«Wir gehen aus freien Stücken»

Es ist das Ende einer Ära auf dem Hönggerberg: Nach 16 Jahren geben Theresa (55) und Roland Perrot (61) die Pacht der Wirtschaft zur Schützenstube auf. Mit dem «Höngger» blickt das Paar auf die vergangene Zeit zurück.

«Höngger»: Herr und Frau Perrot, bald verlassen Sie die Wirtschaft zur Schützenstube, die Sie 16 Jahre lang geführt haben. Wie fühlen Sie sich?

Theresa Perrot: Wir sind ein bisschen traurig. Denn das Restaurant war auch ein Stück weit unser Zuhause. Wir haben in diesen Jahren alles dafür gegeben. Dann kam die Pandemie und wir mussten uns eingestehen, dass es mit all den Massnahmen nie wieder das Gleiche sein wird.

Roland Perrot: Die Situation wurde unberechenbar. Immer wenn wir dachten, da sei Licht am Ende des Tunnels, kam schon die nächste Massnahme. Wir mussten uns immer neu arrangieren.

Hatten Sie wegen der Pandemie Existenzängste?

RP: Existenzängste hatten wir keine. Aber als wir wieder öffnen durften, waren die Gäste nicht mehr so zahlreich. Der Respekt vor Corona ist geblieben.

Blicken wir zurück auf «bessere Zeiten»: Wie sind Sie Pächter der Schützenstube geworden?

RP: Ich kam 1982 aus der Westschweiz nach Zürich und habe als Koch in vielen Restaurants gearbeitet, etwa im Spirgarten oder im Zunfthaus zur Saffran. Ende der 1990er-Jahre wurde ich dann selbstständig und führte ein Lokal in Rapperswil. Später war ich wieder Angestellter, etwa im Bierfass in Kloten, dort habe ich meine Frau Theresa kennengelernt. Als Aushilfe kam ich dann in die Schützenstube nach Höngg. Als der damalige Pächter aufgab, habe ich mich bei der Schiessplatzgenossenschaft beworben. Am 2. Januar 2006 eröffneten wir unsere Schützenstube.

TP: Ich bin aus Kroatien und kam in die Schweiz, um Geld zu verdienen. Die Gastronomie war eigentlich nur als Zwischenlösung gedacht und die meisten Engagements hatte ich im Bündnerland im Service. Am Ende blieb ich dann in der Schweiz und dank meines Mannes blieb ich auch dem Gastgewerbe treu.

War es ein Risiko, ein Lokal zu übernehmen, das nicht zentral gelegen ist?

TP: Als mein Mann mir damals von dem Vorhaben erzählte, war meine erste Frage: Bist du sicher? Aber schliesslich war ich einverstanden und wir haben es gewagt.

RT: Die Schützenstube ist ein Ausflugsziel, das muss man wissen. Wenn das Wetter nicht schön ist, hat man auch weniger Gäste. Unsere Kundschaft war teilweise auch etwas älter, dafür aber sehr treu.

Hatten Sie ein Erfolgsrezept?

TP: Wir haben wirklich bei null angefangen, aber die Arbeit machte Freude. Ich habe es immer geliebt, die Gastgeberin zu sein. Und selbstverständlich war es auch unsere luftige Cremeschnitte, die das Publikum anlockte. Dank ihr berichtete auch der Tagesanzeiger über uns.

RT: Wir setzten weiter auf gut-bürgerliche Küche. Neben der Cremeschnitte war auch der Hackbraten ein Renner, das war schon beim Vorgänger so. Darauf haben wir aufgebaut, auch mit saisonalen Produkten.

TP: Gerade unsere ältere Kundschaft schätzte diese Karte sehr. Wir hatten oft auch Kutteln oder Kalbskopf im Angebot, die werden eher selten angeboten. Bei uns waren sie ein Hit.

Haben Sie beide diese 16 Jahre immer zu zweit gestemmt?

RT: Das waren immer wir zwei. Wir sind zwischen Buchs, unserem Wohnort, und dem Hönggerberg hin- und hergependelt. Natürlich hatten wir auch Aushilfen in der Küche und im Service, etwa für Wochenenden oder Bankette.

TP: Wir dürfen Vinzenz nicht vergessen, unseren Kater. Wir haben ihn fast immer mitgenommen, sodass Höngg auch sein Zuhause wurde. Vinzenz ist mittlerweile sechs Jahre alt und ist fast wie unser Kind.

Sie sprechen sehr harmonisch über Ihre Zeit in Höngg.

TP: Es war wirklich eine schöne Zeit. Ich erinnere mich gerne an die tollen Anlässe, die wir hatten. Etwa an die Fasnacht, für die ich jeweils das ganze Lokal wochenlang geschmückt habe. Für mich als Festnudel war das ein Höhepunkt.

War die Pandemie der einzige Grund für Ihren Weggang?

RT: Auch wenn die Pandemie irgendwann beendet ist, wird der grosse Aufschwung wohl ausbleiben. Ich sehe wenig Chancen, das Verlorene wieder einzuholen. Das ist der Hauptgrund für unsere Entscheidung.

Verlassen Sie Höngg mit einem guten Gefühl?

TP: Wir gehen aus freien Stücken und mit einem guten Gefühl. Und wir wollen sicher bei der Eröffnung des neuen Gebäudes des Sportvereins Höngg anwesend sein, man wird uns also wiedersehen.

RT: Die Entscheidung über das Beenden der Pacht bereuen wir nicht. Aber wir werden unsere langjährigen Gäste sehr vermissen. Wir danken ihnen von Herzen für die Treue. Sie haben uns immer unterstützt.

Wollen Sie uns noch etwas über ihre Zukunftspläne verraten?

RT: Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Diese liegt noch in den Sternen.

Danke für das Gespräch!

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