Was ist nur passiert?

Unsere Redaktorin Dagmar Schräder schreibt über die grossen und kleinen Dinge des Lebens. Heute über eine unfassbare Tat.

Dagmar Schräder bringt ihre Gedanken aufs Papier. (Foto: dad)

Solche erschreckenden Schlagzeilen kennen wir sonst eigentlich nur aus dem Ausland. Aber in unserer kleinen, so halbwegs heilen Welt hier in der Schweiz – so denken oder dachten wir zumindest –, passiert so etwas doch nicht. Aber da haben wir uns getäuscht.

Die Rede ist von der Messerattacke des 15-jährigen Jugendlichen auf einen Mitbürger jüdischen Glaubens, mitten in Zürich, auf offener Strasse. Während nebenan Menschen in einer Bar sassen und den Samstagabend genossen, stach der junge Mann willkürlich auf einen Passanten ein, der zufällig seinen Weg kreuzte. Und er liess nicht von ihm ab, bis er lebensgefährlich verletzt war. Zumindest sind das die Erkenntnisse, die bis jetzt durchgedrungen sind. Ein religiös motiviertes Attentat.

Was muss passiert sein, dass ein 15-Jähriger so etwas tut? Das ist ein Teenager, eigentlich noch fast ein Kind, der noch in die Schule geht, wahrscheinlich bei seinen Eltern wohnt. Wie kann so jemand bloss auf die Idee kommen, in seiner Freizeit, am Wochenende, ein Messer einzupacken und sich vorzunehmen, Menschen, die anderen Glaubens sind, oder einen Glauben repräsentieren, auf den er einen Hass hegt, umzubringen? Und dies dann tatsächlich in die Tat umzusetzen? Ohne zur Vernunft zu gelangen, ohne einzuhalten und sich bewusst
zu werden, was er da gerade tut, ohne Mitgefühl und Empathie? Wie kommt er nur dazu, irgendwelchen menschenverachtenden Ideologien so blind zu folgen? Unvorstellbar.

Das macht mich schon sehr betroffen. Traurig und hilflos. Auch und gerade deswegen, weil ich selber Kinder in einem ähnlichen Alter habe. Und eigentlich die Hoffnung hege, dass diese Generation schlauer sein wird als unsere und diejenigen davor. Und endlich und endgültig erkennt, dass Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung keinen Platz haben in dieser Welt. Scheint gerade nicht viel mehr als ein frommer Wunsch zu sein.

0 Kommentare


Themen entdecken