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Dorfleben

Süssmost und Sozialismus

4. Oktober 2021 von

Susanne Steiner-Rost als Tagespräsidentin der Zentralkonferenz
Foto: Familienbesitz Steiner-Rost

Susanne Steiner-Rost als Tagespräsidentin der Zentralkonferenz

Foto: Familienbesitz Steiner-Rost

Elisabeth, Meta und Susanne Steiner-Rost.

Foto: Familienbesitz Steiner-Rost

Das Elternhaus in Höngg, davor die drei Schwestern Rost und ihr Hund.

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Online seit
4. Oktober 2021

Printausgabe vom
07. Oktober 2021
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Heuer feiert man den 30. Todestag der Höngger Juristin und Frauenrechtlerin Dr. Susanne Steiner-Rost. Doch wer war die Schülerin von Paul Trautvetter und Leonhard Ragaz? Ein kurzes Porträt.

Susanne Steiner-Rost (1908-1991) war die Tochter eines nicht reichen, nicht armen Grafikers und einer Hebamme, die als Hausfrau arbeitete. Die Eltern waren also keine Bauern oder Handwerker und entsprechend bildungsbeflissen. So durften auch die Töchter höhere Schulen besuchen, was damals alles andere als selbstverständlich war. Die intelligente junge Susanne Rost absolvierte die «Töchti» in Zürich, um dann an der Universität Jura zu studieren. Frauen waren zwar seit Ende des 19. Jahrhunderts zum Studium zugelassen, aber dort noch in der deutlichen Minderheit. Susanne Rost mochte die religiös-sozialistischen Ideen des Aussersihler Armenpfarrers Leonhard Ragaz, dachte sozial, ja sozialistisch. Sie engagierte sich für die gesellschaftlich Benachteiligten, somit auch für Frauenrechte. Frauen durften auf eidgenössischer Ebene bekanntlich erst sehr spät, ab 1971, wählen und abstimmen. Diese Rechtlosigkeit war ein Makel, den Susanne Rost-Steiner sehr störte. Sie konnte noch miterleben, wie sich das Blatt im Jahre 1971 endlich wendete.

Überzeugte Abstinenzlerin

Ihre zahlreichen Gäste brachte sie zeitlebens zum Schmunzeln, indem sie ihnen Süssmost zum Trinken anbot und konsequent keinen Wein oder anderen Alkohol: Die Hönggerin war eine Frau mit Prinzipien, und eines ihrer Prinzipien war die Alkoholabstinenz. Als Schülerin des Höngger Pfarrers Paul Trautvetter und des erwähnten Leonhard Ragaz fühlte sie sich lebenslänglich dem damals wirkungsmächtigen Gedanken der Abstinenz verpflichtet. Diesen Gedanken lebte sie bereits in der Jugend- und Mädchengruppe IDUNA in Höngg. Im Berufsleben praktizierte sie zuerst als Anwältin, um dann als «Frau Oberin» ein Heim zu übernehmen. Sie heiratete einen sozialdemokratischen St. Galler Anwalt, der sich ebenfalls für die Belange der «kleinen Leute» engagierte. Ihr Haus avancierte zum Treffpunkt der Ostschweizer Linken. Susanne Rost-Steiner war eine Kämpferin, die ihre Herkunft aus Höngg niemals vergass.

Quelle: Jehle-Wildberger, Marianne. «Du bist wirklich souverän». Die religiös-soziale Anwältin Susanne Steiner-Rost (1908-1991). Zürich 2021.

Zum Autor
Dr. Fabian Brändle ist Historiker, Buchautor und Journalist, befasst sich mit Geschichte von «unten», Sportgeschichte, der Geschichte der demokratischen Bewegungen und lebt in St. Gallen.

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4. Oktober 2021

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07. Oktober 2021
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