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Kirchen

Vom Vergnügen, eine Frau zu sein

17. November 2014 von

zvg

Maya Onken während ihrem Referat in Höngg.

Von

Online seit
17. November 2014

Printausgabe vom
20. November 2014
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Frauen auf wackligem Seil üben täglich den Balancier-Akt ihrer tausend Rollen und Aufgaben im Alltag: Mit entsprechend gestalteten Flyer lud der Ökumenische Fraueträff zum Vortrag am Samstag, 8. November, ins katholische Kirchgemeindezentrum von Heilig Geist ein. Als Referentin sprach die bekannte Autorin Maya Onken.

Maya Onken, systemischer Coach, Autorin und Leiterin des Frauenseminars Bodensee, erweiterte dieses Bild des Balancier-Aktes: Nicht nur Seiltanzen, sondern gleichzeitiges Jonglieren mit vielen «Tellern» werde von Frauen verlangt. Wie im richtigen Zirkus könne da schon mal ein «Teller» in die Brüche gehen.

Über die konkrete Lebensform entscheiden

Dank Feminismus und Gleichberechtigung stehen einer Frau heute zwar fast alle beruflichen Möglichkeiten offen. Doch muss sie relativ bald über die konkrete Lebensform entscheiden. Will sie Kinder oder nicht? Falls sie ein Kind möchte, will sie ihre Berufstätigkeit aufgeben oder weiter arbeiten? In einem vollen Pensum oder in Teilzeit?
«Welches Lebensmodell Sie auch wählen», entlastete Maya Onken die Zuhörerinnen, «Sie liegen immer ˂falsch˃.» In jedem Modell, ob Singledasein, ob Familienfrau mit oder ohne Berufseinsätze, ob alleinerziehend oder partnerschaftlich: Nie mache es frau richtig und ständig stehe sie unter dem Druck, ihr Modell zu rechtfertigen, vor allem gegenüber anderen Frauen. Leider heisse «richtig machen» bei den Frauen meist «perfekt machen», erklärte Maya Onken, die als Mutter zweier Töchter und Berufsarbeit selber viel Übung im «Jonglieren» hat. Und so agiere frau stets als Einzelkämpferin und trage unnötige Schuldgefühle mit sich.

Eigenen Energietank regelmässig auffüllen

Dass Maya Onken mit viel Humor den zahlreichen Zuhörerinnen vor Augen führte, wie frau selber im «Hamsterrad» dreht, entspannte die Anwesenden. Warum nicht eine andere Kultur etablieren? Eine, in der Frauen ihre unterschiedlichen Lebensmodelle gutheissen und zugestehen, dass dabei nichts perfekt sein muss? Diese Haltung hat mehrere Vorzüge: Sie verschafft Freude und Achtung vor dem eigenen Weg, verringert die Neid-Komponente und würdigt die Vielfalt der Lebensmodelle. Mit noch grösserem Vergnügen lauschten die Frauen den Thesen der Coaching-Fachfrau und bestärkten sich im Austausch untereinander: Jede Frau soll die Blickrichtung schärfen auf das, was ihr an einem Tag gelungen ist. Sie soll darum besorgt sein, ihren Energietank regelmässig aufzufüllen. «Es braucht eine Kontinuität in die Investition in sich selbst», ist Maya Onken überzeugt. Jede Frau soll Nein sagen lernen, andrerseits aber vorbehaltlos und ohne «Gegengeschäft» auch ein Ja anbieten. Sie soll ihr Beziehungsnetz stärken und zur Unterstützung einbinden.

Eingesandt von Pia Föry, Pastoralassistentin in Ausbildung

Vorschau Ökumenischer Fraueträff
Am 16. Dezember spinnt der Ökumenische Fraueträff weiter an diesem Freundschaftsnetz unter «vergnügten Frauen» und lädt ein zum Advents-Zmorge um 9 Uhr. Katholisches Kirchgemeindehaus Heilig Geist, Limmattalstrasse 146.

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