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Rosengarten Flashback

27. April 2020 von

Béla Brenn, Praktikant beim "Höngger"
Foto: Bernhard Gravenkamp

Béla Brenn, Praktikant beim "Höngger"

Von

Online seit
27. April 2020

Printausgabe vom
30. April 2020
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Die Coronakrise dominiert die Welt und andere Themen finden kaum noch Platz in unseren Köpfen. Mitte Februar, kurz vor der Eskalation der Krise, hatte ich bereits eine Kolumne zum Abstimmungsergebnis des Rosengartentunnels vorbereitet, jedoch aufgrund der rasanten Corona-Entwicklung verworfen.

Das Thema meiner damals nicht veröffentlichten Rosengartenkolumne ist immer noch aktuell. Man muss und darf sich zwischendurch auch mit anderen Gedanken als dem Virus befassen. Deshalb will ich nun darauf zurückkommen. Die folgenden Abschnitte habe ich vor zwei Monaten geschrieben und bis auf ein paar kleine Anpassungen an die aktuellen Umstände unverändert gelassen.

Die Würfel sind gefallen. Der Rosengartentunnel wird nicht gebaut. Grosser Jubel bei den Gegnern des Projekts, Frustration bei den Befürwortern. Doch die grosse, noch immer aktuelle Frage bleibt im Raum. Was jetzt?
Bereits bei der Eröffnung der Westtangente 1973 war die Strasse vielen ein Dorn im Auge. Ursprünglich als Provisorium geplant, hat sich der Strassenmoloch als fester Bestandteil des Kreis 10 etabliert. Eine endlose Blechschneise im Herzen von Wipkingen. Mir persönlich war nach der Abstimmung nicht nach Jubeln zumute. Was wurde gefeiert, frage ich mich. Feiern sollte man, wenn man eine von allen Seiten tragbare Lösung für ein Problem gefunden hat. Hier aber wurde die Erhaltung eines Status quo gefeiert, der weder für Gegner*innen noch Befürworter*innen wünschenswert ist.
Und die Blechlawine rollt weiter – wenn auch gemässigt zurzeit durch die vielen Menschen, welche im Homeoffice bleiben.

Die Suche nach Alternativlösungen hat unmittelbar anschliessend an das Nein zum Tunnel begonnen. Fakt ist: Das Projekt war definitiv keine tragbare Lösung. Zu gross, zu stark auf die Bedürfnisse der Autofahrer angepasst und zu teuer. Neue Lösungsansätze zielen stärker auf Schadensbegrenzung ab. Es wird über Tempo 30 gesprochen, über Schallschutzmauern, mehr Lichtsignale und zusätzliche Velospuren. Eigentlich scheint mir das sehr vernünftig. Doch wenn ich die Rosengartenstrasse heute betrachte, kann ich mir kaum eine Velospur darauf vorstellen. Ich kann mir mittlerweile auch kaum noch vorstellen, dass es überhaupt irgendwann zu einer Einigung kommen wird. Die Kompromissbereitschaft ist in beiden Lagern zu klein und der Blechstrom auf der Rosengartenstrasse zu gross.
Für eine Lösung, die alle zufrieden stellen wird, sind die Aussichten düster. Und jetzt sorgt auch noch das Coronavirus dafür, dass alle politischen Debatten eingefroren sind. So stehen nun nach dem heftigen Abstimmungskampf wieder alle am gleichen Punkt. Und auch die wenigen Autos, die zurzeit auf der Rosengartenstrasse rauf- und runterfahren, scheinen wenig beeindruckt von der ganzen Debatte. Es bleibt zu hoffen, dass eines Tages eine Lösung gefunden wird. Zurzeit scheint jedoch sogar eine Lösung für das Coronaproblem weit wahrscheinlicher und greifbarer als eine Lösung für den ewigen Streit um die Rosengartenstrasse.

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27. April 2020

Printausgabe vom
30. April 2020
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