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Kolumnen

Wenn du schon raus gehst…

11. März 2019 von

Frank Frei Kolumne

Frank Frei

Von

Online seit
11. März 2019

Printausgabe vom
14. März 2019
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Gestatten, mein Name ist Mesött. Mit Nachname Öppis. Glauben sie mir, ich wäre gerne das, wonach mein Name klingt und würde an einem Kebab-Stand arbeiten. Aber nein, ich bin nicht Türke und Kebabs habe ich gerne ohne scharf.

Entschuldigung, ich wollte mit dieser Einleitung keineswegs sagen, dass Türken nur an Kebab-Ständen arbeiten. Es fiel mir nur kein komplizierterer Einstieg zu diesem Text ein, mit dem ich einen Übergang zu meinem Wesen einleiten könnte. Hier ist er: Im Gegensatz zur Tatsache, dass nicht alle Türken mit Kebabrollen beschäftigt sind, steckt in jedem von uns ein Mesött Öppis. Er ist quasi wie Kebabs in aller Munde. Hierzulande ganz besonders, dünkt mich manchmal.
«Mesött» zum Beispiel «Öppis» etwas gegen den Verkehr am Meierhofplatz unternehmen, gegen das «Lädellisterben» und den Schiesslärm auf dem Hönggerberg. Oder einen Dorfplatz schaffen. Oder Hunde von Spielwiesen fernhalten und auf der Werdinsel die Überbevölkerung eindämmen. Ja, Mesött, das sollte man.
Und «Öppis» gegen den Klimawandel tun und mehr Mehlwürmer essen. Weniger Fliegen und Autofahren. Und Frauen fördern. Und die Wirtschaft. Und Kinder, Arbeitslose, Bildungsferne und Eintagsfliegen. Und die sakrosankte Quadratur von Suppenwürfeln vehement infrage stellen, den Rasen mähen und die Kinder endlich zu Bett bringen. Dies und noch viel mehr, so unglaublich unendlich viel, dass mir längst die Übersicht fehlt. Auch dagegen, Mesött, solltest du endlich «Öppis» tun. Und gegen diese Kolumne übrigens auch, wenn du schon dabei bist.
Aber, Mesött, dich gibt es gar nicht. Und der oder das «Öppis» ist ein undefinierbares Irgendwas, das in aller Munde endlos wiedergekaut wird, weil wir Menschen nun mal keinen Pansenmagen haben, in dem auch der zähste Brei irgendwann verdaut und die Restmenge als das ausgeschieden werden kann, was sie letztlich ist: Mist.
Also warten wir weiter auf Mesött wie die Landstreicher Estragon und Wladimir auf Godot in Becketts Theater. Derweil hechten wir weiter vor den Autos, in denen wir selber sitzen, über die Zebrastreifen am Meierhof-Dorfplatz, kaufen online ein, stimmen gegen das neue Waffenrecht, führen Fiffi über die Spielwiesen direkt zur Werdinsel, wo wir ihn aussetzen, mit dem Auto nach Kloten fahren und nach Mallorca fliegen, weil es dort weniger Leute hat. Nur mit den Mehlwürmern und der Quadratur des Suppenwürfels tun wir uns noch etwas schwer. Danke, Mesött, dass du unterdessen wenigstens die Kinder zu Bett gebracht hast. Wenn du nachher rausgehst, um den Rest zu erledigen, lieber Mesött, dann nimm doch bitte gleich den Müll mit. Geht ja im gleichen Aufwasch. Und bring mir einen Kebab vom Stand um die Ecke.

Danke
Dein Frank Frei

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11. März 2019

Printausgabe vom
14. März 2019
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