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Höngger Wald

Vereinsleben im Hönggerwald

5. Dezember 2018 von

Foto: Anne-Christine Schindler

Die Pfadi St. Mauritius-Nansen beim Geländespiel.

Foto: Anne-Christine Schindler

Kochen im Wald geht auch bei Regen.

Foto: Jacqueline Herberich

This Schenkel vom Natur- und Vogeschutzverein erklärt Waldpilze.

Von

Online seit
5. Dezember 2018

Printausgabe vom
06. Dezember 2018
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Dass im Hönggerwald reges Leben herrscht, überrascht wohl die wenigsten. Wie viele Vereine ihn auf vielfältigste Art und Weise nutzen, ist aber doch erstaunlich.

Im Hönggerwald tummeln sich allerlei Lebewesen. Über den Laubboden rascheln Mäuse, Kröten und Igel, auf den Bäumen turnen flinke Eichhörnchen und durch die Luft ziehen Vögel auf der Suche nach Insekten. Spaziergänger*innen zotteln hinter ihren Hunden her, Jogger*innen schlagen grazile Rehe in die Flucht. Auch Füchse und sogar Wildschweine gibt es hier. So weit, so gut, aber die Liste ist damit noch lange nicht erschöpft.

Waldpädagogik in Höngg

Dass man im Wald zur Schule gehen kann, mag wohl die eine oder andere Leser*in erstaunen, aber gerade hier ist das Angebot sehr breit. Schon ab zweieinhalb Jahren können Kinder in Höngg die Waldspielgruppe Wurzelstufe besuchen oder mit ihren Eltern in der Wildkräuter-Feuerküche im Freien kochen. Beim Freien Chindsgi Hönggerberg ist schon seit jeher der Mittwoch Waldtag. Die Kinder seien bei jedem Wetter draussen und bräteln am Mittag zusammen, erzählt Leiter Thomas Hümbeli. «Ziel ist, dass sich die Kinder in der Natur Kompetenzen aneignen, die sie sonst im Chindsgi eher nicht bekommen», sagt er. So gehe es etwa darum, Empathie mit Pflanzen und Tieren zu lernen, zum Beispiel dafür, wie Pilze und Bäume Symbiosen eingehen. Im Wald seien die Kinder auch freier, sie müssen nicht «stillhöckle», wie sonst im schulischen Umfeld.
Dass das Sein in der Natur sich positiv auf die Kindesentwicklung ausübt, ist auch der Grundgedanke bei den Waldchind Züri, wo Kinder ab vier Jahren und bis zur zweiten Primarschule im Wald lernen, bevor sie in eine reguläre Schule übertreten. Für jedes Kind wird auf Basis des kantonal festgelegten Kindergarten- und Schulstoffs ein Semesterförderplan ausgearbeitet, aber auch fürs freie Spiel und das Kennenlernen des Waldes bleibt viel Zeit. Gelernt wird an verschiedenen Plätzen, Znüni und Zmittag essen die Kinder alle gemeinsam. Unterrichtet wird generell im Wald, aber im Winter steht für den Fall der Fälle ein beheizter Raum zur Verfügung.
«Normale» Schulen nutzen den Wald ebenfalls, zum Beispiel für Ausflüge oder Projektwochen. Ausserdem bietet Grün Stadt Zürich einen Waldputztag an, für den Lehrer*innen ihre Klassen anmelden können – ein Angebot, das in Höngg seit Jahren regelmässig genutzt wird.

Feuermachen und Radfahren

Auch Jugendliche sind oft im Wald unterwegs. Die Pfadi und die Cevi sind an vielen Samstagen dort anzutreffen und sie nutzen den Wald vielfältig, indem sie etwa mit Naturmaterialien basteln, Geländespiele durchführen, Kochwettbewerbe veranstalten, Verstecken spielen oder an Gruppenplätzen bauen. Dabei gilt das altbekannte Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung. Das einzige, was Pfadis und Cevis gleichermassen schwerfällt, ist das Feueranzünden im Platzregen. Aber wem das nicht so geht, werfe den ersten Stein – und klappen tut es am Schluss trotzdem immer.
Etwas weniger wetterfest – was man ihm freilich nicht vorwerfen kann – ist der Radfahrverein Höngg. Gegen 25 junge Radfahrer*innen zwischen sechs und 13 Jahren fahren montags im Velo-Lukas-Biketeam durch den Wald, zusammen mit über 40 Kindern aus Niederglatt. Das letzte Mal draussen waren sie kurz nach den Herbstferien. Gemeinsam mit den Eltern wurde zum Saisonausklang gebrätelt. Jetzt, wo der Winter kommt und es abends schnell dunkel und kalt wird, biken sie in der Turnhalle, bis der Frühling wiederkehrt.

Mensch- und Tierwohl im Wald

Der Natur- und Vogelschutzverein nutzt den Wald vor allem fürs Beobachten. Darüber hinaus führt er dort immer wieder Veranstaltungen durch. Zuletzt konnten Interessierte auf einem Naturspaziergang die Pilzvielfalt kennenlernen, und erst vor ein paar Wochen fand die allherbstliche Kontrolle der rund 120 Nistkästen statt, die der Verein für die Waldvögel aufgestellt hat. Auch nachts sind die Vereinsmitglieder manchmal unterwegs, zuletzt im Sommer, als sie sich spätabends zum Granatweiher aufmachten, wo der nachtaktive Glögglifrosch lebt. Es naht auch schon die Waldweihnacht, die immer zusammen mit dem Quartierverein durchgeführt wird.
Und was wäre der Wald ohne die vielen roten Bänklein, die dort zum Ausruhen einladen? Regelmässig werden sie vom Verschönerungsverein gepflegt, von Graffitis gereinigt, mit neuem Kies umstreut, von Heckengewucher befreit. Dafür seien zwei Personen zuständig, erzählt Vereinspräsident Ruedi Zweifel. Wer möchte, kann übrigens selbst aktiv werden und den Wald mitverschönern. Zweimal im Jahr findet ein Arbeitstag statt; kürzlich wurde die Findlingsanlage vom Laub befreit, der nächste Tag steht im Juni an.
Die Wildschweine und Mäuse rascheln also nicht allein über den Blätterboden des Hönggerwalds. Aber wer hätte geahnt, dass dort derart viele Höngger*innen aktiv sind?

Eingesandt von Anne-Christine Schindler

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