Das Braune Langohr ist Tier des Jahres 2012

Pro Natura hat das Braune Langohr (Plecotus auritus) am 3. Januar zum Tier des Jahres 2012 gewählt. Der Flugakrobat, der auch in Höngg vorkommt, ist in der Schweiz gefährdet wie fast alle der rund 30 einheimischen Fledermaus-Arten.

Das Braune Langohr: Pro Natura Tier des Jahres 2012.

Sie sind weder Vogel noch Maus: Fledermäuse zählen zur Ordnung der Chiroptera, also der «Handflügler». Diese haben als einzige Säugetiere die Fähigkeit zum aktiven Flug entwickelt. Das Braune Langohr gilt als wahrer Flugakrobat. Mit 24 Zentimetern Flügelspannweite, fünf Zentimetern Körperlänge und gerade mal fünf bis zwölf Gramm Gewicht kann das Tier des Jahres Loopings und Pirouetten vollbringen. Zu seinen Spezialitäten zählt der «Rüttelflug»: Das Braune Langohr kann in der Luft wie ein Turmfalke an Ort und Stelle verharren und dabei Insekten von Bäumen und Sträuchern ablesen.

Ohr- und Hörweltmeister, auch in Höngg

Langohren beherrschen nebst der Echoortung ein zusätzliches Kunststück: Sie orten ihre Beute anhand von Krabbelgeräuschen. Ihren riesigen Ohren entgeht auch nicht das leiseste Rascheln. Kein Wunder: Kein Lebewesen hat im Verhältnis zu seinem Körper längere Ohren als die Langohren. Das Braune Langohr frisst hauptsächlich Nachtfalter. Auf dem Menüplan stehen aber auch weiche Käfer, Schnaken, Raupen und Spinnen. In der Schweiz ist das Braune Langohr vom Flachland bis in die Bergregionen verbreitet. In Höngg wurde es, gemäss Dr. Hans-Peter B. Stutz, Höngger und Geschäftsführer der Stiftung Fledermausschutz, zumindest schon gehört: «Gemäss meinen bioakustischen Aufnahmen vom vergangenen Sommer jagen welche entlang einer Hecke auf dem Hönggerberg.» Der Fachmann weist auch auf mögliche Spuren des Braunen Langohrs hin: «Wer in einer windgeschützten Ecke auf Balkon, Terrasse oder beim Hauseingang im Sommerhalbjahr immer wieder Falterflügel findet, hat einen Frassplatz des Braunen Langohrs entdeckt – es hängt sich mit seinem Fang an die Mauer, frisst, was weich ist, und lässt Ballast wie Flügel, Beine und Kopf von grossen Faltern fallen.»

Saubere Landschaften gefährden das Braune Langohr

Das Braune Langohr ist eine von rund 30 einheimischen Fledermaus-Arten, die fast alle gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind. Um zu überleben, sind die fliegenden Säugetiere auf abwechslungsreiche und miteinander vernetzte Landschaften angewiesen. Strukturen wie Hecken oder Baumalleen funktionieren als Wegweiser auf den immer gleichen Flugbahnen zwischen Tagesquartier und Jagdgebiet im Wald. Den Weg fi ndet das Braune Langohr wie alle Fledermäuse mit seiner ausgeklügelten Ultraschall-Echoortung. Seine Rufe prallen auf diese so genannten Leitstrukturen. Das zurückgeworfene Echo wird von den riesigen Ohren aufgefangen und weist ihm den Weg. Es entsteht ein präzises «Hörbild». «In unseren stark herausgeputzten und auf Effizienz getrimmten Landschaften verhallen die Rufe des Braunen Langohrs immer mehr im Nichts. Eine Landschaft ohne Bäume, Sträucher oder Hecken ist für das Braune Langohr, was für einen Menschen eine Wüste ist: leer und bedrohlich. Es fehlen die Orientierungspunkte», sagt Urs Tester, Artenschutzexperte bei Pro Natura.

Natürlichere Wälder!

Das Braune Langohr lebt und jagt vorwiegend in Laub- und Mischwäldern. Es gilt als Waldfledermaus, die in alten Bäumen, oft aber auch in Dachstöcken von Häusern ihr Tagesquartier aufschlägt. Baumhöhlen können verlassene Spechtlöcher, Ritzen in der Rinde oder Spalten in den Stämmen sein. «In der Schweiz werden die Wälder intensiv genutzt. Das bedeutet, Bäume werden in der Regel schneller geschlagen, als sie ihre Alterserscheinungen wie Baumhöhlen entwickeln. So fehlen dem Braunen Langohr wichtige Wohnungen. Fledermaus-Lebensraum geht verloren», mahnt Urs Tester. Der ideale Fledermauswald hat sowohl geschlossene als auch lichtere Waldabschnitte, Laub und Mischwaldbestände, junge und alte Bäume. Durchmischte Wälder mit alten und abgestorbenen Bäumen bieten Fledermäusen auch mehr Nahrung, denn sie sind reicher an Insekten.

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