Quartierleben
«Was gesagt wird, ist wichtig und richtig»
Im Höngger ErzählCafé werden Erfahrungen und Erlebnisse geteilt. Moderator Jean Pierre Cotti erzählt, weshalb das Zu- hören ebenso wichtig ist.
28. September 2026 — Daniel Diriwächter
Ein Erlebnis aus der Schulzeit, das Lieblingsbuch aus der Kindheit oder ein Ort, an den man gerne zurückdenkt: Im monatlichen ErzählCafé im GZ Höngg stehen persönliche Erfahrungen im Zentrum. Jean Pierre Cotti, Redner und Geschichtenerzähler, moderiert das Angebot.
Herr Cotti, wie beschreiben Sie das ErzählCafé?
Jean Pierre Cotti: Im ErzählCafé tauschen wir Erfahrungen und Erlebnisse aus unserem Leben aus. Zu einem bestimmten Thema erzählen die Teilnehmenden in der Ich-Form, was sie selbst erlebt haben. Wenn jemand etwa von seiner Kindergartenzeit oder davon erzählt, wie er als Kind auf Bäume geklettert ist, kann das bei anderen eigene Erinnerungen wecken. So entstehen Verbindungen.
Es ist aber keine Diskussion.
Nein, wir debattieren und widersprechen einander nicht. Was gesagt wird, ist wichtig und richtig, denn es ist die persönliche, subjektive Sicht eines Menschen.
Wie machen Sie diese Regeln deutlich?
Zu Beginn geben wir sie jeweils bekannt. Wer sich neu anmeldet, erhält sie auch schriftlich. Das ist wichtig, weil das ErzählCafé keine Beratung oder therapeutische Gruppe ist.
Gibt es besondere Momente?
Die meisten Beiträge sind heiter, und es kommt immer wieder zu spontanem Lachen. Manche Menschen erzählen sehr frei und direkt aus dem Herzen. Wenn jemand aber traurig wird, ist das völlig in Ordnung.
Welche Themen lösen viele Erinnerungen aus?
Das Thema «Hobby» hat viel Begeisterung ausgelöst. «Familienfeiern» hingegen weniger. Entscheidend ist, mit welchen Fragen und Impulsen ich ein Thema öffne. Manche Themen sind für einzelne Menschen belastend, andere laden leichter zum Erzählen ein.
Darf man auch «nur» zuhören?
Zuhören ist Pflicht, erzählen ist freiwillig. Wer nur zuhören möchte, ist genauso willkommen wie alle anderen. Niemand wird aufgefordert, etwas zu sagen.
Wie kamen Sie zum ErzählCafé?
Die Methode stammt ursprünglich aus den USA und wurde entwickelt, um die Gemeinschaft zu fördern. Später wurde sie auch in der sozialen Arbeit aufgenommen. Ich selbst war als Geschichten- und Märchenerzähler unterwegs und nahm im Zürcher Zentrum Karl der Grosse erstmals an einem ErzählCafé teil. Das weckte mein Interesse.
Welche Themen stehen als Nächstes an?
Beim nächsten Treffen geht es um Bücher, die einem besonders ans Herz gewachsen sind. Im November heisst das Thema «Lieblingsorte»: Wo bin ich gerne hingegangen? Wo fühle ich mich wohl – in einer stillen Ecke der Wohnung, am Bach, am Fluss oder im Wald? Auf beide Nachmittage freue ich mich.
ErzählCafé in Höngg
Freitag, 2. Oktober, 14–16.15 Uhr, Thema «Bücher»
Freitag, 6. November, 14–15 Uhr, Thema «Lieblingsorte»
GZ Höngg, Limmattalstrasse 214
Jeweils zweiter Teil bei Kaffee und Tee im Kapitel 10 Anmeldung erforderlich unter jpcotti@gmail.com





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