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Höngger Fauna 1 Kommentar

Russische Bären in Höngg

7. Oktober 2020 von

Der Russische Bär saugt gerne Nektar vom Wasserdost.
Foto: Dr. Hans-Peter B. Stutz

Der Russische Bär saugt gerne Nektar vom Wasserdost.

Von

Online seit
7. Oktober 2020

Printausgabe vom
01. Oktober 2020
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Eine kleine, grell orange-rote Flamme flackert unstet durch die Luft, landet an einem Busch und verschwindet vor unseren Augen. Ob die russischen Soldaten das Spektakel dieses Schmetterlings namens Russischer Bär bereits vor 220 Jahren in Höngg beobachtet haben?

Tatsächlich waren 1799 russische Soldaten in Höngg stationiert (Ortsgeschichte Höngg von Georg Sibler). Als Vertreter einer Koalition verschiedener Staaten bekämpften sie vergeblich die Franzosen. Noch heute erinnert das «Russenbrünneli» des Verschönerungsvereins Höngg im Wald daran. Obwohl er wahrscheinlich schon damals bei uns vorkam und sein Verbreitungsgebiet bis nach Russland reicht, hat der Russische Bär nichts mit all dem zu tun. Trotzdem ist der Schmetterling sehr bemerkenswert. Als Nachtfalter ist er, wie das Taubenschwänzchen (Höngger vom 27. Juni 2018), auch tagsüber unterwegs. Gegen Fressfeinde haben Bärenspinner – zu dieser Nachtfalter-Unterfamilie gehört der Russische Bär – Cyanide als Frassschutz im Körper. Davor warnt der Russische Bär die Vögel mit seiner leuchtend orange-roten, schwarz und weissen Warntracht. So auffällig rot wie er im Flug flackert, so plötzlich verschwindet er, sobald er landet und seine Vorderflügel über die orangen Hinterflügel schiebt. Jetzt lösen die hellen, V-förmigen Streifen auf schwarzem Grund die Konturen des Tieres im Geäst optisch auf. Die Warntracht des Russischen Bären wird so zur Tarntracht. Doch fliegt er in der Dämmerung umher, nützt ihm seine bunte Warntracht wenig, denn dann sind Fledermäuse hinter ihm her und die sehen nur schwarz-weiss. Mit ihrem perfekten Ultraschallorientierungssystem haben sie den herumfliegenden Falter mit seinen 5cm Flügelspannweite schnell einmal entdeckt. Da hilft nur noch eines: die Fledermäuse müssen akustisch gewarnt werden. Dazu haben Bärenspinner im hinteren Brustbereich sogenannte Typanalorgane. Solche haben zwar viele Insekten, um damit Schallwellen zu empfangen, also um zu hören. Bärenspinner jedoch können die feinen Strukturen dieser Organe durch schnelle Muskelkontraktionen bewegen und damit Ultraschalltöne erzeugen. So teilen sie den Fledermäusen mit: «Achtung, ich bin unbekömmlich, vielleicht gar giftig!». Die faszinierenden fliegenden Bären können wir erst im Juli nächsten Jahres wieder bewundern. Jetzt im Herbst sind ihre Raupen unterwegs. Diese überwintern und verpuppen sich dann im Juni. Ihren Raupen verdanken die Bärenspinner übrigens ihren Namen. Diese sind stark behaart, eben wie ein Bär, und können Gespinste spinnen, beides zum Schutz vor Fressfeinden. Bärenspinner sind also nicht etwa Bären, die «spinnen».

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Kommentare

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500
30. September 2020 um 18:22 Uhr von Dietzsch Gabriela

oh das ist ja ein wundervoller falter! wasserdost habe ich auf meinem ostbalkon stehen. bin mal gespannt, ob sich dieser falter hierhin verirrt!