Sammeln oder reduzieren?

Im Rahmen eines Pilotprojekts von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) konnten im vergangenen Jahr in Höngg gratis Kunststoffe und Verpackungen entsorgt werden. Wie bewertet das Entsorgungsunternehmen den Versuch und welche weiteren Schritte sind geplant?

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Der Kunststoff-Sammelversuch in Höngg und Schwamendingen läuft noch regulär bis zum 11. Dezember.

Vieles, was bei uns im Zürisack landet, ist eigentlich gar kein Müll, sondern besteht aus Wertstoffen – Materialien, die, richtig getrennt, wieder verwendet werden könnten. So besteht etwa zehn Prozent des Hausmülls aus reinem Plastik. Um die Abfallmenge zu reduzieren und Kreisläufe zu schliessen, startete ERZ daher im vergangenen Jahr ein Pilotprojekt: während sechs Monaten konnten in Höngg und Schwamendingen neben Glas und Metall auch Kunststoffe aller Art gratis an den Sammelstellen entsorgt werden. Ein Jahr ist nun seit dem Abschluss des Experiments vergangen. Wie sieht die Situation heute aus? Wie beurteilt ERZ den Versuch, wird das Projekt eine Fortsetzung finden? Der «Höngger» hat nachgefragt.

Logistisch und technisch nicht einfach zu bewältigen

Von Seiten der Bevölkerung war die Nachfrage nach der Plastiksammlung gross. Rund 60 Tonnen Kunststoff wurden bereits in den ersten fünf Monaten des Experiments in den beiden Quartieren gesammelt – mehr als die Stadt überhaupt bewältigen konnte. Schnell musste daher die Anzahl der Behälter an den Sammelstellen mehr als verdoppelt sowie die Abholung der Kunststoffe auf bis zu drei Touren täglich erweitert werden. Eine Herausforderung stellte dabei vor allem das Abfallvolumen dar, wie ERZ in einer Medienmitteilung im November 2020 erklärten. Langfristig gesehen würde die Bewältigung des Volumens daher nicht nur erfordern, dass der Abfall direkt vor Ort an den Sammelstellen gepresst würde, sondern auch zusätzliches Personal und Fahrzeuge notwendig machen. Eine weitere Hürde wäre die Finanzierung, so die Medienmitteilung vom November weiter: Weil das Gesetz das Verursacherprinzip vorschreibt, muss die Finanzierung vor der Einführung eines flächendeckenden Entsorgungsangebots geregelt sein. Schliesslich ist es auch die Verwertung des Abfalls, die noch Optimierungspotenzial besitzt: Momentan werde nur etwa die Hälfte des Plastiks weiterverwendet, der Rest gelange nach wie vor in die Verbrennung, so das Entsorgungsunternehmen.

Reduzieren als Königsweg

Seit dem Abschluss des Projekts im Dezember 2020 prüft die ERZ nun nach eigenen Angaben, «wie sich in Zürich eine flächendeckende Sammlung einführen lässt. Dazu habe das Entsorgungsunternehmen, so Mediensprecher Daniel Eberhard, Kontakt mit dem Detailhandel aufgenommen, da dieser «über eine Infrastruktur mit dem Potenzial [verfügt], einige Herausforderungen der Kunststoffsammlung abzudecken: In den Verkaufslokalen können Sammelstellen eingerichtet werden. Zudem können durch eine clevere Logistik Leerfahrten vermieden werden, wenn der Kunststoff nach der Belieferung einer Filiale mit dem gleichen Fahrzeug in die Zentrale zurückgeführt wird.» Logistik und rechtliche Rahmenbedingungen seien aber, so Eberhard in seiner schriftlichen Mitteilung an den «Höngger» weiter, anspruchsvoll und noch in Abklärung. Der Prozess werde daher noch einige Monate in Anspruch nehmen.
Ergänzend dazu soll vermehrt oder vielmehr prioritär darauf gesetzt werden, das Problem des Kunststoffabfalls zu beheben, bevor es entsteht. Müll vermeiden ist also die Devise: «Obwohl die Kunststoffsammlung ökologisch sinnvoll ist, bleiben Verminderung oder noch besser Vermeidung von Kunststoffabfall das oberste Ziel.»

Postulate noch beim Stadtrat

Politisch noch hängig sind die zwei letztjährigen Postulate von Gemeinderatsmitgliedern, die das Thema der Kunststoffsammlung zum Inhalt haben. Florian Utz (SP) und Selina Walgis (Grüne) fordern in ihrem Postulat gemeinsam mit zwölf weiteren Mitunterzeichner*innen die Weiterführung des Experiments, Sebastian Vogel und Elisabeth Schoch, beide FDP, fordern eine Strategie zur Kooperation mit privaten Anbietern. Der Stadtrat hat bis Ende Dezember 2022 Zeit, darüber zu verhandeln.
Wer nicht so lange warten und schon mal mit der Kunststoffsammlung anfangen möchte, der hat bereits jetzt die Möglichkeit, auf private Entsorgungs- und Verwertungsunternehmen zurückzugreifen. Gegen Gebühr holen diese den Wertstoffabfall vor der Haustüre ab.

1 Kommentare


Werner Schlumpf

3. Dezember 2021  —  09:31 Uhr

Was in Ihrem Artikel nicht erwähnt ist was mit dem eingesammelten Kunststoff dann geschieht. Da es sich um verschiedene Kunstoffarten handelt, ist eine Reziklierung sehr kompliziert. Deshalb wäre eine Verbrennung und Nutzung der Energie in der Fernwärme vielleicht die bessere Lösung.

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