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Leitartikel

«Rap’n’Burger»

24. Februar 2020 von

Immer auf der Suche nach dem neusten Stoff aus der HipHop-Welt.
Foto: Dominique Jenny

Immer auf der Suche nach dem neusten Stoff aus der HipHop-Welt.

Foto: Dominique Jenny

RapNose und J.Burger bei einer Live-Aufzeichnung ihres Podcasts.

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Online seit
24. Februar 2020

Printausgabe vom
12. März 2020
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Das Duo «Rap’n’Burger» liefert mit seinem Podcast und seinen Playlists jeden Sonntag den neusten Stoff aus der HipHop-Welt. Wie HipHop selbst, geht auch der Podcast weit über die reine Musik hinaus. Der «Höngger» hat die beiden getroffen und über HipHop, Höngg und die Welt gesprochen.

Vor genau einem Jahr haben J.Burger aka Johanna Burger und RapNose aka Steve Hiestand ihren HipHop-Podcast «Rap’n’Burger» ins Leben gerufen. Kennengelernt haben sich die beiden – wo auch sonst – an einem HipHop-Openair. J.Burger wusste schon damals, dass sie einen eigenen Podcast haben wollte. Mit Steve Hiestand, der als Rapper RapNose selbst ein Teil der Szene und Mitglied der Radiosendung «Artcore Radio» bei «Jam On Radio» ist, hat sie den perfekten Partner für das Projekt gefunden. Abgesehen von den gemeinsamen Live-Aufzeichnungen nehmen die beiden ihren Podcast via Telefongespräch auf und befinden sich nur selten am selben Ort.

Über Höngg und Frauen im HipHop

J.Burger lebt seit vier Jahren in Höngg. Dort fühlt sie sich sehr wohl. «Höngg hat alles, was man braucht», sagt sie. «Eine wunderbare Aussicht, ein Wald zum Joggen, die Limmat zum Schwimmen. Ausserdem hat das Quartier die perfekte Mischung aus städtischem und ländlichem Charakter. Einzig das Angebot an guten Cafés und Bars hätte noch ein bisschen Luft nach oben.»
J.Burger ist eine energetische und motivierte Person. Auch RapNose hat ihren Tatendrang von Beginn an gespürt: «Johanna ist eine Macherin», sagt der Rapper. «Sie zögert nicht und nimmt Projekte sofort in die Hand. Als sie mich bezüglich des Podcasts anfragte, habe ich sofort gemerkt, dass sie es ernst meint.»
In der HipHop-Szene gäbe es zu wenig Frauen, sowohl hinter, als auch vor den Kulissen, meint J.Burger. Auch deshalb wuchs in ihr der Wunsch nach einem eigenen Podcast: «Anstatt darauf zu warten, dass sich etwas ändert, wollte ich lieber selbst meinen Teil dazu beitragen», meint die engagierte J.Burger.

Wie ein altes Ehepaar

Obwohl sich das Duo erst seit etwas mehr als einem Jahr kennt, harmonierte es von Beginn an perfekt. Die Assoziation, dass die beiden ein Paar sind, ist naheliegend. «Wir sind ein Mann und eine Frau und arbeiten sehr eng als Team. Wenn man uns dann gemeinsam auf Bildern sieht, denken natürlich viele Leute, dass wir zusammen sind», meint RapNose. «Wenn man uns in den Podcasts zuhört, klingt es manchmal schon wie bei einem alten, zankenden Ehepaar. Es wäre aber auch langweilig, wenn wir immer der gleichen Meinung wären», ergänzt J.Burger. Trotz der Harmonie, die auch im Gespräch mit den beiden schnell ersichtlich wird, sind die beiden aber kein Paar.

Leidenschaft vor Gewinnstreben

Der Podcast ist für beide ein Hobby. Geld verdienen sie damit nicht, höchstens bei Einladungen zu Live-Aufzeichnungen. Dies deckt aber höchstens, wenn überhaupt, die Kosten der Produktion, ohne den Arbeitsaufwand. Natürlich ist ein Podcast mit Arbeit verbunden. Weil die Gespräche aber nicht minutiös mit einem Skript geplant sind und auch aus dem natürlichen Redefluss entstehen, relativiert RapNose den benötigten Aufwand: «Wir konsumieren beide extrem viel HipHop und wollen auch darüber sprechen. Unser Podcast ist also auch ein Kanal auf dem wir unsere Meinung teilen und uns über den neusten Content austauschen können.» Es sei schön, wenn sie ihre Community erreichen und erweitern könnten und die Leute auch mitdiskutieren. Natürlich wäre es auch nicht schlecht, etwas Geld damit zu verdienen. Dies habe für sie beide aber keine Priorität.

Mehr als «nur» HipHop

J.Burger, die einen journalistischen und politikwissenschaftlichen Hintergrund hat, hat den Anspruch, mit ihrem Podcast auch gesellschaftlich relevante Themen ausserhalb der HipHop-Szene anzusprechen. So nehmen die beiden kein Blatt vor den Mund und thematisieren auch politische Themen wie Abstimmungen oder im letzten Sommer beispielsweise den Frauenstreik. Ihrer Meinung nach geht das Hand in Hand mit einem HipHop-Podcast und ist kein Stilbruch: «HipHop ist mehr als nur Musik. Es ist eine Einstellung», sagt J.Burger. «Kein anderer Musikstil ist so stark geprägt von Gesellschaftskritik und politischen Themen. Es ist sozusagen ein Mikrokosmos, in dem mehr oder weniger alles enthalten ist.» Beide sagen offen ihre Meinung. Alles ist unzensiert und ungeschnitten. Teilweise, wie das so ist in einem Gespräch unter Freunden, kann der Humor recht dunkel werden. Das passt nicht allen. Wer die beiden kennt, weiss aber, wie die Sprüche einzuordnen sind.

Zukunftspläne

Die Ideen gehen den beiden nie aus, eher im Gegenteil: «In der Welt und im HipHop passiert jeden Tag so viel. Das Problem ist eher, dass wir zu viele Ideen haben und nicht alle in einem Podcast unterbringen können», meint J.Burger.
Ursprünglich war der Podcast für ein Jahr geplant. Nun sind sich aber beide einig, dass sie das Projekt fortsetzen wollen. Wie lange, wissen sie noch nicht. Eines ist aber klar: Wie auch immer es weiter geht, ein Leben ohne HipHop ist für beide undenkbar. «Rap’n’Burger» ist unzertrennlich damit verbunden und HipHop wird immer ein Teil von den beiden bleiben.

Zu hören auf den gängigen Podcast-Plattformen wie Spotify, Apple Podcasts, YouTube und neu jeden Sonntag um 20 Uhr auf «Jam On Radio» (alle Links im Linktree der Bio von @rapnburger auf Instagram)

 

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Printausgabe vom
12. März 2020
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