Wehmut und Verständnis

Der Andrang bei der Informationsveranstaltung zur Fällung der Weisspappel beim Sonnegg war überschaubar. Fragen gab es dennoch viele.

Die Weisspappel beim Sonnegg. (Foto: Marcel Knörr)

Die 85-jährige Weisspappel beim Sonnegg weist einige Schadstellen auf, daher liess die Grundstückbesitzerin, die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Zürich, den 28 Meter hohen Baum auf Vitalität, Bruch- und Standsicherheit überprüfen. Ein Gutachten kam zum Schluss, dass der Baum gefällt werden muss; der Erhalt kann nicht mehr verantwortet werden (die «Höngger Zeitung» berichtete).

Die Kirchgemeinde ist sich der emotionalen Komponente des Fällens bewusst und organisierte vergangenen Donnerstag eine Informationsveranstaltung für Anwohnende und Interessierte. Der Andrang hielt sich in Grenzen: Rund ein halbes Dutzend Personen versammelten sich im Sonnegg. Dennoch wurden viele Fragen an den Baumspezialisten vor Ort, Fabian Wick, gestellt.

Er sagte gleich zu Beginn, dass die Gefahr «relativ», das Risiko eines Bruchs aber vorhanden sei. «Nicht der ganze Baum würde stürzen, jedoch könnte die Krone einbrechen», so Wick. Ihr Gewicht laste auf einem Stamm, der hohle Stellen aufweise. Er erwähnte weiter, dass die Pappel ein hohes Alter erreicht habe. Würde sie in einem Wald stehen, könnte man den Baum seinem Schicksal überlassen. «Hier, mitten in einem Quartier, ist das aus Sicherheitsgründen nicht möglich.»

Das Fällen

Grosses Interesse galt der Art, wie die Pappel mit ihren 15 Tonnen fallen wird. «Wir werden dabei einen Fällgreifer einsetzen», sagte Wick. Es handelt sich dabei um einen Spezialkran mit einem Greifer, der den Baum Stück für Stück in den Griff nimmt, während ein Mitarbeiter der Baumpflege mit der Kettensäge ans Werk geht.

So wird die Pappel allmählich «abgetragen». Wick rechnet mit etwa zwei Stunden. Damit die Sicherheit gewährleistet ist, wird die Gegend beim Sonnegg – der Kinderspielplatz und ein Teil der Bauherrenstrasse – abgesperrt. Im Sonnegg selbst dürfen sich keine Personen vor den Fenstern aufhalten.

Die Wurzeln werden schliesslich mit einer Stockfräse beseitigt. Sobald sich nach einigen Monaten der Boden «beruhigt» hat, kann ein neuer Baum angepflanzt werden. Aktuell ist unklar, ob es wieder eine Pappel sein wird.

«Ein letztes Gedenken»

Das Holz der gefällten Pappel soll laut Wick in einem Holzwerk verhakt werden. «Pappelholz ist sehr weich, es wird beispielsweise für Zündhölzer verwendet», erklärte er. Dennoch prüft die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Zürich, ob es möglich ist, aus dem Holz in irgendeiner Form eine Erinnerung zu gestalten. «Ein letztes Gedenken», wie es eine der Anwesenden formulierte.

Bei der Veranstaltung im Sonnegg schweiften die Blicke immer wieder hinaus auf die Pappel. Ihre Tage sind gezählt und eine gewisse Wehmut war zu spüren, auch bei Wick: «Solche Entscheidungen sind immer schwierig», gab er zu verstehen. Er und die Kirchgemeinde erhielten aber auch Verständnis für das Vorhaben.

Das Fällen der Weisspappel findet am Mittwoch, 6. März, von 8 bis 14 Uhr, statt. Bis in den Frühling konnte man wegen dem baldigen Nisten der Vögel nicht warten.

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