«Trophäenjäger»

Die politische Kolumne: Heute von Judith Stofer, Kantonsrätin AL, Kreise 6 & 10. Das Thema: das Kunsthaus und die Sammlung Emil Bührle.

Judith Stofer, Kantonsrätin AL. (Foto: zvg)

Das Kunsthaus hätte es besser machen können. Doch es will sich einfach immer noch nicht seiner Geschichte stellen, die eng mit dem Waffenfabrikanten und Nazi-Kollaborateur Emil Georg Bührle verbunden ist.

Dabei ist seit der im Oktober 2021 missglückten pompösen Eröffnung des Erweiterungsbaus des Kunsthauses, das auf einem Stockwerk die rund 200 hochrangigen Werke der Bührle-Sammlung beherbergt, einiges ins Rollen gekommen. Auf Druck der städtischen und kantonalen Parlamente wurden die diversen Verträge mit der Bührle-Stiftung öffentlich gemacht, ein runder Tisch initiiert und mit Raphael Gross ein international anerkannter und renommierter Historiker beauftragt, die Provenienzforschung der Bührle-Kunstsammlung zu überprüfen. Im nächsten Juni soll dieser Bericht vorliegen.

Eine kritische und unabhängige Überprüfung der Sammlung, die E. G. Bührle in den Vor- und Nachkriegsjahren zwischen 1936 und 1956 durch Ankäufe von Werken aufgebaut hat, ist dringend nötig, weiss man doch, dass die Sammlung eng mit unermesslichem menschlichem Kriegsleid verbunden ist.

Mit der am 3. November eröffneten veränderten Bührle-Ausstellung will das Kunsthaus nun auch den jüdischen Vorbesitzer*innen, den Opfern der brutalen und rassistischen NS-Herrschaft, mehr Raum einräumen. Gelungen ist es nicht.

Die Ausstellung erinnert mich mit jedem Bild an den Trophäensammler, der sein Geld mit Waffenverkäufen an Nazis und andere Kriegsherren gemacht hat. Es riecht in den Ausstellungsräumen immer noch zu fest nach Reinwaschung eines Mäzens, dem das Kunsthaus viel zu verdanken hat.

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