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Höngger Fauna

Zeig mir dein Gebiss…

5. November 2019 von

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Online seit
5. November 2019

Printausgabe vom
07. November 2019
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… und ich sag dir, was du isst. Dass wir wie Schweine essen, hören wir nicht gerne. Ebenso wenig erfreulich ist, dass wir die Schweine gar nicht richtig essen können – ausgerechnet in der Zeit der «Metzgete».

Mit unseren spatenförmigen Schneidezähnen und den ähnlich geformten Eckzähnen können wir gut ein Stück Apfel oder Brot abbeissen. Doch einen Happen von einer Schweinekeule abzutrennen, gelingt uns kaum, ohne sie vorher weichgekocht zu haben. Und mit den runden Höckern unserer Backenzähne werden Salate und Gemüse eher gequetscht, als wirklich zermahlen. Unsere Zähne sind eine Kompromisslösung: Sie verarbeiten zwar nichts so richtig effizient, aber erlauben dafür ein breites Nahrungsspektrum. Ähnlich vielfältig wie wir ernähren sich Wildschweine. Die Wühlspuren im Hönggerwald sind Zeugen ihrer Suche nach Wurzeln, Engerlingen und anderen Insektenlarven. Ebenso stehen Schnecken, Jungmäuse, Pilze, Buchennüsschen, Eicheln und – wo die Feldeinzäunung fehlt – Maiskolben auf ihrem vielfältigen Speiseplan. Und tatsächlich haben Wildschweine – von den imposanten Eckzähnen der Eber abgesehen – ein generalisiertes Gebiss wie wir: ein typisches Allesfresser-Gebiss. Im Gegensatz dazu sind die Gebisse von Tieren, welche sich im Laufe der Evolution auf einen bestimmten Nahrungstyp spezialisiert haben, entsprechend angepasst. Spitzmäuse und Fledermäuse etwa ernähren sich hauptsächlich von Insekten. Die Oberflächen ihrer Backenzähne sind darum mit mehreren Spitzen besetzt und ihre Schneidezähne sind zugespitzt. Dank diesen vielen scharfen Zahnspitzen können sie die harten Aussenpanzer von Insekten durchbohren und zertrümmern. Fledermäuse haben zudem grosse Eckzähne, mit denen sie Insekten im Flug schnappen und töten können. Mit solchen Fangzähnen packen und immobilisieren auch Fleischfresser wie Fuchs oder Marder ihre Beutetiere. Um Fleischstücke herauszubeissen, benutzen sie aber nicht etwa die Schneidezähne, sondern die Backenzähne. Das können Sie ganz gut an Ihrem Hund beobachten. Geben Sie ihm ein grösseres Stück Fleisch, und er wird seine Schnauze seitlich daran ansetzen. Denn der hinterste Vorbackenzahn im Oberkiefer und der erste Backenzahn im Unterkiefer sind vergrössert und tragen scharfkantige Spitzen. Zusammen wirken diese Reisszähne wie eine Brechschere und ermöglichen es den Raubtieren, nicht nur Fleisch zu zerschneiden, sondern ebenso Knochen zu brechen. Viele von ihnen, so auch Fuchs und Marder, essen aber auch gerne Früchte und Beeren. Doch den echten tierischen «Veggies» fühlen wir in einem der späteren «Höngger» auf den Zahn.

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