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Jugend

Was bewegt die Jugend?

26. Februar 2019 von

Foto: Lara Hafner

Im «Underground»: Die Jugendlichen können hier in einem farbigen Umfeld Spass haben.

Foto: Lara Hafner

Im Kasten treffen sich die jungen Hönggerinnen und Höngger, auch dann, wenn sie später weiterziehen.

Foto: Darstellung: Fredy Haffner

Diagramm der Bevölkerungsentwicklung der zehn bis 24-Jährigen in Höngg. Quelle: Statistik Stadt Zürich.

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Online seit
26. Februar 2019

Printausgabe vom
28. Februar 2019
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Wer ist die Jugend von Höngg? Was beschäftigt sie? Was will sie? In dieser und der nächsten «Höngger»-Ausgabe steht die Jugend im Fokus.

Eine halbwegs einheitliche Definition des Begriffs «Jugend» zu finden, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Niemand ist sich einig über die Zeitspanne, dieser doch ziemlich schwammigen Lebensphase, in der aus einem Kind ein Erwachsener wird. Beginnt sie mit zehn oder 14? Ist man mit 18 bereits erwachsen? Oder hält die Jugendlichkeit noch bis 25 an? Die verschiedensten Angaben sind zu finden. Doch wichtiger als der genau definierte Beginn- und Schlusszeitpunkt, ist, was während dieser Zeit bei einem jungen Menschen alles abläuft. Die Persönlichkeit einer Person entwickelt und festigt sich in diesen Jahren, diese sucht die soziale Rolle in der Gesellschaft, die richtige Ausbildung und löst sich von seinen Eltern. Der oder die Jugendliche wird ein eigenständiges, soziales Wesen. Laut Statistik der Stadt Zürich lebten im Jahr 2017 23‘797 Personen im Quartier Höngg. Davon waren 3’395 im Alter von zehn bis 24 Jahren und repräsentierten die jungen Menschen im Quartier. Das sind im Vergleich zu anderen Quartieren relativ viele, nur Altstetten, Seebach, Affoltern und Oerlikon zählen zahlenmässig einige junge Bewohner mehr. Seit 1993 sind die Zahlen kontinuierlich gestiegen, im Jahr 2016 ist ein ungewöhnlich steiler Anstieg bei den 20 bis 24-Jährigen zu vermelden. Dies ist auf den Bau der Studentensiedlungen auf dem Campus der ETH Hönggerberg zurückzuführen, die dem Quartier auf einen Schlag viele Wohnmöglichkeiten für Studenten brachte.

Austausch im Rahmen der Jugendarbeit

Zu jeder Zeit gab es Reibungen zwischen den Generationen, das ist normal und unvermeidbar. Die Jungen lästern über die Alten und umgekehrt. Der Mensch neigt auch bei Vorfällen dazu, nicht den Einzelnen, sondern gleich seine ganze Generation mit zu verurteilen. Doch jeder Mensch ist anders, die Jugendlichen alle in einen Topf zu werfen, umzurühren, ihre Interessen und Persönlichkeiten zu mischen und zu verallgemeinern, ist nicht der richtige Weg. Über die Jugend zu sprechen, ohne mit den Jugendlichen selbst gesprochen zu haben, wäre mit eben genanntem gleichzusetzen und somit unfair. Der Höngger hat sich daher zwei Jugendangebote der Jugendarbeit Höngg zu Nutzen gemacht und in deren Rahmen den Jugendlichen einen Besuch abgestattet. Der erste Austausch fand im «Kasten» im Rütihof statt, einem blauen Container, dessen Zweck es unter anderem ist, Jugendlichen einen Ort zu bieten, an dem sie ungestört sind. Am Freitagabend ist dieser für alle Jugendlichen ab der Oberstufe geöffnet, es hält sich jedoch fast immer die gleiche Gruppe dort auf. Diese hat bereits das frühere Mittelstufenangebot im Kasten genutzt und ist in den letzten Jahren mit der sich verändernden Zielgruppe mitgewachsen. In der Jugendarbeit ist es häufig der Fall, dass die Angebote tendenziell eher von Jungs genutzt werden, dies bestätigten die Jugendarbeiter*innen des Gemeinschaftszentrum Höngg.

«Wollen wir nicht die Wahrheit sagen?»

Auch an jenem Freitagabend waren die jungen Männer in der Überzahl, die wenigen Mädchen vor Ort standen der Situation eher skeptisch gegenüber und wollten keine Auskunft geben. Viele der Anwesenden wohnen im Rütihof, ihre Interessen sind vielfältig. Das Thema Musik ist ganz gross, Robin meint, er höre alles bis auf Pop und Schlager. Zwei aus der Gruppe machen selber Musik, der 16-jährige Dominik, der seit acht Jahren so ziemlich jede Woche im Kasten anzutreffen ist, rappt und gibt auch gerne Freestyles zum Besten. Marvin, ein Schüler aus dem Lachenzelg, spielt in einer fünfköpfigen Metalband. Die Schule stellt ihr einen eigenen Bandraum zur Verfügung. Auch andere Talente sind vorhanden, Elias zeichnet tolle Bilder und Cecilio spielt Fussball beim SV Höngg. Ein Zwischenruf im Gespräch deutet darauf hin, dass sich die Interessen nicht alle auf diesem unschuldigen Niveau befinden: «Wollen wir nicht die Wahrheit sagen?». Es folgt Gelächter, ihre Geheimnisse sollen sie behalten dürfen. Natürlich seien sie alle auch teilweise am Handy, gamen und schauen sich Serien an. Dies seien aber alles Dinge, welche sie alleine nutzen würden, in der Gruppe spielen sie eher Spiele wie UNO oder unterhalten sich. Die Ausbildung ist bei allen ein aktuelles Thema, Lukas schliesst demnächst seine Gärtnerlehre ab, andere sind in der Ausbildung als Gipser*in, Zeichner*in oder absolvieren das KV. Einige aus der Gruppe besuchen noch die Sekundarschule im Lachenzelg. Neben dem Kasten, in dem sie sich immer treffen, auch wenn sie später weiterziehen, sind sie manchmal auf dem Werdinseli, beim Zwielplatz oder bei Kollegen zu Hause zu finden.

Zu Besuch im «Underground»

Das zweite Gespräch mit jungen Höngger*innen fand im Underground statt, einem Raum in der Reformierten Kirche. Dieses Jugendangebot wird am Mittwochnachmittag angeboten, die Jugendlichen sind jünger als diejenigen im Kasten. Hier ist auch ein Mädchen anwesend, das bereit ist, Auskunft zu geben. Ihre Themen unterscheiden sich, auf jeden Fall oberflächlich gesehen, nicht gross von denen der älteren. Sportarten wie Fussball und Rugby, Musik, Gamen, Serien auf Netflix schauen, Kollegen treffen und die Schule werden als wichtige Themen und Interessen genannt. Reto hätte einen Wunsch für das Hallenbad Bläsi: einen höheren Sprungturm. Leo und Ella wünschen sich ein Café, für den Winter. Gemeinsam haben die Jugendlichen den reformierten Unti, den sie in Höngg besuchen. Aus diesem Grund kämen sie auch in den Underground. Dort entspannen sie sich, spielen Spiele, essen Snacks und reden miteinander.

Zwei Jugendangebote und eine Hand voll Jugendlicher – kein repräsentatives Ergebnis für ein ganzes Quartier. Doch nennen alle Jugendliche ähnliche Interessen, wenn man sie im Vorbeigehen kurz darauf anspricht. Wer genauere und unterschiedlichere Antworten zu hören bekommen will, muss sich für jeden einzelnen Menschen Zeit nehmen. Wie dies in den folgenden Porträts gemacht wurde. Dort finden sich die Differenzen – aber nur bedingt. Denn menschlich sind schliesslich alle.

Mehr Informationen zum Höngger Angebot für Junge in der nächsten Ausgabe.

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26. Februar 2019

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