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Höngger Fauna

Rotpelzchen

20. Mai 2019 von

In der dichten Bodenvegetation verlaufen die Pfade der Rötelmaus oberirdisch.
Foto: Dr. Hans-Peter B. Stutz

In der dichten Bodenvegetation verlaufen die Pfade der Rötelmaus oberirdisch.

Von

Online seit
20. Mai 2019

Printausgabe vom
30. Mai 2019
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«Fuchs» werden wohl die meisten antworten, wenn ein rötliches Höngger Säugetier gefragt ist. Doch neben dem Rotfuchs gibt es im Wald ein zweites rotes Säugetier, nur ist dieses ganz klein – ein Rotpelzchen eben.

Aus einem Asthaufen schiesst plötzlich ein Fellbündel hervor, um gleich wieder darin zu verschwinden. Das rotbraune Rückenfell verrät die Rötelmaus eindeutig. Keine andere Maus kann man so auf die Schnelle identifizieren. Doch wie alle Mäuse ist auch sie sehr scheu, denn ihre Feinde sind zahlreich. Bei uns zählen Fuchs, Hermelin, Marder, Katze, Waldkauz, Schleiereule, Falke, Habicht, Sperber und auch Graureiher dazu. Trotzdem kann man Rötelmäuse beobachten, denn sie verhalten sich nicht wie typische Wühlmäuse, zu denen sie gehören. So lebt etwa die Schermaus, die «klassische» Wühlmaus, in selbstgegrabenen unterirdischen Gängen, und alles was wir je von ihr zu sehen bekommen, sind ihre herausgescharrten Erdhaufen. In Anpassung ans Leben in der Erde drinnen haben Schermäuse im Fell versteckte kleine Ohrmuscheln, kleine Augen und einen sehr kurzen Schwanz. Die Rötelmaus hingegen gräbt zwar auch Gänge, doch sind diese meist nur knapp unter der Erdoberfläche. Im Schutz der Krautschicht, in Asthaufen und unter Baumwurzeln legt sie sogar oberirdische Pfade an. Dass die Rötelmaus nicht hauptsächlich unterirdisch lebt, sieht man ihr auch an. Ihre Ohren ragen deutlich aus dem Fell, die Augen sind grösser und der Schwanz ist länger. Hinzu kommt, dass ihre Backenzähne Wurzeln haben und deshalb nicht wie bei den anderen Wühlmäusen zeitlebens nachwachsen können. Aber das interessiert wohl eher die Fachwelt. Wer sich einfach im Beobachten von Rötelmäusen üben möchte, setzt sich am besten unterhalb der ersten Holzbrücke beim Holderbach ans rechte Bachufer. Am gegenüberliegenden, steil abfallenden Ufer hat es Mauslöcher, die miteinander durch eigentliche «Rennbahnen» verbunden sind. Mit etwas Geduld sieht man plötzlich eine Rötelmaus von einem Loch ins andere flitzen. Verhält man sich «mäuschenstill», bleibt vielleicht sogar eine auf der Rennbahn sitzen, putzt sich oder frisst einen kleinen Snack. Auf ihrem Speisezettel stehen Kräuter, Gräser, Samen, Nüsse, aber auch Pilze und Wirbellose. Und hat man das Glück, auf einen Blick mehrere Mäuse zu sehen, dann könnten dies Männchen oder Jungtiere sein. Die sexuell aktiven Weibchen sind nämlich während der Fortpflanzungszeit territorial und beanspruchen einen Lebensraum für sich alleine. Erst im Winter finden sich Myodes glareolus beiderlei Geschlechts und unterschiedlichen Alters im gleichen Gebiet. So oder so: Viel Erfolg auf der Rotpelzchen-Pirsch!

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