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Leitartikel

Hönggerinnen helfen im fernen Sansibar

27. Januar 2016 von

Foto: zvg

Die Vereinsgründerinnen beim Besuch eines Kindergartens.

Foto: Malini Gloor

Malou Bürgi und Barbara Eggenberger (v.l.) setzen sich für die Bewohnerinnen und Bewohner von Sansibar ein.

Foto: zvg

Besprechung zur Lage und Ausführung der Arbeiten für die Toilettenbauten im Dorf Kigunda mit dem Dorfkomitee und lokalen Mitarbeitern des Vereins.

Von

Online seit
27. Januar 2016

Printausgabe vom
28. Januar 2016
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Hilfsprojekte gibt es viele. Auch in Höngg leben Menschen, die sich aktiv für andere einsetzen. So etwa Barbara Eggenberger und Malou Bürgi. Sie gründeten im Jahr 2008 den gemeinnützigen Verein Maisha Zanzibar, der die Bevölkerung Sansibars, welches zu Tansania gehört, unterstützt.

Die beiden Frauen, welche beide seit einigen Jahren in Höngg wohnen, haben sich 2002 beim Arbeiten kennengelernt. 2005 flogen sie zusammen in die Ferien – nach Tansania und danach nach Sansibar. Dies ist ein halbautonomer Teilstaat des Unionsstaates Tansania in Ostafrika. «Wir waren als ganz normale Touristinnen dort und begeistert von der Natur, der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen», so Barbara Eggenberger, 41, Juristin. Die Frauen lernten rasch Einheimische kennen und schlossen Freundschaften. Ein Jahr später kamen sie wieder – zur Freude und Überraschung der neuen Freunde: «Touristen sagen oft, sie kämen wieder, weil es so schön in Sansibar sei – lassen sich aber meist nie wieder blicken. Wir taten dies und erfuhren, wie sehr dies geschätzt wurde», erinnert sich Malou Bürgi, 56, Assistentin.

Mehrmals pro Jahr vor Ort

Die Frauen kauften von der Schweiz aus ein Stück Land, worauf sie mit Hilfe von Freunden zwei Häuser für sich bauten. Mehrmals pro Jahr sind sie vor Ort. Von dort aus leiten sie bei ihrer Anwesenheit die Projekte des Vereins Maisha Zanzibar. «Maisha ist Swahili und bedeutet auf Deutsch ‚Leben‘», so Barbara Eggenberger. «Der Zweck unseres Vereins besteht in der Unterstützung und Förderung der Bevölkerung Zanzibars.» Er setzt sich etwa zum Ziel, die medizinische Grundversorgung durch das Bereitstellen von medizinischen Gütern zu verbessern und bestehende Schulen durch Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften und das zur Verfügung stellen von Unterrichtsmaterial zu unterstützen. Auch sollen neue Schulgebäude gebaut und bestehende unterhalten werden.
«Projekte, die eine Verbesserung der materiellen und sozialen Lebensbedingungen verfolgen, unterstützen wir ebenfalls. Ganz wichtig ist das Trockentoiletten-Projekt. Seit 2011 wurden durch unsere Hilfe 60 Trocken-Klos gebaut. Dies ist sehr wichtig, denn wegen fehlender sanitärer Anlagen sind Durchfallerkrankungen, Typhus und auch Cholera verbreitet – viele Menschen, vor allem Kinder, sterben deshalb. Wir haben vor Ort gesehen, dass sie teils Infektionen, Hautpilze oder Wurmbefall haben. Auch sind sie oft mangelernährt: Das Essen besteht sozusagen nur aus Bohnen und Maismehl-Brei. Früchte und Gemüse können sich Einheimische kaum leisten. Haben sie etwa einen Mango-Baum im Garten, dann verkaufen sie dessen Früchte, weil das etwas zum spärlichen Einkommen beiträgt», erklärt Malou Bürgi.

Alltag in Sansibar

Wie sieht der Alltag in Sansibar aus? «Die Frauen kochen den ganzen Tag auf dem Holzfeuer, was sehr aufwändig ist. Sie haben keine Kühlschränke oder ähnliches und leben in Hütten, die auf festgestampftem Boden errichtet sind. Am Morgen wird der Boden gewischt. Möbel gibt es keine, man sitzt und schläft auf dem Boden. Haben sie übrige Zeit, dann flechten sie aus Gras Bänder für Stühle und Körbe. Die Männer gehen nachts fischen und verkaufen frühmorgens ihren Fang. Nach dem Schlafen flicken sie ihre Fischernetze.» Die Angestellten der Hotels kommen vom Festland Tansanias oder aus Kenia. Einheimische werden kaum angestellt, da sie viel schlechter ausgebildet sind.
Die beiden Hönggerinnen bringen alle Hilfsgüter jeweils selbst nach Sansibar und verteilen sie. «Zuerst schickten wir englische Kinderbücher per Post, aber das war ein Verhältnisblödsinn, das Porto kostete sehr viel. 2009 haben wir unseren sansibarischen Schwester-Verein Maisha Zanzibar gegründet – aus einem wichtigen Grund: So können wir Hilfsgüter fast steuerfrei nach Tansania einführen und als juristische Person, da wir eine Non-Governmental-Organisation, also eine NGO sind, vor Ort agieren. Der Verein hat damit den Status eines Einheimischen.»
Mit einem 33 Kubikmeter fassenden Schiffscontainer kamen so schon etwa 1500 Paar Schuhe, Rollstühle, Spitalbetten, ein Röntgengerät, Mikroskope und andere Güter an. Bereits vier Schiffscontainer hat der Verein auf die Reise geschickt. Diese führt über Land nach Rotterdam oder Antwerpen und weiter per Schiff so nach Sansibar.
Wichtig sei, den Einheimischen nicht nur Geschenke zu machen. So wurden etwa die Schuhe zu einem günstigen Preis verkauft, und vom Erlös liess der «Dorf-Chef» einen Wassertank bauen. «Die Sansibari mögen Feiern und Versammlungen. So sind bei grösseren Projekten jeweils auch Minister dabei, und es wird nicht nur auf Swahili geredet, sondern auch in der Amtssprache Englisch», erzählen die Vereinspräsidentinnen.
Der Vorstand und die Mitglieder arbeiten alle unentgeltlich und ehrenamtlich. Auch die Flüge und allfällige Hotelspesen werden aus der privaten Kasse bezahlt – jeder Rappen kommt dem Verein zu Gute.

Kontakt: www.maishazanzibar.org, E-Mail: contact@maishazanzibar.org, Telefon 076 419 93 92 oder 079 638 57 12.

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