«Wasser ist nicht ersetzbar»

Wochenlang kein Regen, tiefe Pegelstände und Gemeinden, die zum Wassersparen aufrufen: Die Verunsicherung ist landesweit gross. In der Stadt Zürich ist die Lage dank des Zürichsees anders. Dennoch muss in die Infrastruktur investiert werden.

Das Reservoir Lyren in Altstetten. (Foto: Stadt Zürich)

Die enorme Trockenheit der letzten Wochen prägte den gesellschaftlichen und politischen Diskurs. Rund 200 Schweizer Gemeinden haben zum Wassersparen aufgerufen; mindestens 151 haben Einschränkungen etwa für Gartenbewässerung, Autowaschen oder das Füllen von Pools erlassen, berichtete das SRF.

Bilder von tiefen Pegelständen in Seen und Flüssen verunsichern und lassen Zweifel daran aufkommen, ob die Schweiz ihren Status als «Wasserschloss Europas» weiterhin halten kann.

Es erstaunt daher nicht, dass die Medienkonferenz der Stadt Zürich zum Thema «Generelles Wasserversorgungsprojekt: Sicheres Trinkwasser für das wachsende Zürich» am vergangenen Donnerstag auf reges Interesse stiess.

In der Wasserversorgung Zürich am Hardhof 9, vor den Toren Hönggs, erläuterten Stadtrat Michael Baumer, Vorsteher des Departements der Industriellen Betriebe, und Adrian Rieder, Leiter Verteilung der Wasserversorgung, den Stand der Dinge und wie die Stadt für die Zukunft gerüstet ist.

Die wichtigste Ressource

Grosser Andrang in der Zentrale der Wasserversorgung Hardhof. (Foto: dad)

Das gleich vorweg: Die Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser ist durch die Wasserversorgung Zürich (WVZ) sowohl im Normalbetrieb als auch in betrieblichen Sondersituationen sichergestellt. Sie arbeitet mit 67 Partnergemeinden bis in die Nachbarkantone Aargau und Zug zusammen. Die Stadt Zürich übernimmt dabei eine zentrale Funktion im kantonalen Trinkwasserverbund.

Zu den Hauptaufgaben gehören die Gewinnung und Aufbereitung von Wasser, dessen Verteilung, die Notwasserversorgung und der Betrieb der Brunnen (die Stadt Zürich zählt rund 1280 Brunnen). Hinzu kommen die Erstellung und der Unterhalt der Anlagen sowie die Kontrolle der Wasserqualität.

«Zürich verfügt über ausreichende Produktionskapazitäten», sagte Michael Baumer. Dies nicht zuletzt dank des Zürichsees: Er ist die Hauptressource im kantonalen Trinkwasserverbund, das Wasser wird dem See in einer Tiefe von 35 Metern entnommen. Konkret stammen 70 Prozent unseres Wassers aus dem See, der Rest zur Hälfte aus Grund- und Quellwasser. Eine Risikoanalyse der Stadt kam weiter zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit eines vollständigen Ausfalls des Zürichsees als Trinkwasserressource äusserst gering ist.

Dennoch betonte Adrian Rieder: «Wasser ist nicht ersetzbar, wir müssen es schützen.» Michael Baumer hielt weiter fest, dass es nun entscheidend sei, Werke, Reservoire und Leitungen rechtzeitig zu erneuern und das regionale Versorgungssystem weiter zu stärken. «Damit sichern wir die Trinkwasserversorgung auch bei Hitzewellen, Trockenperioden oder technischen Ausfällen.»

Das Generelle Wasserversorgungsprojekt

Aus diesen Gründen wurde das Generelle Wasserversorgungsprojekt (GWP 2025) erarbeitet. Es ist die behördenverbindliche Planungsgrundlage, legt die strategische Entwicklung bis 2040 fest und gibt einen Ausblick bis 2070. Die Herausforderungen sind gross: Nach Jahren mit sinkendem oder stagnierendem Wasserverbrauch erwartet die WVZ wieder einen moderaten Anstieg.

Gründe dafür sind insbesondere das Bevölkerungswachstum und die weitere Verdichtung in Stadt und Region. Für die Stadt Zürich und ihre Vertragspartner wird bis 2040 ein mittlerer Tagesverbrauch von rund 190 000 Kubikmetern und ein maximaler Tagesverbrauch von rund 300 000 Kubikmetern prognostiziert. Besonders die Verbrauchsspitzen dürften zunehmen.

Wie der Fachverband der Wasser-, Gas- und Wärmeversorger (SVGW) auf seiner Website schreibt, werden aktuell in der Schweiz im eigenen Haushalt täglich im Durchschnitt 142 Liter pro Person benötigt. Zähle man den Wasserverbrauch am Arbeitsplatz, in der Freizeit und in den Ferien dazu, ergeben sich laut SVGW über die gesamte Bevölkerung gemittelt rund 163 Liter pro Person und Tag.

Wird dieser Verbrauch nach Verwendung aufgeteilt, kommt die WC-Spülung mit 29,9 Prozent an erster Stelle. Die Spülung sei zwar seit 1997 rückläufig, ist aber mit über 40 Litern pro Person und Tag mit Abstand der grösste Wasserschlucker im Haushalt. An zweiter Stelle folgen Duschen und Baden mit 25,3 Prozent, dann der Küchenspültisch (15,5 Prozent), die Waschmaschine (12 Prozent), das Lavabo im Bad (11,3 Prozent) und der Geschirrspüler (2,1 Prozent).

An der Medienkonferenz wurde weiter die invasive Quaggamuschel als Herausforderung genannt, die 2024 im Zürichsee entdeckt wurde. Sie kann Wasserfassungen und Leitungen besiedeln und verstopfen. Wie gegen die Muschel vorgegangen werden soll, steht allerdings noch nicht fest.

Erwähnt wurden auch die Ewigkeitschemikalien PFAS. Dabei handelt es sich laut dem Bundesamt für Umwelt um eine grosse Gruppe künstlicher Industriechemikalien, die Produkte wasser-, fett- und schmutzabweisend machen. Da sie in der Umwelt nahezu nicht abbaubar sind, können sie ein Risiko für Gesundheit und Umwelt darstellen.

Investitionen sind nötig

Die kontinuierliche Erneuerung der kapitalintensiven Infrastruktur bleibe daher eine zentrale Aufgabe. Dazu gehören nicht nur das Leitungsnetz, sondern auch die Seewasserwerke Lengg in Riesbach und Moos in Wollishofen. Diese Werke sowie das Grundwasserwerk Hardhof, auf dem sich auch der Sitz der WVZ befindet, sind durch einen Ringstollen mit den grossen Reservoiren verbunden, etwa mit dem Reservoir Lyren im Altstetter Wald.

Mit den vorgesehenen Massnahmen des GWP, so wurde an der Medienkonferenz deutlich, wird der finanzielle Aufwand in den kommenden Jahrzehnten deutlich zunehmen. Das Projekt ermöglicht es, die einzelnen Vorhaben langfristig zu koordinieren, zu priorisieren und auf die räumliche Entwicklung abzustimmen.

Die mittelfristige Finanz- und Investitionsplanung der WVZ zeigt, dass mit den aktuell geltenden Gebühren Aufwandüberschüsse zu erwarten sind. Die jährlichen Ausgaben für Ersatzinvestitionen belaufen sich auf 35 bis 45 Millionen Franken; davon fliessen rund 25 bis 30 Millionen Franken in die Erneuerung des Leitungsnetzes. Der Eigenfinanzierungsgrad dürfte von heute 63 Prozent auf 22 Prozent im Jahr 2040 sinken. Der Fachverband SVGW empfiehlt eine Untergrenze von 30 Prozent. Um diese nicht zu unterschreiten, müssen die Gebühren laut GWP voraussichtlich langfristig erhöht werden.

Heute kostet in der Stadt Zürich der Kubikmeter Trinkwasser (1000 Liter) im Durchschnitt 1,75 Franken. Die Wassertarife werden vom Gemeinderat erlassen und vom Stadtrat in Kraft gesetzt.

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