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Dossier Apotheken

Sinnvolle Arbeitsteilung

13. Mai 2019 von

Apothekerin Katharina Hermann richtet die Wochenblister, bereits der Computer warnt, falls sie ein falsches Medikament zur Hand nehmen würde.
Foto: Fredy Haffner

Apothekerin Katharina Hermann richtet die Wochenblister, bereits der Computer warnt, falls sie ein falsches Medikament zur Hand nehmen würde.

Foto: Fredy Haffner

Apothekerin Corinne Tobler kontrolliert die gerichteten Wochenblister, bevor sie ausgeliefert werden.

Von

Online seit
13. Mai 2019

Printausgabe vom
16. Mai 2019
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Apotheken richten vermehrt auch die Wochendosiersysteme für Heimbewohner*innen. Die Serviceleistung nimmt den Heimen viel Arbeit ab, erhöht die Sicherheit und senkt die Medikationskosten. Wie geht das?

Als «Wochenschieber» sind sie bekannt, in der Fachsprache heissen die Behältnisse, in welche Medikamente für eine ganze Woche vorgerichtet werden, Wochendosiersysteme. Genutzt werden sie vorwiegend in Alters- oder Pflegeheimen, aber auch von Privatpersonen, denen sie die regelmässige Einnahme erleichtern. In Heimen richtete früher meistens das Pflegepersonal der Nachtwache die Medikamente für den kommenden Tag, heute wird diese Arbeit vermehrt an Apotheken ausgelagert. Die Heime sparen sich die Arbeit, doch gleichzeitig wird die Sicherheit erhöht und der Medikamentenverbrauch sinkt.

Gelegentlich Abfall – doch trotzdem günstiger

In Höngg richtet zum Beispiel die Hönggermarkt Rotpunkt Apotheke und Drogerie die Wochendosiersysteme – hier heissen Sie «Wochenblister» – für und 60 Bewohner*innen des Alterswohnheims Riedhof, wo vor Ort nur noch ein kleines Sortiment an Reservemedikamenten an Lager ist, damit auch ausserhalb der Öffnungszeiten der Apotheke auf neue Situationen reagiert werden kann.
In der Apotheke werden alle Medikamente gerichtet, die im von Montag bis Sonntag reichenden Wochendosiersystem Platz haben. Ausnahmen sind nur sehr grosse Tabletten sowie Medikamente in flüssiger Form oder Reservemedikamente, die erst im Riedhof dazu gereicht werden.
Dreimal wöchentlich gehen bei der Apotheke per Mail die Bestellungen ein, von Dienstag bis Samstag werden sie bearbeitet und dann ausgeliefert. Damit Verordnungsänderungen nicht eintreffen, wenn ein Wochendosiersystem bereits fertig ist, bekommt die Apotheke gemeldet, wer wann im Riedhof Arztvisite hat. Trifft eine neue Verordnung erst nach Auslieferung des Wochenblisters ein, wird mit der zuständigen Pflegefachperson abgesprochen, ob die ganze Woche neu gerichtet werden soll oder nur die abgesetzten Medikamente entnommen beziehungsweise neu verordnete gerichtet werden.
Bereits gerichtete abgesetzte Medikamente landen im Abfall, denn sobald eines nicht mehr in seinem Einzelblister ist, ist es nicht ewig haltbar. Zudem sind lose Tabletten oder Kapseln oft kaum voneinander zu unterscheiden. Trotz des Risikos, so manchmal Abfall zu produzieren, sinken die Kosten für die Medikation in jenen Institutionen, welche sich von den Apotheken die Wochendosiersysteme rüsten lassen, um bis zu 30 Prozent. Der Grund: Natürlich entscheidet letztlich der Arzt, doch die Apotheke prüft, wie sich die Medikamente vertragen, welchen Zweck eine Therapie verfolgt oder sie schlägt einen Wechsel zu günstigeren Generika vor.

Sechs Augen kontrollieren

Das effektive Richten ist ein ausgeklügeltes System. Im Dossiers der Patient*innen, vom Altersheim Riedhof angeliefert, sind im Computer der Apotheke alle verordneten Medikamente erfasst. Auch jene, die nicht in die Wochenblister kommen. So kontrolliert die Apotheke gleichzeitig auch, ob nicht Mehrfachverordnungen vorliegen oder Medikamente zusammen abgegeben werden, die zu ungewünschten Interaktionen führen.
In einem Raum im Untergeschoss des Hönggermarktes stehen Medikamentenschachteln bereit. Apothekerin Katharina Hermann legt sich einen der Wochenblister bereit. Es ist Einwegmaterial, bestehend aus einer Plastikform mit 28 Fächern, je sieben für die Einnahme morgens, mittags, abends und nachts. Dazu ein faltbarer Karton mit entsprechenden Öffnungen, auf der einen Seite jetzt noch mit einem Pergamentpapier verschlossen, auf der anderen eine Klebeschicht.
Hermann setzt die Plastikform in den Karton ein, druckt die Personendaten von Frau Schweizer (Name geändert) aus und klebt sie auf den Karton. Dazu die Liste der ganzen Verordnungen. Die Medikamente sind aus Sicherheitsgründen mit einem kleinen Foto plus einer Beschreibung dokumentiert. Da heisst es dann beispielsweise «Aspirin Cardio 100 mg, Filmtablette, rund, weiss, 7 mm». Auch ein Foto von Frau Schweizer fehlt nicht, anhand dessen letztlich die Pflegeperson bei der Abgabe vor Ort sicher ist, dass sie die Medikamente auch der richtigen Person verabreicht.
Apothekerin Hermann nimmt das erste Medikament aus dem Regal. Ein Aspirin Cardio 100 mg, einzunehmen jeden Morgen. Per Scanner liest Hermann den Strichcode der Packung ein. Nun würde, hätte sie sich im Medikament oder der Dosierung vergriffen, am Computer eine rote Fehlermeldung aufblinken. Nun aber blinkt es grün, zusammen mit der Aufforderung, das Verfallsdatum zu kontrollieren und zu bestätigen. Erst jetzt werden die Tabletten in jedes der sieben Morgen-Fächer gerichtet. Im Hintergrund rechnet der Computer jede einzelne Tablette ab, und sobald Frau Schweizer anzahlmässig eine ganze Packung aufgebraucht hat, wird ihr diese verrechnet. So geht das Tablette um Tablette und Kapsel weiter, bis alles bereit ist. Nun wird die Schutzfolie der Klebeseite am Karton abgezogen, der Karton zusammengefaltet und fertig ist das Wochendosiersystem.
Im zweiten Arbeitsschritt kontrolliert eine andere Apothekerin vor der Auslieferung jeden Blister einzeln. Stimmen alle Medikamente und liegen sie auch im richtigen Tagesfach? Die letzte Kontrolle findet dann im Alterswohnheim Riedhof bei der Abgabe statt, wo Verordnungen und gerichtete Medikamente erneut durch dafür qualifiziertes Personal verglichen werden. So garantieren letztlich sechs Augen die richtige Medikation.

Auch für Private

Der Service der Apotheken kann auch von Privatpersonen genutzt werden. Die Krankenkassen übernehmen, sofern jemand mit der regelmässigen und korrekten Einnahme der Medikamente überfordert ist, auf ärztliche Verordnung die Kosten. Bedingung ist, dass eine Polymedikation vorliegt, das heisst, es müssen mehr als drei verschiedene Medikamente pro Woche eingenommen werden. Die Krankenkassen bezahlen nicht ohne Eigennutz, denn nicht oder falsch eingenommene Medikamente verursachen weit höhere Folgekosten.
In den Altersheimen hingegen ist das Richten der Wochendosiersysteme immer in der Pflegepauschale enthalten. Entweder das Heim macht diese Arbeit selbst oder lagert sie gegen Entgelt an eine Apotheke aus, für die Bewohner*innen kostenmässig kein Unterschied.

Diese Serie wird finanziell, ohne redaktionell eingeschränkt zu sein, durch die vier Höngger Rotpunkt Apotheken und Drogerien unterstützt.
Nächster Artikel: 27. Juni, «Wundversorgung in Apotheken»
Alle Artikel online unter www.hoengger.ch/archiv/dossiers/ «Apotheken»

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