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Dramen und Drama bei der ZFB

13. Juni 2018 von

Bis 1916 probte der Dramatische Verein Höngg im Restaurant «Alte Trotte»
Foto: Ausstellung Ortsmuseum

Bis 1916 probte der Dramatische Verein Höngg im Restaurant «Alte Trotte»

Foto: Ausstellung Ortsmuseum

Bereits 1920 finden sich weibliche Schauspielerinnen im Theaterverein.

Foto: Patricia Senn

Vreni Jenni (links), Bruno Niklaus und Claire Weyermann bei den Proben zum Krimi «Lara’s Plan».

Liliane Salzmann und Lajos Lüscher bei den Proben zum Krimi «Lara’s Plan».

Foto: Ausstellung Ortsmuseum

So sah das Signet des Dramatischen Vereins Waidberg früher aus.

Von

Online seit
13. Juni 2018

Printausgabe vom
14. Juni 2018
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Die Zürcher Freizeit-Bühne wird dieses Jahr 125 Jahre alt. Die Geschichte der Theatergruppe macht ihrem Namen alle Ehre: Viel Drama und jede Menge Geschichten.

Bereits zehn Jahre vor ihrer Gründung – damals unter dem Namen «Dramatischer Verein Höngg» – wurde 1883 das Schauspiel «Hans Waldmann» von Spindler in der Trotte Höngg aufgeführt. Im Spätherbst 1893 gründete sich der «Dramatische Verein Höngg» schliesslich offiziell und feierte Premiere mit dem Drama «Johannes Chaldar», einer Bündner Befreiungsgeschichte. Bis 1916 durfte die Gruppe im Saal der «Alten Trotte» spielen. Schon früh zeigte sich, dass die Finanzierung einer solchen Theatergruppe eine grosse Herausforderung darstellte: Kostüme, eine modernere Bühnenausstattung, Werbung, das alles war nicht billig zu haben. Dank des grossen Einsatzes des Präsidenten Hermann Frey und des Aktuars Hans Nötzli konnte unter den Hönggern und wohlhabenden Gemeindebürgern genügend Geld gesammelt werden, um diese Anschaffungen in der Anfangszeit zu tätigen. Nach fünf Jahren zog Frey nach Lenzburg und übergab Hans Wegmann das Zepter, einem der talentiertesten Schauspieler, wie Heinz Jenni in der Vereins-Chronik zum 100-Jahre-Jubiläum festgehalten hat. Die Darbietungen des «Dramatischen Vereins» erfreuten sich grosser Beliebtheit, doch der Saal der «Alten Trotte» beschränkte die Anzahl Zuschauer und damit auch den Ertrag, der erwirtschaftet werden konnte – und musste, denn der Aufwand blieb hoch. 1916 wechselte die Theatergruppe deshalb in die «Mühlehalde», wo statt 150 über 300 Sitzplätze zur Verfügung standen. Nicht zuletzt dank Adolf Brühwiler, einem jungen Darstellen, Regisseur und Volksstücke-Dichter, der die Aufführungen von 1908 bis 1920 leitete, gedieh der «Dramatische Verein Höngg» prächtig, wie Jenni weiterschreibt. Und: Erstmals drängten auch die Frauen auf die Bühne, was einer kleinen Revolution gleichkam, denn zu dieser Zeit war man noch der Meinung, diese gehörten hinter den Herd.

Zusammenschluss mit Wipkinger

1919 wurde in Wipkingen ebenfalls ein «Dramatischer Verein» gegründet, ein etwas seltsames Timing, denn zur gleichen Zeit verloren die Theatervereine der Stadt ihre jüngeren Mitglieder an neue gegründete Sportvereine – Ende der Dreissiger Jahre war ihre Zahl von ehemals 15 auf drei geschrumpft. Während in Höngg die Darsteller*innen fehlten, schlug man sich in Wipkingen mit finanziellen Problemen herum. 1938 beschlossen sie die Fusion «Dramatischen Verein Höngg» und der inzwischen zu «Dramatischer Verein Nordiska Zürich-Wipkingen» unbenannten Theatergruppe unter dem neuen Namen «Dramatischer Verein Waidberg». Da es in vergangenen Jahren immer wieder zu Reibereien unter den Mitgliedern gekommen war, schloss man neu mit allen Spieler*innen einen Vertrag ab, in dem sie sich verpflichteten, an vier Sonntagen im November ein Stück, «… in drei Akten nach bestem Können die Ihnen zugewiesene Rolle zu spielen!». Nichterscheinen oder Sabotage wurde mit einer Konventionalstrafe von 100 Franken belegt. Bereits ein Jahr nach der Neugründung kam es wiederholt zu Streitigkeiten, der Verein machte dem Wort «Drama» im Namen alle Ehre. Es waren weltweit turbulente Zeiten: Der Zweite Weltkrieg war ausgebrochen, Naturkatastrophen und Viehseuchen erschwerten den Alltag. Dennoch schaffte es die Theatergesellschaft, zwei erfolgreiche Aufführungen, nämlich den Dreiakter «Der alte Siegrist» und «Um der Ehe Willen», oder «Das letzte Gericht» durchzuführen. Erst nach Ende des Krieges zeichnete sich die nächste Krise ab. Trotz erfahrenem Regisseur blieb beim 1947 aufgeführten Stück «Der Schatz im Moor» der erwartete Erfolg aus. Kurz darauf kam es zum Streit mit ebendiesem, fast wollte man den Verein sogar auflösen. Dies konnte dank gutem Zureden zwar verhindert werden, doch irgendwie wollte es einfach nicht richtig ins Laufen kommen: Das Lustspiel «Früelig im Buechehof» kam bei den Leuten nicht an: «Man musste beide Vorstellungen als Nieten bezeichnen», steht in der Chronik des Vereins. «Eine Viertelstunde vor Schluss fegte ein Sturm über die Bühne hinweg, (…) sodass man das Stück frühzeitig beenden musste. Die Folge davon waren zerrissene und nasse Kulissen, und der Kassier zählte am Ende einen finanziellen Überschuss von nur 20 Franken».

Präsident und Vermittler Willy Hauser

Natürlich gab es nicht nur schlechte Zeiten, sonst gäbe es den Theaterverein heute wohl nicht mehr. Verschiedene Aufführungen, sei es «Steinige Bode, steinige Weg», ein Dialektschauspiel des Bühnendichters CA. Angst-Burkhardt, im Jahre 1954, oder «Der Verschollene» von Jakob Muff, wurden, zumindest von der Höngger Presse, hoch gelobt. Die Verbesserung der Kameradschaft innerhalb des «Dramatischen Vereins Waidberg» war dem 1965 gewählten Präsident Willy Hauser ein persönliches Anliegen. Sein Engagement schien Früchte zu tragen: Es folgten Jahre, in denen sich der Verein grosser Beliebtheit erfreute. Leider verstarb der Regisseur und Präsident 1977, mitten in den gut laufenden Vorbereitungen für einen Theaterabend, völlig unerwartet. Dem damals noch neuen Mitglied und heute Ehrenpräsident Heinz Jenni wurde das Amt des Präsidenten übertragen, gemeinsam schaffte die Gruppe es, die Saison trotz des grossen Verlustes noch zu Ende zu bringen. Wie zu erwarten gewesen war, spannte sich die Situation innerhalb des Vereins ohne die vermittelnde Person wieder an, der «Dramatische Verein Waidberg» drohte erneut auseinanderzubrechen. Sieben Aktivmitglieder nahmen den Hut. Daraus ergab sich aber die Chance eines Neuanfangs. Obwohl es für Jenni keine einfache Aufgabe war, die Lücke, die Höngger Willy Hauser hinterlassen hatte, zu füllen, ging es langsam wieder aufwärts. Das von Jenni ins Leben gerufene Vereinsblatt «Scheinwerfer» wurde auch von den Passivmitgliedern gerne gelesen, und am Wümmetfäscht 1977 sah Höngg zum ersten Mal Bacchus, den Griechischen Gott des Weines und seinen Kumpan und Trunkenbold Silenos hoch auf dem Wagen durch das Quartier ziehen. Seither sind sie ein lustvoller Bestandteil des Umzugs an diesem Fest.

«Nur nicht aufgeben!»

Eine weitere Bewährungsprobe liess nicht lange auf sich warten: Der Verein sollte nicht mehr in seinem alten Lokal, dem Restaurant Mühlehalde, proben dürfen. Nach 94 Jahren wurde einmal mehr das Ende des Theatervereins zum Thema. Ein Jahr Zwangspause resultierte in einem neuen Namen und neuen Statuten. 1987 einigte man sich auf den zeitgemässeren Namen, unter dem die Theatergruppe auch heute noch bekannt ist: Zürcher Freizeit-Bühne. Im gleichen Zug veränderte man auch das Vereins-Signet ein wenig. Heinz Jenni übergab das Amt des Präsidenten aus gesundheitlichen Gründen an Regisseurin Rita Holinger und wurde für seinen Einsatz zum Ehrenpräsidenten gekürt. Das Motto hiess fortan: «Nur nicht aufgeben», dieses haben die Mitglieder der Zürcher Freizeit-Bühne auch heute noch verinnerlicht. Auch hitzige Diskussionen hatten und haben durchaus Platz, solange man den gegenseitigen Respekt bewahrt. Eine Sache belastete die Vereinsmitglieder jedoch immer noch: Das Gemeinschaftszentrum Heerenschürli in Zürich-Schwamendingen hatte dem Verein für die Proben und Aufführungen Exil gewährt, dennoch fühlte man sich nicht recht wohl, soweit weg von zu Hause. Dazu kam, dass das Kulissenlager nicht mehr wasserdicht war und die alte Scheune deshalb umgebaut werden musste. Doch diesmal sollte der Verein Glück haben: Just zum 100-Jahre-Jubiläum 1993 wurde auf der Werdinsel ein Raum mit Küche frei, in dem, neben der «Probe-Bühne» auch die Kulissen Platz fanden. Hier fand die ZFB ihr Vereinslokal.

Applaus ist unbezahlbar

Heute probt die Zürcher Freizeit-Bühne jeden Mittwoch auf dem Werdinseli. Den Mehrakter führen sie im Frühjahr in Höngg viermal, in Wollishofen zweimal auf, mit dem Einakter gehen sie im November auf Tournee und spielen in verschiedenen Institutionen. Eine Sommerpause gibt es nicht und auch sonst ist es ein aufwendiges Hobby. «Davon lassen sich manche Leute abschrecken», erzählt Jenni an einem Abend vor der Probe. Geübt wird gerade «Müller’s Mühli», eine Komödie in drei Akten, das kommenden Frühling zur Aufführung kommen wird. Das älteste Mitglied, Bruno Niklaus, ist heute seit 47 Jahren mit dabei, auch Jenni zählt schon 43 Lenze seit seinem Eintritt in den Verein, wo er wenig später auch seine Frau Vreni kennenlernte. «Es gibt ein Theatervirus», erklärt Jenni die Treue der Darsteller, «wer einmal davon befallen wurde, wird es nicht mehr los». Aber er gibt auch zu, dass die langjährigen Mitglieder, er und seine Frau inbegriffen, langsam etwas müde seien und froh wären, sie könnten die Vorstands- und Regiearbeiten an Jüngere übergeben. «Doch es gibt keinen Nachwuchs», meint Jenni nachdenklich. «Die Leute meinen, sie müssten es gleich machen wie wir damals, und dass sie das nicht schaffen würden», wirft Vreni Jenni ein, die mittlerweile das Präsidium des Vereins inne hat, «dabei erwarten wir das gar nicht, im Gegenteil, wir fänden es gut, es käme frischer Wind rein, wir sind ja auch langsam festgefahren in unseren Mustern». Trotz aller Widrigkeiten sind die mittlerweile 13 aktiven Mitglieder mit viel Leidenschaft und Herz dabei. Denn der Lohn – der Applaus und die Freude des Publikums – lässt sich nicht so schnell ersetzen.

Anstossen auf 125 Jahre
Seit Januar 2018 feiert der Höngger Theaterverein Zürcher Freizeit-Bühne (ZFB) mit verschiedenen Aktivitäten seinen 125. Geburtstag. Aus diesem Anlass lädt die ZFB die Bevölkerung am Sonntag, 1. Juli, von 14 bis 16 Uhr ins Ortsmuseum Höngg am Vogtsrain 2 ein. Jedes Kind darf sich ein Überraschungs-Päckli ertasten. Für kostenlose Getränke – Weisswein, Bier, Mineral – ist gesorgt. Beim gemütlichen Plaudern und bei Führungen durch das ehrwürdige Ortsmuseum, aber vor allem durch die Ausstellung der Zürcher Freizeit-Bühne, erfährt man einiges über die 125-jährige Vereinsgeschichte. Das ganze Ensemble der Zürcher Freizeit-Bühne Höngg freut sich an diesem Sonntagnachmittag auf einen Grossaufmarsch und auf ein fröhliches «Prost»! Die Ausstellung läuft bis zum 14. Juli.

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