Regisseur Roman Vital brachte «Herbstfeuer» nach Höngg

Ein legendäres Grandhotel, ein verheerender Brand und eine Wahrheit, die sich auch Jahrzehnte später nicht eindeutig greifen lässt: Mit seinem Dokumentarfilm «Herbstfeuer» widmet sich der in Höngg wohnhafte Regisseur Roman Vital einem mysteriösen Brandfall.

Regisseur Roman Vital in seinem Pop-up-Kino in Höngg. (Foto: jao)

«Wenn die Leute nicht ins Kino können, muss halt das Kino zu ihnen», sagt Roman Vital. Tatsächlich begrüsst der Regisseur die Gäste im reformierten Kirchgemeindehaus Höngg mit seinem Pop-up-Kino persönlich. Er zeigt dort seinen Dokumentarfilm «Herbstfeuer». Für Vital selbst ist es etwas Besonderes, sein Werk nun auch im eigenen Quartier zeigen zu können. «Ich fand es so schön, dass Nachbarn kommen. Durch das Flyer-Verteilen in die Briefkästen erlebte ich das Quartier wieder von einer neuen Seite.»

Im Zentrum von «Herbstfeuer» steht der Brand des traditionsreichen Grandhotels Waldhaus Vulpera im Unterengadin im Jahr 1989. Das imposante Gebäude im Stil der Neorenaissance galt einst als Treffpunkt der internationalen Elite: Bundesräte, Schriftsteller, reiche Geschäftsleute und indische Prinzessinnen logierten dort. Der Brand verursachte einen Schaden von rund 30 Millionen Franken – die Ursache blieb ungeklärt.

Herbstfeuer – Ein Film von Roman Vital

Im Film begleitet Vital den damaligen Hoteldirektor Rolf Zollinger, der bis heute nicht von den Ereignissen loskommt. Jahrzehnte später rollt Zollinger gemeinsam mit einem pensionierten Ermittler den Fall nochmals auf. Er hatte die Hoffnung, endlich Antworten zu finden. Vital interessierte weniger der Kriminalfall selbst als die psychologische Dimension. «Es geht im Film um das Loslassen und darum, dass wir nie die ganze Wahrheit sehen können», erklärt der Regisseur.

Persönliche Verbindung

Der Film ist für Vital ein sehr persönliches Projekt. Der damalige Hoteldirektor Rolf Zollinger ist sein Götti. Lange hatte er kaum Kontakt zu ihm. Erst ein intensives Gespräch vor einigen Jahren änderte das. «Er erzählte mir die ganze Geschichte des Brandes in dreieinhalb Stunden», erinnert sich Vital. «Da wurde mir bewusst, dass seine Geschichte etwas Universelles hat.»

Die Recherchen begannen bereits vor fünf Jahren. Vital führte zahlreiche Gespräche, sichtete Archivmaterial und traf die beteiligten Personen mehrfach. Besonders wichtig war ihm dabei, verschiedene Perspektiven einzubeziehen. «Wenn wir nur eine Perspektive haben, hängt man in einer Welt fest, in der man sich eine einseitige Geschichte konstruiert.»

Der Film lebt stark vom Gegensatz seiner Hauptfiguren: «Ich habe einen emotionalen Hoteldirektor und einen faktenbasierten Kommissar. Das gibt per se schon eine gute Konstellation», sagt Vital. Immer wieder stellt der Film die Frage, wie Menschen mit Schicksalsschlägen umgehen und wie weit Wahrheit überhaupt eindeutig feststellbar ist. Dabei sei das Thema universell. «Der Film hat viele Andockpunkte zum eigenen Leben und löst Erinnerungen aus», sagt Vital. Gerade deshalb seien die Reaktionen des Publikums sehr unterschiedlich.

Bewegende Reaktionen

Viele Filmfans, die das Pop-up-Kino besuchten, verbanden persönliche Erinnerungen mit dem Hotel oder der Region. Heidi Bader aus Dielsdorf kam aus emotionalen Gründen an die Vorstellung. Ihr Mann war früher Wanderleiter im Hotel und die beiden wohnten damals oft selbst im «Vulpera». «Der Film war tiefgründig und gut», meint sie nach dem Film. Das offene Ende beschäftige sie aber noch.

Auch Ines Bernasconi aus Uetikon-Waldegg erinnert sich an Ferien als Kind im «Vulpera»: «Bis zum Brand waren meine Eltern jedes Jahr dort. Wir sind alle Wege abgewandert.» Besonders geblieben seien ihr das grosse 1.-August-Buffet und das Feuerwerk. «Mir gefiel die Geschichte von Zollinger und zu sehen, dass es ihm heute gut geht. Ich hätte mir aber gewünscht, dass im Film noch mehr zur Brandursache herauskommt.» Gabrielle Guckelberger aus Höngg sieht die Länge des Films ambivalent: «Gewisse Szenen waren etwas lang. Aber das war wohl nötig, um Details auszubeineln.» Als Engadin-Fan habe sie den Film dennoch sehr spannend gefunden.

Im reformierten Kirchgemeindehaus Höngg zeigte Roman Vital vier Vorstellungen seines Filmes. (Foto: jao)

Neben dem Film selbst stiess auch das kleine Quartierkino von Vital auf viel Sympathie. Esther Hiltebrand und Margrit Castelmur schätzen das unkomplizierte Angebot in Höngg. «Das ist ganz herzig so. Es braucht eigentlich gar keinen grosser Saal dafür», sagt Castelmur. Und Hiltebrand ergänzt: «Es ist toll, dass wir nicht extra in die Stadt müssen.» Genau darum geht es Vital mit seinem Pop-up-Kino-Konzept: Filme dorthin zu bringen, wo klassische Kinos verschwunden sind oder kaum mehr stattfinden.

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