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Wir sind Höngg

Über den Wolken zu Hause

3. Mai 2021 von

Gut gelandet: das Fliegen ist für Karin Koch-Haug ein willkommener Ausgleich zum Alltag.
Foto: zvg

Gut gelandet: das Fliegen ist für Karin Koch-Haug ein willkommener Ausgleich zum Alltag.

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Online seit
3. Mai 2021

Printausgabe vom
20. Mai 2021
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Karin Koch-Haug ist beruflich und privat gerne für andere Menschen da. Sie selbst kann am besten abschalten, wenn sie hoch über den Wolken schwebt.

Ich bin zwar ursprünglich in Basel geboren, doch in Zürich lebe ich bereits, seit ich zwei Jahre alt bin und auch im Rütihof bin ich schon fast ein Vierteljahrhundert zu Hause. Gemeinsam mit meinem Mann bin ich 1997 in die ASIG-Genossenschaft im Rütihof eingezogen, kurz nachdem sie gebaut und bezugsfertig geworden war. Nur wenige Monate nach unserem Einzug kam unser erster Sohn Tobias zur Welt, zwei Jahre später vervollständigte Matthias unsere Familie.

Einsatz fürs Quartier

Dank der Kinder fasste ich sehr schnell Fuss im Quartier und knüpfte viele Kontakte – nicht nur im Rütihof, sondern in ganz Höngg. Regelmässig besuchten die Kinder den Kiki-Träff der Reformierten Kirche und wir verbrachten viel Zeit in Familienangeboten der Kirche. Bei einer dieser Gelegenheiten wurde ich angefragt, ob wir nicht bei der Gemeindeferienwoche dabei sein wollen, was ich gerne annahm. In diesen Ferien schliesslich bot mir Sozialdiakonin Claire-Lise Kraft an, bei der reformierten Kirchgemeinde als Katechetin einzusteigen. Ich musste gar nicht lange überlegen: obwohl ich damals als Pflegefachfrau am Universitätsspital arbeitete und mir mein Job Spass machte, ergriff ich die Gelegenheit, liess mich zur Katechetin ausbilden und begann die Arbeit in und für die Gemeinde und mein eigenes Quartier. Irgendwie lag mir die Kirche wohl schon ein wenig im Blut: schliesslich bin ich die Tochter eines Pfarrers und einer Organistin. Katechetin zu sein hatte für mich fast eher den Charakter eines Hobbys als den eines Jobs. Ich war mit Leidenschaft dabei, konnte mich für die Menschen in meinem Quartier engagieren und die Arbeit zudem sehr gut mit der Betreuung meiner Kinder kombinieren. Ich fand es schön, auch neben der Arbeit, beim Einkaufen oder auf dem Spielplatz die Kinder zu treffen, die zu mir in den Unti kamen oder mit ihren Eltern einen kurzen Schwatz halten zu können.

Krisen und Neuorientierungen

Doch 2010 kam die Trennung von meinem Mann und ich merkte, dass ich finanziell nicht mehr so weiterfahren konnte wie bisher. Das kleine Pensum, das ich als Katechetin innehatte, reichte nun nicht mehr aus, um die Familie zu ernähren. So beschloss ich, wieder zurück in die Pflege zu gehen, legte aber Wert darauf, daneben weiterhin den Unti durchführen zu können. Ich begann, morgens im Wohnzentrum Frankental in der Pflege zu arbeiten und betreute dort die Bewohner*innen mit Hirnverletzungen. Das war eine sehr spannende Tätigkeit, bei der ich mein Wissen in der Pflege noch erweitern konnte.
Leider wurde die berufliche Belastung nach zwei Jahren dann doch zu viel, vor allem auch, weil meine Kinder mittlerweile in der Pubertät waren und mit grösseren Problemen zu kämpfen hatten. Das erforderte viel Kraft und Aufmerksamkeit meinerseits und war keine einfache Zeit. Ich musste mich neu fokussieren und Prioritäten setzen. Infolgedessen beschloss ich, meine Arbeit als Katechetin zu beenden. Auch im Wohnzentrum Frankental musste ich kurz darauf aufhören: Die neuen Arbeitszeiten waren nicht mehr familienkompatibel und die Belastung von Beruf und Familie war für mich zu gross. Ich brauchte eine Auszeit.
Doch im Sommer 2013 hatte ich mich erholt und konnte beruflich neu starten. Ich begann bei der Spitex zu arbeiten, zunächst bei der Stiftung Alterswohnungen und seit 2018 in Schwamendingen im Team für Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Diese Arbeit erfüllt mich sehr, nicht nur wegen der Kontakte zu den Patient*innen, sondern insbesondere auch aufgrund der Arbeit und des Austauschs, den ich mit den Angehörigen und Familien habe. Ähnlich wie zu meiner Zeit als Katechetin, wo ich es schätzte, neben den Kindern auch die Eltern kennenzulernen, ist es jetzt so, dass ich mich freue, wenn ich zu den Patient*innen deren Kinder treffe und ihnen bei der Betreuung ihrer Eltern behilflich sein kann.

Ein Hobby für die ganze Familie

In Beziehungsangelegenheiten hatte ich bereits 2011 ein neues Glück gefunden und meinen jetzigen Lebenspartner Mark kennengelernt. Er schwärmte davon, dass er vor einem Monat gerade mit einem neuen Hobby angefangen habe, dem Gleitschirmfliegen. Das war lustig, denn ich hatte bereits 1995 die Ausbildung zur Gleitschirmpilotin absolviert, während meiner zweiten Schwangerschaft aber eine Pause eingelegt. Durch Mark begann ich nun selbst wieder mit der Fliegerei – und von unserer Begeisterung fürs Fliegen liessen sich schnell auch meine Söhne anstecken. Vor allem Tobias, der ältere der beiden, entwickelte eine grosse Leidenschaft fürs Fliegen, so dass er nun sogar eine Ausbildung zum Fluglehrer beginnt und bei Meisterschaften mitfliegt.

Fliegen als Ausgleich

Auch ich bin fast jedes Wochenende mit dem Gleitschirm unterwegs, wenn das Wetter es zulässt. Zwar nehme ich an Ligatrainings und Meisterschaften teil, mir geht es beim Fliegen jedoch eigentlich nicht darum, im Wettbewerb besonders gut abzuschneiden. «Fliegen erdet», hat ein Freund von mir seine Begeisterung für das Hobby umschrieben und ich muss sagen, das trifft für mich den Nagel auf den Kopf. Wenn ich in der Luft bin, kann ich total entspannen und abschalten und mich nur auf den Moment und seine Schönheit konzentrieren. Auch der Austausch und Kontakt zu den anderen Sportler*innen, die das gleiche Hobby ausüben, ist mir sehr wichtig. Und die Tatsache, dass wir als Familie unseren Sport gemeinsam ausüben können ist für mich wunderbar. Meine Söhne und ich mussten einige Krisen überstehen, so dass ich diese gemeinsamen Glücksmomente umso mehr zu schätzen weiss. Angst habe ich dabei eigentlich nie – aus meiner Sicht kann im normalen Alltag oder im Strassenverkehr genauso viel passieren.

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3. Mai 2021

Printausgabe vom
20. Mai 2021
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