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Kultur

Von Funktionstextilien und Spirit Animals

29. April 2019 von

Die Teilnehmenden hatten die Texte meist ausgedruckt oder auf dem Smartphone.
Foto: Lina Gisler

Die Teilnehmenden hatten die Texte meist ausgedruckt oder auf dem Smartphone.

Foto: Lina Gisler

Rebekka Lindauer konnte sich den zweiten Platz ergattern.

Foto: Lina Gisler

Das Vater-Tochter Duo «Pink Fluffy Junikäfer» überzeugte das Publikum mit ihrer Performance.

Foto: Lina Gisler

Die Lautstärke des Applauses entschied, wer den Wettbewerb gewinnen würde.

Foto: Lina Gisler

Am Ende konnte Gregor Stäheli (rechts) das Publikum am meisten überzeugen.

Von

Online seit
29. April 2019

Printausgabe vom
02. Mai 2019
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Am Poetry-Abend im Kulturkeller Höngg kam Jung und Alt, um ihre Performances zum Besten zu geben. Wild gestikulierend und sogar mit Gesangseinlage sprachen die Poeten auf teils komödiantische, teils nachdenkliche Art über die Themen, die sie beschäftigten.

Der Event war gleichzeitig auch ein Wettbewerb: Im Publikum wurden Blöcke mit Nummern von eins bis zehn verteilt, nach jedem Auftritt wurde die Performance bewertet. Die Moderatorin des Abends, Miriam Schöb, erläuterte: «Die höchste Note wird gestrichen, falls deine Mutter im Publikum sitzt, und die tiefste auch, falls deine Ex-Freundin im Publikum sitzt.» Sie erklärte auch noch die Regeln: Der Text muss sechs Minuten lang sein und es dürfen keine Requisiten benutzt werden. Die letzte Regel ging an das Publikum: Man soll Respekt haben, denn es ist echt mutig, sich überhaupt auf so eine Bühne zu trauen.
Dann ging es auch schon los mit den verschiedenen Beiträgen. Kathrin erzählte von ihrer nervigen Katze mit dem Namen «Omelette», während Elena’s Gedicht eher tiefgründig war, sie fragte sich «ist es möglich, auf eine falsche Art zu lieben?»

Wenn morgen die Welt untergeht…

Alle Teilnehmer*innen hatten Texte dabei, Karlo entschied sich hingegen für eine Improvisation. Dabei liess er sich vom Publikum Worte geben, und reimte mit und über diese Worte. Das Vater-Tochter-Duo mit dem Namen «Pink Fluffy Junikäfer» sprach darüber, was sie machen würden, wenn morgen die Welt untergehen würde. Der Vater will ein teures Auto kaufen, die Tochter das neuste Smartphone und auf den sozialen Medien fieses über die Mitschüler schreiben. Den Abfall können sie aus dem Fenster werfen – «die Welt geht morgen sowieso unter!» Am Schluss wurden sie aber ernster und kritisierten, dass sich Leute manchmal so benehmen, als ob es der letzte Tag der Welt wäre. «Wenn wir so weitermachen, dann kommt die Apokalypse wirklich bald», sagte die Tochter. Diese Performance überzeugte die Publikumsjury, und so kam der «Pink Fluffy Junikäfer» in die zweite und somit letzte Runde. Zwei weitere Poetry-Slam-Teilnehmende konnten die Jury überzeugen. Zum einen war das Rebekka mit dem Text «Kleider machen Leute», in dem sie sich über Funktionstextilien aufregte, wie die Schuhe, die jeden Zeh einzeln trennen. Dass gleichzeitig die Beliebtheit von Funktionstextilien als auch die von Dating-Portalen stieg, sei definitiv kein Zufall. «Wenn einer seinen Zehen so viel Platz im Leben gibt, wie soll er denn da noch Platz haben für eine Partnerin?», fragte sie. Diese Kleider seien nicht nur wasserabweisen, sondern auch beziehungsabweisend. Sie überzeugte besonders mit ihren Imitationen von Menschen wie Karl Lagerfeld und Magdalena Martullo-Blocher. Gregor, der dritte Teilnehmer, der auch ins Finale kam, sprach über «Spirit Animals».

Eisbären als Klimaflüchtlinge

In der finalen Runde wurden nochmals jeweils drei neue Texte vorgestellt. Der «Pink Fluffy Junikäfer» stellte dabei viele Fragen, wie «warum sind Eltern so peinlich» und «ist Muttermilch Magermilch oder Vollmilch»? Rebekka sprach über die Eisbären als Klimaflüchtlinge, die bald die Schweiz als Immigrantenhorde überrennen wird. Gregor erläuterte sein Lieblingsfach in der Schule, die kleine Pause, und beklagte sich über die ganzen Leute, die nie eine Pause machen und konstant beschäftigt sind. Er beendete seinen Auftritt mit einer Eigeninterpretation vom Lied «Let It Be». Am Ende entschied die Lautstärke des Klatschens, wer gewann: Gregor konnte das Publikum mit seiner Performance am meisten überzeugen und konnte sich den Preis – eine Whiskey-Flasche – ergattern. Selbstverständlich machte die Whiskey-Flasche darauf aber unter allen harten Konkurrent*innen die Runde.

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