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Dorfleben

Mit dem Traditionsapéro ins neue Jahr

13. Januar 2016 von

Foto: Fredy Haffner

Auch Arnold Schwarzenegger war im Fasskeller dabei.

Foto: Fredy Haffner

Geschäftsführer Walter Zweifel bei seiner Rede. Walter Käser (mit Krawatte) lauscht und bereitet in Gedanken seine Replik vor.

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Ausgestattet als Zweifel-Lieferant könnte der Engemer Zunftmeister Walter Käser das FIFA-Gebäude entern.

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Der Applaus für die Reden war verdient.

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Die Gastgeber Walter (links) und Urs Zweifel stossen auf den Jahrgang 2015 und auf das neue Jahr an.

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Die Treberwürste sollte man sich nie entgehen lassen.

Foto: Fredy Haffner

Zünfter am Apéro, Zunftmeister Daniel Fontolliet erhebt das Glas zum Gruss aufs neue Jahr.

Von

Online seit
13. Januar 2016

Printausgabe vom
14. Januar 2016
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Die erste reguläre Arbeitswoche des neuen Jahres ist vorbei, an die neue Zahl hat man sich gewöhnt und doch nimmt das Jahr in Höngg – auch wenn dies eine persönliche Sicht ist – erst mit dem traditionellen Neujahrsapéro im Fasskeller des Zweifel Vinariums so richtig Fahrt auf.

Das Höngger Jahr «begann» am letzten Samstag, 9. Januar, als ab 11 Uhr die ersten Gäste im Fasskeller eintrafen und mit einem Glas Primeur 2015 begrüsst wurden, das sich, wie bei diesem Gastgeber üblich, bis um 14 Uhr wie von selbst immer wieder aufzufüllen schien. Nach und nach setzten sich rund 70 Personen an die langen Tische und da und dort wurde bereits eine Treberwurst gegessen. Ob es Zufall war oder bloss weil heuer kein Wahljahr ist, sei dahingestellt, unter den Anwesenden war diesmal niemand aus der Politik auszumachen. Trotzdem war der Lärmpegel beachtlich, doch Geschäftsführer Walter Zweifel hatte keine Mühe, sich um 12 Uhr Gehör für die offizielle Begrüssung zu verschaffen: Zwei klingende Gläser und ein lautes «liebi Gescht» bereiteten den Boden für die anstehende Rede. Und diese hatte es in sich, galt es doch auch dieses Jahr, unter den Gästen mitunter den Zunftmeister der Zunft zu den Drei Königen zu begrüssen, Walter Käser, dem es jeweils obliegt, den Dreikönigswein, den Primeur, abzusegnen.

Die eine Zürcher Königin und die beiden Könige

Vor Jahresfrist hatte Walter Zweifel ein «Märchen» über die drei Zürcher Könige zum Besten gegeben: Corine Mauch, Sepp Blatter und eben den Zunftmeister aus der Enge. Nun folgte die Fortsetzung. Witzig, eloquent und mit spitzer Zunge, untermalt mit passenden Fotografien, erntete der geübte Redner zahlreiche Lacher. Die Stadtpräsidentin, und wie sie sich am Filmfestival im Lichte des Stargastes Arnold Schwarzenegger sonnte, bot ebensolche Gelegenheit zu Pointen wie Sepp Blatter, für dessen «Verein» das «Baur au Lac» zum «Baur au Jail» geworden sei. Doch letztlich diente alles nur dem einen Ziel: den einzig wahren der Zürcher Könige, eben den zöiftigen Gast, vorzuführen. Dessen «Schloss» und Zunftlokal, das Kongresshaus, nannte Zweifel eine «denkmalgeschützte Bruchbude mit dem Charme eines Bahnhofwartsaales» und warb – aber nur, wenn Käser im Gegenzug dem Primeur gnädig gesinnt sei – jetzt schon für ein Ja zum Umbaukredit, über den dereinst abgestimmt wird. Während der Umbauphase aber empfahl Zweifel der Engemer Zunft, doch kurzerhand die Räume der FIFA am Tessinerplatz zu besetzen. Und er zeigte, indem er Käser kurzerhand als Lieferanten aus dem Hause Zweifel verkleidete, wie sich dieser so getarnt ins Haus schleichen könnte. Zugegeben, der Zunftmeister ginge in diesem Outfit locker durch jede Kontrolle.
Dann war es an Käser, noch immer mit Zweifel-Schürze, -Mütze und -Handschuhen ausgestattet, seine Rede zu halten, die der eben gehörten in nichts nachstand. Besonders genüsslich hob Käser die Anekdote des Kellermeisters hervor, der von der Engemer Firma Landolt zu Zweifel Weine gewechselt hatte, dort aber noch weitere vier Jahre das T-Shirt mit dem Landolt-Signet austragen «musste», bevor er das Zweifel-Outfit bekam. Walter Zweifel lieferte später die Begründung, dass dies nur Marc Landolt zuliebe geschehen sei, der seine Weine seit 2011 bei Zweifel in Höngg keltern lasse und so wenigstens dank der Kleidung seines ehemaligen Mitarbeiters noch das Gefühl einer eigenen Kelterei haben dürfe. So folgte Lacher auf Lacher bis Käser dem neuen Wein seinen «königlichen» Segen erteilte.

2015, ein Weinjahr mit südlichen Verhältnissen

Auf diesen Wein und das vergangene Weinjahr ging Önologe Urs Zweifel abschliessend ein. Speziell sei es gewesen, aus Winzersicht ähnlich wie 2003 oder 2011. Nach einem eher nassen und kühlen Frühling trieben die Reben erst Anfang Mai aus – doch dann habe das Wachstum rasant eingesetzt und Anfang Juni waren die Reben bereits oben, blühten und entwickelten sich prächtig. «Auch für uns Winzer war es schön», so Urs Zweifel, «man konnte einfach arbeiten, ohne dauernd an Regen denken zu müssen, und zumindest in Höngg trübten weder Schädlinge noch Hagel die Winzerlaune.»
Am 15. September begann bereits der Wümmet und bei allen Sorten wurden sehr schöne Trauben geerntet. Die ersten Riesling-Silvaner-Trauben kamen auf über 80 Öchslegrade, am Schluss lag der Schnitt bei schönen 86. Während man sich in manchen Jahren mit dem Wümmet wegen einsetzender Kälte beeilen muss, hiess es letztes Jahr sich eilen, damit die Trauben nicht zu viel an Süsse zulegten: «Bei gewissen Sorten massen wir 115 Öchslegrade» – ein Raunen ging durch den Fasskeller – «gekeltert gäbe das potentiell rund 17 Volumenprozent Alkohol, was dann doch zu viel ist», so Zweifel.
Folglich war bereits Mitte Oktober der Grossteil der Ernte gelesen und am 22. Oktober war die letzte Traube vom Stock. Spannende Weine seien nun im Keller, gerade auch die Weissen. Das unüblich südliche Klima hatte Auswirkungen bis auf die Kelterung, verriet Urs Zweifel: «Im Süden gibt man den Weinen Säure zu und wir können diesen Jahrgang nun gleich wie dort keltern, damit die Weine frisch und elegant werden.» Auch Malbec und Blauburgunder seien kräftig geraten, was ein genussreiches Weinjahr verspricht, mit Weinen, die lange haltbar sein werden: «Insgesamt sind die Weine fülliger, mit etwas mehr Zucker und Alkohol», so die Aussicht. 160 000 Liter konnten Zweifels einkeltern, der Wein wird Höngg also nicht so schnell ausgehen und das abschliessende Fazit des Önologen zum vergangenen Jahr: «Es tat uns Weinbauern gut, dass wir mal ohne Sorgen ernten und keltern konnten, das gibt Energie für das neue Jahr.» Wie dieses war, wird voraussichtlich am Samstag, 7. Januar 2017, zu hören sein.

 

Neuheitendegustation
Montag, 25. Januar, 14 bis 20 Uhr. 40 Weinproduzenten aus der ganzen Welt stellen ihre Neuheiten vor. Fasskeller Zweifel Vinarium, Regensdorferstrasse 20.

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