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Höngger Fauna

«Es Chrottezüüg»

14. Juni 2018 von

Beim ersten Schritt vom Wasser aufs Land sind Erdkröten kaum grösser als ein Reiskorn.
Foto: Dr. Hans-Peter B. Stutz

Beim ersten Schritt vom Wasser aufs Land sind Erdkröten kaum grösser als ein Reiskorn.

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14. Juni 2018

Printausgabe vom
14. Juni 2018
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Gemütlich am Teichrand im Wald sitzend konnte man eben noch die herumschwimmenden Kaulquappen beobachten. Aber jetzt, wo die Jungkröten das Land erobern, herrscht «es Chrottezüüg».

Am besten nähert man sich dem Waldteich nun sehr vorsichtig, auf Zehenspitzen und mit Adlerblick. Plötzlich fliehen winzige schwarze Wesen vor unseren Füssen. Wer genau hinschaut, erkennt Minikröten, die mit allem ausgestattet sind, was eine richtige Erdkröte ausmacht. Doch bis es soweit gekommen ist, durchliefen sie eine tiefgreifende Umgestaltung.

Als Kaulquappen schwammen sie durch rasches Hin- und Herschwenken ihres Ruderschwanzes geschickt im Wasser herum. Nun, als Kröten, sind sie schwanzlos und gehen oder hüpfen an Land auf ihren vier Beinen. Ihre neu ein wenig verhornte Haut besitzt jetzt zahlreiche Schleim- und Giftdrüsen, deren Sekrete vor Vertrocknung, Bakterien- und Pilzbefall schützen und auch Fressfeinde abwehren.

Begleitet von massiven Veränderungen im Blutkreislauf, wurde während der Metamorphose von Kiemen- auf Lungenatmung umgestellt. Lungenatmung macht bei Kröten über 70 Prozent aus, den Rest atmen sie durch die Haut und die Mundschleimhaut.

Während sie als Kaulquappen mit ihren Hornzähnchen hauptsächlich pflanzliches Material raspeln, wechseln die werdenden Kröten zu rein tierischer Nahrung. Reglose Tiere erkennen sie nicht, doch die geringste Bewegung genügt, und blitzschnell klappen sie die vorne am Mundboden befestigte Zunge heraus und fangen so kleine Spinnen und Insekten. Grössere Beute wie Regenwürmer schnappen sie nach gezieltem Sprung direkt mit den Kiefern. Kröten haben keine Zähne und verschlucken die ganzen Beutetiere.

Wie ihr Name sagt, leben Erdkröten an Land, gerne im Wald, aber auch in naturnahen Gärten. Ihre kleinen Schwimmhäute zwischen den Zehen der Hinterfüsse werden die Jungkröten in etwa vier Jahren brauchen. Erst dann werden sie geschlechtsreif sein und zurück zu dem Gewässer wandern, an dem sie einst aus einem von etwa 5’000 Eiern eines Krötenweibchens geschlüpft sind, um sich dort selber fortzupflanzen.

Übrigens: «Rosschöpf» haben keine Augenlider, die metamorphosierten Minikröten hingegen könnten Ihnen durchaus zuzwinkern – nicht nur deshalb lohnt es sich, eine Lupe oder einen für den Nahbereich geeigneten Feldstecher auf die Bufo-bufo-Pirsch mitzunehmen.

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