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Höngger Fauna

SchNabel-Schau

26. Oktober 2021 von

Der Grünfinkenschnabel kann Samenschalen aufbrechen.
Foto: Dr. Hans-Peter B. Stutz

Der Grünfinkenschnabel kann Samenschalen aufbrechen.

Foto: Dr. Hans-Peter B. Stutz

Der Schnabel des Gänsesägers ist für den Fischfang spezialisiert.

Foto: Dr. Hans-Peter B. Stutz

Wie mit einer Pinzette stochert der Baumläufer nach Insekten.

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Online seit
26. Oktober 2021

Printausgabe vom
28. Oktober 2021
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Manche von uns finden bunte Vögel einfach schön. Andere wieder lauschen ihren Stimmen und achten auf besondere Merkmale, um die verschiedenen Arten zu unterscheiden. Doch so richtig spannend wird es, wenn man sich die Architektur der Schnäbel anschaut.

Gebaut sind alle Vogelschnäbel nach dem gleichen Prinzip. Die Knochen von Ober- und Unterkiefer sind von einer Haut überzogen, deren Epidermis Hornschichten produziert. Dieser Hornschnabel ist das, was wir von aussen sehen, und er ist alles andere als gleichförmig. So haben Haussperlinge und Finken kurze, dicke Schnäbel, um Sämereien wie Getreidesamen aufzubrechen und zu schälen. Der Fink mit dem mächtigsten Schnabel ist der Kernbeisser, der in harten Wintern ans Futterbrett kommt. Er schafft es spielend, Kerne von Kirschen oder Steinobst zu knacken, bzw. aufzuschneiden. Damit die Kerne nicht verrutschen, wenn die kräftige Kiefermuskulatur den Schnabel schliesst, hat er im Oberschnabel Schneidekanten und im Unterschnabel «Führungsschienen». Im Gegensatz dazu haben Insekten fressende Vögel feine, spitze Schnäbel. So sieht man das Rotkehlchen, wie es mit seinem feinen Schnabel Insekten und kleine Regenwürmer wie mit einer Pinzette vom Boden aufpickt. Der ebenfalls pinzettenförmige Schnabel des Baumläufers ist lang und nach unten gebogen, damit er in Baumrinden herumstochern und Insekten aus Ritzen und Spalten hervorklauben kann. Greifvögel packen – wie ihr Name sagt – ihre Beute mit den Fusskrallen. Hat ein Turmfalke eine Maus erwischt, fliegt er in einen Baum, reisst mit seiner scharfkantigen, nach unten gebogenen Oberschnabelspitze die Haut der Maus auf und zerlegt sie in mundgerechte Stücke. An der Limmat ist der Gänsesäger auf Fischjagd. Die Oberschnabelspitze seines langen, schmalen Schnabels ist nach unten gebogen und entlang der Schnabelkanten sind nach hinten gerichtete Hornzähnchen aufgereiht. So gibt es kein Entkommen für die kleinen, glitschigen Fische. In Ufernähe sind Stockenten: «d’Chöpfli tüend’s is Wasser, d’Schwänzli tüend’s id Höh» – sie gründeln. Ihr abgeplatteter Schnabel ist entlang der Schnabelränder innen von Hornlamellen gesäumt. Mit der Zunge «pumpen» sie Wasser in den Schnabel und drücken es seitlich wieder nach aussen. Dabei wirken die Lamellen wie ein Sieb, in dem kleine Pflanzenteile und Wirbellose hängen bleiben. An der Architektur der Schnäbel kann man also ablesen, was Vögel hauptsächlich fressen, auch wenn beispielsweise Körnerfresser auch mal Insekten vertilgen oder Insektenfresser auch mal Früchte. Doch alle, egal, wie ihr Schnabel ausschaut, pflegen damit ihre Federn und füttern ihre Jungen. Und schliesslich wäre da noch der Eichelhäher, der auch ein Eichhörnchen ist.

 

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26. Oktober 2021

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28. Oktober 2021
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