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Höngger Fauna 1 Kommentar

Schönheitskonkurrenz

26. August 2019 von

Papilio machaon beim Nektarsaugen.
Foto: Dr. Hans-Peter B. Stutz

Papilio machaon beim Nektarsaugen.

Foto: Dr. Hans-Peter B. Stutz

Genüsslich frisst die «Rüebliraupe» das Fenchelblatt, das sie mit ihren drei Brust-Beinpaaren festhält.

Von

Online seit
26. August 2019

Printausgabe vom
29. August 2019
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Gäbe es eine Schönheitskonkurrenz unter unseren Tagfaltern, würde der Schwalbenschwanz wohl in den ersten Rängen landen. Doch mindestens so schön wie der Schmetterling ist seine Raupe, die jetzt in zweiter Generation bewundert werden kann.

Die knapp fünf Zentimeter lange, kleinfingerdicke Raupe des Schwalbenschwanzes sollte einem in den zarten Blättern von Fencheln, Rüben oder Dill eigentlich rasch auffallen. Aber ihre filigrane Zeichnung mit schwarzen Streifen und orangen Punkten auf hellgrünem Grund lässt das Tier im Schattenspiel der hellgrünen Blattlanzetten einfach verschwinden. Am besten betrachtet man eine Futterpflanze von oben und verändert den Blickwinkel laufend. So entdeckt man mit etwas Glück plötzlich eine dieser imposanten Raupen. Mit ihren 16 Füssen hat sie die feinsten Pflanzenblätter fest im Griff und fällt auch bei Wind nicht zu Boden. Um an eine gute Futterstelle zu klettern, setzt sie die drei gegliederten Beinpaare der Brustsegmente in Bewegung und streckt sich. Dann schieben sich die vier Beinpaare an den Bauchsegmenten nach vorne. Diese sind nicht segmentiert, sondern saugnapfähnliche Hautlappen und werden deshalb nicht als Beine, sondern als Füsse bezeichnet. Schliesslich wird das wulstige Paar Füsse am Hinterleibsende nachgeschoben. Der Bewegungsablauf im typischen «Raupengang» wiederholt sich, bis die Raupe an die Stelle der Pflanze gekrochen ist, an der sie mit ihren Mundwerkzeugen genüsslich frisst. Und ihr Hunger ist jetzt gross, denn sie muss sich noch im Herbst verpuppen können, um als Puppe zu überwintern. Die Raupen, die wir jetzt, im August und September, beobachten, gehören also zur Überwinterungsgeneration. Im Mai 2020 werden sie schlüpfen, und in ihrem nur zwei bis drei Wochen dauernden Leben als Schmetterling werden sie sich paaren. Die Weibchen werden gute Eiablageplätze suchen und dabei grosse Strecken zurücklegen. Die Sommergeneration, in warmen Sommern kann es sogar zwei davon geben, wird den Mai und Juni als Raupen verbringen, sich verpuppen und im Hochsommer als Schmetterlinge die Überwinterungsgeneration zeugen, womit der Zyklus wieder von vorne beginnt.
Obwohl der Schwalbenschwanz in der Schweiz als nicht gefährdet gilt, ist er in Höngg nicht oft anzutreffen. Wir können aber alle dazu beitragen, dass sich das ändert. Wer im nächsten Frühling im Garten oder auf dem Balkon ein paar nicht mit Insektiziden behandelte Fenchelpflanzen setzt oder Rüben und Dill sät, wird vielleicht bald einem Schwalbenschwanzweibchen zusehen können, wie es sorgfältig seine Eier, kleine weissliche Kügelchen, an die Blätter heftet und sich schon bald an den wunderschönen Raupen erfreuen können.

 

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26. August 2019

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Kommentare

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500
29. August 2019 um 23:13 Uhr von Isabelle Nuenninghoff

Merci vielmals für diesen tollen Artikel. Jetzt wissen wir, wen wir da zu Besuch bei unseren Fenchelpflanzen hatten, ein Einzelexemplar.
Bei den Dillpflanzen eines Bekannten gab es ein Massentreffen von mehr als einem Dutzend Raupen.
Wieder was gelernt ….. aber die grosse Frage: Muss ich meine Fenchelpflanzen nun mit der Schwalbenschwanzraupe teilen. Bleibt da noch was für uns übrig?