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Höngger Fauna

Tierische Funktionskleidung

4. Februar 2019 von

Durch das Aufrichten der Federn verdickt das aufgeplusterte Rotkehlchen gezielt die isolierende Luftschicht der Daunenfedern.
Foto: Dr. Hans-Peter B. Stutz

Durch das Aufrichten der Federn verdickt das aufgeplusterte Rotkehlchen gezielt die isolierende Luftschicht der Daunenfedern.

Foto: Dr. Hans-Peter B. Stutz

Viele Konturfedern haben in ihrem unteren Teil eine flauschige Daunenstruktur.

Von

Online seit
4. Februar 2019

Printausgabe vom
07. Februar 2019
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Wind- und wasserdicht, thermoregulierend und pflegeleicht. Das sind Anforderungen, die wir Menschen je nach Wetter und Freizeitaktivitäten, Sport oder Arbeit an unsere Kleidung stellen. Und auf den Begriff Hightech-Kleidung sind wir mächtig stolz. Dabei ist uns die Natur einmal mehr um Jahrmillionen voraus.

Ein Vogel braucht frühmorgens nicht zu überlegen, was er denn heute anziehen soll, sein Federkleid ist immer passend. Dabei ist sein Körper nicht einmal vollständig mit Federn besetzt. Dies sieht man an einem Poulet gut, wo zwischen Feldern gerupfter Federn glatte, federlose Haut ist. Trotzdem sieht man am Vogelkörper von aussen keine nackten Stellen. Dafür sorgen die Konturfedern. Wie ihr Name sagt, geben sie die äussere, meist aerodynamisch optimierte Körperform. Jede von ihnen hat einen langen Schaft. Von diesem zweigen, wie die Nadeln bei einer Eibe, rechts und links Primäräste ab. Auf diesen wiederum sitzen sich zwei gegenüberstehende Reihen von Sekundärästen: auf der einen Seite leicht gebogene glatte Bogenstrahlen, auf der anderen mit feinsten Häkchen besetzte Hakenstrahlen. Die Hakenstrahlen des einen Primärastes verhaken sich in die Bogenstrahlen des benachbarten. So bildet sich eine kompakte Fläche: die Federfahne. Diese wirkt als Tragfläche bei den Schwungfedern der Flügel und als Steuerruder bei den Schwanzfedern. Auch die Konturfedern am Körper bilden Flächen, die wie bei den Flugfedern die Färbung und Musterung des Vogels ausmachen. Das ölige Sekret seiner Bürzeldrüse streicht der Vogel regelmässig mit dem Schnabel auf seine Federn. Damit pflegt er sie nicht nur, sondern er macht sie auch wasserabstossend. Ebenso schützt das Sekret vor Pilzen und Mikroben und enthält Provitamin D, das sich unter Lichteinfluss zu Vitamin D wandelt und vom Vogel wieder aufgenommen wird. Unter den Körperfedern befinden sich Daunenfedern. Bei ihnen haben die Hakenstrahlen keine Haken, wodurch die Federäste keine Flächen bilden, sondern flauschig weich in alle Richtungen abstrahlen. In den Daunen verfängt sich eine körpernahe, isolierende Luftschicht.

Zurück in den Naturkreislauf

Sind Federn einmal abgenutzt, fallen sie aus und neue wachsen nach. Ausgefallene Federn werden von anderen Tieren als Nestpolster verwendet und Mäuse knabbern gerne daran, weil Keratin ein Eiweiss ist. Von Mikroben zerlegt, gelangen Federn schliesslich zurück in den Naturkreislauf. So stellt weder deren Herstellung noch Entsorgung ein Umweltproblem dar. Eingepackt in unsere topmoderne Hightech-Kleidung, sollten wir das Gefieder unserer Vögel mit grossem Respekt betrachten. Es entstand bereits vor rund 150 Mio. Jahren und erfüllt Funktionen, von denen wir bisher nur träumen können.

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4. Februar 2019

Printausgabe vom
07. Februar 2019
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