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Alter

Über den dritten Lebensabschnitt

2. September 2020 von

Zum Glück gibt es in unserem Quartier ja noch mehr und vor allem erfreulichere Themen. Zum Beispiel unser neues Fokusthema, auf welches wir uns schon lange freuen, das aber verschoben werden musste, weil wir unsere älteren Mitmenschen nicht in Gefahr bringen wollten. Das Thema Alter ist vielschichtig, spannend und geht uns früher oder später alle etwas an. Wir sind dankbar, dass die Luise Beerli Stiftung uns bereits zum zweiten Mal bei der Realisation eines Fokusthemas finanziell unterstützt. Damit leistet sie – besonders in diesem Jahr – einen wertvollen Beitrag zum Bestehen dieser Zeitung.
Foto: pas

Wie kann die ältere Generation in Würde altern?

Von

Online seit
2. September 2020

Printausgabe vom
03. September 2020
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Über das Alter zu sprechen, ist auf den ersten Blick nicht gerade attraktiv. Doch wer Glück und die Anlagen dazu hat, zählt unweigerlich früher oder später zum «Alten Eisen». Zeit, sich tiefgehender damit zu befassen, in einem Fokusthema Alter.

Höngg galt – und gilt vielleicht noch heute – als eher überaltert. Möglicherweise verbindet man die Beschaulichkeit und Ruhe des Quartiers eher mit der dritten Lebensphase. Doch die Zahlen zeigen eine andere Realität: Das Quartier am Rande der Stadt hat sich in den vergangenen 20 Jahren verjüngt. Machte der Anteil der über 60-Jährigen 2000 noch 28 Prozent aus, sank er 2010 auf 27 und 2019 auf 23,7 Prozent der Gesamtbevölkerung. Das hat weniger damit zu tun, dass die absolute Zahl der älteren Generationen abgenommen hätte, als vielmehr mit einem Wachstum der Quartierbevölkerung insgesamt: Während 2010 21179 Menschen in Höngg lebten, waren es 2019 24358. Insbesondere die Altersklasse zwischen 30 und 50 ist heute deutlich stärker vertreten und macht fast einen Drittel der gesamten Quartierbevölkerung aus. Dennoch verfügt Höngg weiterhin über ein breites Angebot für Menschen im höheren Alter. Alleine drei Alterszentren und ein Pflegezentrum für demente Menschen finden sich im Quartier. Viele kulturelle und sportliche Veranstaltungen richten sich explizit an die Bevölkerung im Pensionsalter.

Babyboomers gehen in Pension

Dennoch gehen Prognosen davon aus, dass sich der Anteil der Personen über 65 Jahre in den kommenden 30 Jahren fast verdoppeln wird, während der Anteil Menschen im erwerbsfähigen Alter nur marginal zunimmt (siehe Grafik). In Zahlen ausgedrückt: Die Referenzprognose rechnet für den Kanton Zürich mit einer Zunahme von 267 196 (2020) auf 444 113 (2050). Gleichzeitig steigt die Zahl der 20 bis 64-Jährigen leicht von 979 349 auf 1 166 912. Der Anteil der unter 20-Jährigen nimmt nur leicht zu und soll bis 2050 390 000 erreichen. Langfristig wird sich die Frage stellen, wie die Altersvorsorge gewährleistet werden kann. Aber auch andere Themen müssen von der Gesellschaft und den verantwortlichen Behörden angegangen werden: Wie können die älteren Generationen in Würde leben und altern, welche Angebote müssen geschaffen werden, welche Lebensformen können Sinn machen, wie kann auf die steigende Anzahl Demenzkranken reagiert werden, wie bleibt man auch im Alter mobil und vieles mehr.

Alter in der Stadt ist weiblich

Eine vom Städteverband 2014 in Auftrag gegebene Studie zu Thema Alterspolitik in Städten zeigte zum Beispiel auf, dass zwei Drittel der über 80-Jährigen in Städten Frauen sind. Davon leben über die Hälfte alleine, da viele von ihnen bereits verwitwet sind, während Männer im gleichen Alterssegment noch oder wiederverheiratet sind. Ausserdem nehme die Anzahl der über 65-Jährigen Ausländer*innen in den Städten seit 1990 zu, auch wenn die ausländische Bevölkerung insgesamt jünger sei, als die Schweizer Bevölkerung. «Den Aspekten Gender und Migration ist bei der Ausgestaltung der Alterspolitik daher besondere Beachtung zu schenken», so die Autor*innen der Studie. Ein grosses Thema sei auch die künftig steigende Zahl der demenzkranken Betagten.

Wir werden versuchen, zu letztem Thema mit Fachpersonen auf dem Gebiet der Demenz sprechen zu können. Es wird einen geschichtlichen Teil geben, Artikel zu den Sozialversicherungen und dazu, wieso viele Menschen, die Anspruch darauf hätten, dennoch keine Ergänzungsleistungen beziehen. Ein grosser Teil des Fokusthemas wird aus persönlichen Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern der älteren Generationen bestehen, auf diese freut sich die Redaktion schon ganz besonders. Wie immer soll nicht nur über, sondern vor allem mit den Betroffenen gesprochen werden.

Quellen: 
Alterspolitik in Schweizer Städten Schlussbericht_2014
Alter und Altern – wichtige Trends und Versorgungsfragen im urbanen Raum_2019
Bevölkerungswachstum Kantonale Szenarien

Diese Fokusreihe zum Thema «Alter» entsteht mit freundlicher Unterstützung der Luise Beerli Stiftung. Die Stiftung unterstützt vorwiegend in der Stadt Zürich domizilierte Institutionen, die sich für betagte oder behinderte Menschen einsetzen. Sie hat keinen Einfluss auf Inhalt und Form der Artikel genommen.

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2. September 2020

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03. September 2020
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