmeister der Zunft zu den drei Königen, Walter H. Käser, und ebendiesen Würdenträgern aus dem «Morgenland Enge» auf das 120. Jahr der Firma Zweifel Weine an.

Foto: Fredy Haffner

Die Tambouren der Knabenmusik Zürich wirbelten das neue Jahr akustisch bereits schwungvoll auf – liessen es nachhaltig wirken im 120. Jahr von Zweifel Weine.

Von

Online seit
10. Januar 2018

Printausgabe vom
11. Januar 2018
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Der traditionelle Neujahrsapéro im Zweifel Vinarium Höngg – dem einige die Bedeutung eines inoffiziellen Startschusses zum hiesigen gesellschaftlichen Leben des neuen Jahres beimessen – fand vergangenen Samstag in einem anderen Rahmen statt als gewohnt.

Alles neu, macht der Mai, wäre man versucht zu sagen, wäre es nicht erst Januar, denn nicht im Fasskeller traf man sich, um das 120. Jahr der Firma Zweifel zu eröffnen, sondern im Vinarium und auf dessen Terrasse. Der Grund ist schnell erzählt: Der Fasskeller wird derzeit aufgefrischt und steht erst Ende Januar für die Neuheitendegustation wieder zur Verfügung. Im Mai wird dann das ehemalige Restaurant Argentina mit einem neuen Konzept wiedereröffnet und das Vinarium selbst sowie die Mall zwischen diesem und der Migros werden neu gestaltet sein – Details dazu wollte der Delegierte des Verwaltungsrates, Walter Zweifel, jedoch noch nicht veröffentlicht sehen und so vertröstete er den «Höngger» auf eine Exklusivvorschau in einer der kommenden Ausgaben. Nur so viel sei verraten: Das Konzept verspricht einen lebendigen gesellschaftlichen Treffpunkt mit vielen Möglichkeiten. Also kam der Neujahrsapéro eben etwas anders daher. Es fehlte der Rückblick von Önologe Urs Zweifel auf das vergangene Weinjahr, und Walter Zweifel hob sich die Fortsetzung seines Drei-Königs-Märchens über Fussballkönig Blatter, Stadtkönigin Corinne Mauch – bei ihr hätte der Stadtratswahlkampf bestimmt gute Anekdoten geliefert – und den Oberkönig aus der Enge, Zunftmeister Walter H. Käser, auf eine spätere Gelegenheit auf. Auch die Treberwurst fehlte, doch der erste Wein des Jahres, der «Primeur», schmeckte den Anwesenden auch so. Dieses Jahr war es eine schöne Variante in Rosé, ein unfiltrierter Federweiss, der speziell wenn er geschüttelt wurde – nicht aufschrecken: das ist bei diesem Wein normal – seine schöne Farbe entfaltete. Das Pink der Grapefruit findet sich im Gaumen jedoch nicht als Säure wieder, sondern als angenehme Süsse mit einem Hauch Himbeere.

Der Frost bescherte allen ein schwieriges Jahr

Natürlich wollte der «Höngger» von Urs Zweifel doch noch wissen, was er über das vergangene Weinjahr zu berichten weiss. «Der Frost im Frühjahr bescherte den Winzern ein schwieriges Jahr», erzählte Zweifel, «er kostete uns sehr viel an Menge, vor allem bei den Spezialitäten». So gab es etwa beim Rhein-Riesling und beim Sauvignon Blanc praktisch keine Erträge und auch beim Räuschling nur wenig. Betroffen waren unterschiedlichste Reblagen, da der Frost lokal sehr unterschiedlich auftrat. Im Schnitt, so schätzt der Önologe, habe man nur rund 65 Prozent der üblichen Erträge ernten können und damit noch ein Glück gehabt, das anderen Winzern nicht gegönnt war. Mit der Qualität hingegen ist Zweifel allgemein zufrieden, da der schöne Herbst jene Winzer belohnte, welche die Nerven behielten und die Wümmet um jeden Tag hinauszögerten, um der goldenen Herbstsonne auch noch die letzten Strahlen abzutrotzen und als Süsse in den Trauben zu bannen. Noch bis Ende Februar haben Bauern neu die Gelegenheit, ihre Kulturen gegen Frost zu versichern. Doch das ist relativ teuer, und so sagt auch Urs Zweifel, dass dies für ihn keine Option sei, insbesondere deshalb nicht, weil er nicht davon ausgeht, dass solche Ereignisse nun häufiger vorkommen werden: «In der Landwirtschaft, egal welche Sparte, muss man immer über mehrere Jahre denken und Wetterschäden einkalkulieren. Man lebt eben nicht nur von, sondern auch mit der Natur».

Mit Trommelwirbeln und Weihnachtsgeschichte

Über solche Fragen brauchten sich die zahlreichen Gäste indes keine Gedanken zu machen: Mit Gläsern in den Händen schlenderten sie durch die nach wie vor reichbestückten Weinregale, stiessen mit Freunden und Bekannten auf das neue Jahr an und plauderten. Und dann kamen sie doch noch, die «echten», majestätischen drei Könige aus dem Morgenland. Respektive eben aus der Enge, zusammen mit dem Zunftmeister der Zunft zu den drei Königen, Walter H. Käser. Draussen im Hof standen die Tambouren der Knabenmusik Zürich für ihren Auftritt bereit, liessen alsbald ihre schmissigen Rhythmen weit über den Anlassort hinaus erklingen und ernteten viel Applaus. In einer Pause trugen dann die drei Könige die Geschichte «Es Gschänk für’ d’Wält» des Schweizer Pfarrers und Schriftstellers Ulrich Knellwolf vor, der alle andächtig lauschten. So ging dieser Samstagmittag im Zweifel Vinarium langsam zu Ende, während er auf den Höngger Strassen vom Einkaufsgeschehen und den überall für die Gemeinderatswahlen werbenden Politikerinnen und Politikern dominiert wurde – das Jahr hatte definitiv begonnen und wird die Letzten, spätestens diesen Montag in den Alltag zurückgefordert haben.

Vormerken: Neuheitendegustation, Sonntag, 28. Januar: 11 bis 17 Uhr und Montag, 29. Januar, 14 bis 19 Uhr: Mehr als 40 Weinproduzenten aus der ganzen Welt stellen ihre Neuheiten persönlich vor. Fasskeller Zweifel Vinarium, Regensdorferstrasse 20.

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