Kultur
Sinfonietta Höngg: Eine Serenade durch zwei Jahrtausende
Wie präsentiert man 2000 Jahre Musikgeschichte an einem Abend? Die Sinfonietta Höngg weiss, wie das geht. Gemeinsam mit dem Vokalensemble Choropax nahm sie das Publikum mit auf eine musikalische Reise.
23. Juli 2026 — Daniel Diriwächter
Seit fast 50 Jahren begeistert die Sinfonietta Höngg ihr Publikum. Und dies auf hohem künstlerischem Niveau, sodass ihre Konzerte – in der Regel zweimal jährlich in Höngg – äusserst beliebt sind. So auch Mitte Juni: Trotz sehr sommerlicher Temperaturen fanden zahlreiche Besucherinnen und Besucher den Weg ins reformierte Kirchgemeindehaus. Von den über 300 Sitzplätzen blieben nur wenige in den hintersten Reihen frei.
«Klingendes Wort – beredter Klang» lautete der Titel des Programms und versprach nichts Geringeres als eine Reise durch 2000 Jahre Musikgeschichte. Unterstützung erhielt das rund 40-köpfige Höngger Amateur-Orchester unter der Leitung von Emanuel Rütsche vom Vokalensemble Choropax aus St. Gallen mit 20 Sängerinnen und Sängern. Die musikalische Leitung des Chors liegt bei Martina Hoffmann.
«Die langjährige Zusammenarbeit mit Choropax ist etwas ganz Besonderes, weil beide Ensembles unkonventionell gestaltete, aber inhaltlich zusammenhängende Programme bevorzugen», sagt Verena Weber, Verantwortliche für Werbung und PR, gegenüber dem «Höngger».
Von Haydn bis zur Uraufführung
Das Serenadenprogramm spielte sich sowohl auf als auch vor der Bühne ab: Während die Sinfonietta Höngg den Bereich davor einnahm, positionierte sich Choropax auf der Bühne. Mönchsgesänge aus der Ferne («De Sancto Gallo Confessore» von Notker Balbulus) eröffneten das Konzert, bevor Emanuel Rütsche das Publikum begrüsste.
Dramatisch begann die musikalische Reise mit der Einleitung aus Joseph Haydns «Die Schöpfung». Es folgten Johann Sebastian Bachs gewaltiges «O Ewigkeit, du Donnerwort» aus der Kantate BWV 20 sowie Gabriel Faurés sanftes «Cantique de Jean Racine». Ludwig Senfls «Inmitten unseres Lebens Zeit» wirkte aufgrund seiner Kürze beinahe wie ein Intermezzo.
Den Abschluss des ersten Teils bildete die Uraufführung von «Seikilos» der Aargauer Komponistin Nathalie Laesser Zweifel. Das Werk bezieht sich auf das sogenannte «Seikilos-Epitaph», eine Grabinschrift aus der Spätantike, die als älteste vollständig überlieferte notierte Melodie der Welt gilt. Die anwesende Komponistin wurde mit grossem Applaus und einem Blumenstrauss bedacht.
Freiheitsklänge und ein heiteres Finale
Der zweite Teil begann mit Caroline Charrières Acappella-Werk «Flowers». Es folgte das «Adagio molto e cantabile» aus Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie, das schliesslich in die berühmte «Ode an die Freude» überging. Zu dieser Melodie zitierten die Sängerinnen und Sänger mehrsprachig aus der UNO-Menschenrechtscharta und mischten sich unter das Publikum – passend zur weltweiten Botschaft des Textes.
Mit «Das grosse Tor von Kiew» aus Modest Mussorgskys «Bilder einer Ausstellung» zeigte die Sinfonietta Höngg erneut ihr Können. Gegen das Ende hin wurde das Programm leichter und heiterer. Choropax brillierte mit Orlando di Lassos «O la, o che bon echo», bevor beide Ensembles gemeinsam ein Quodlibet mit Schweizer Volksliedern, darunter «Det äne am Bergli», präsentierten. Auch Mani Matters «Missverständnis» sowie «Alpeflug» fanden ihren Platz im abwechslungsreichen Programm.
Den Schlusspunkt setzte George Gershwins «Let’s Call the Whole Thing Off» in einem Arrangement von Moritz Lieberherr – ebenfalls eine Uraufführung. Ein eleganter Abschluss, der zugleich als Zugabe diente. Nach dieser Sommerserenade richtet die Sinfonietta Höngg ihren Blick nach vorne: Am 24. Januar 2027 begeht sie das Konzert zum 50-Jahr-Jubiläum.





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