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Hotel Mama

25. Juni 2019 von

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25. Juni 2019

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Ach, dieses Ausziehen, ein Thema, das wohl viele in meinem Alter beschäftigt. Und ich meine nicht Kleider ausziehen, sondern: Von zu Hause ausziehen. Hotel Mama und Papa verlassen, in die weite Welt hinausgehen, endlich unabhängig sein.
Viele Aspekte locken einen dazu, auf ausreisserische Gedanken zu kommen. Rund um die Uhr sturmfrei! Einen ganzen Tag im Pijama auf dem Sofa faulenzen und Netflixen? Kein Problem! Das Zimmer ist nicht perfekt aufgeräumt? Niemand interessiert’s! Wann ich nach Hause komme und wo genau ich bin? Niemand muss es wissen!
Leider ist das ganze Prozedere gar nicht einfach. Knackpunkt: Geld. Klar, ich habe nun auch ein wenig Gespartes, aber nach einer Monatsmiete wäre das schon fast wieder weg. Und dann auch noch diese Challenge, etwas zu finden, das nicht völlig abgelegen ist und auch nicht an einer extrem lauten Strasse, etwas, das nicht jedes Budget sprengt… Und die Wohnung ist noch lange nicht alles. Mir war nie bewusst, wie teuer Möbel wirklich sind! Ein Kissen alleine kostet sogar bei Ikea mindestens zwanzig Franken!
Und überhaupt, eigentlich ist es schon verdammt gemütlich, zu Hause zu wohnen. Es heisst ja nicht ohne Grund «Hotel Mama»! Wenn ich nach Hause komme nach dem Sport und einen Bärenhunger habe, dann steht schon eine warme Mahlzeit auf dem Tisch (zumindest manchmal). Verstehen Sie mich nicht falsch, auch ich koche gerne mal etwas, aber manchmal habe ich einfach keine Zeit… oder keine Lust. Und gratis an einer so guten Lage zu wohnen, direkt an der Limmat und trotzdem nahe an der Stadt zu sein, das ist ein echter Luxus. Ein Bonus: Meine Mutter ist eine Suchmaschine im echten Leben: Wenn ich etwas nicht finde, frage ich sie, und innerhalb von wenigen Sekunden hat sie das Ladekabel, die Sporthose oder den Schlüssel in ihrer Hand.
Und trotzdem werde ich wohl ausziehen. Wohin und wann ist zurzeit noch offen, etwas jedoch ist mir jetzt schon klar: Ich will definitiv nicht allein wohnen. Der Gedanke, jeden Abend nach Hause zu kommen und eine dunkle, leere Wohnung zu betreten, macht mir Angst. Es wird sicherlich Zeiten geben, in denen ich mir Hotel Mama sehnlichst zurückwünsche. Dann muss ich wohl einfach meine Mutter zu uns einladen, die meine Unordnung verurteilt, und schon bin ich wieder daran erinnert, wieso ein Leben in Unabhängigkeit das Richtige ist.

Lina Gisler,
Praktikantin

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25. Juni 2019

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