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Höngger Fauna

Raabeschwarzi Chräje – Corvus corone (mit e)

15. September 2020 von

Brüter verteidigen ihr Territorium.
Foto: Dr. Hans-Peter B. Stutz

Brüter verteidigen ihr Territorium.

Foto: Dr. Hans-Peter B. Stutz

Nichtbrüterschwärme sind sehr mobil.

Von

Online seit
15. September 2020

Printausgabe vom
17. September 2020
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«Kräh-kräh-kräh», ihr Ruf ist Programm, namensgebend und klingt nicht besonders melodiös. Auch ihre Imponierrufe, Warnschreie und Betteltöne sind kein besonderer Ohrenschmaus. Ein Singvogel ist sie trotzdem, die Krähe.

Höngger Krähen sind genau genommen Rabenkrähen, die rein schwarze Unterart der Aaskrähe. Die andere, die Nebelkrähe, ist grau und schwarz und kommt bei uns südlich der Alpen vor, wo sich die Verbreitungsgebiete überlappen und es sogar Mischformen gibt. Doch rabenschwarz ist unsere Rabenkrähe nun auch wieder nicht. Im Sonnenlicht kann sie durchaus bläulich schimmern. Blau ist eine Strukturfarbe und kommt durch speziell feine Federstrukturen zustande, welche nur ganz kurze Wellenlängen, die blauen, reflektieren. Farblich sind die Geschlechter gleich, die Weibchen sind lediglich etwas kleiner und schlanker. Wir können sie nicht unterscheiden, sie selber offenbar schon. Einmal gefunden, gehen sie eine monogame Ehe ein. Stirbt ein Brutpartner, wird er bald aus der Nachbarschaft ersetzt. Dort halten sich meist Nichtbrüterschwärme auf, hauptsächlich Jungvögel, zu denen sich aber auch erfolglose Erwachsene gesellen. Diese Schwärme sind nicht beliebt in der Landwirtschaft, da die Allesfresser Schäden an den Kulturen anrichten können. Da sind Brutpaare schon eher geduldet, denn sie verteidigen ihr Brutgebiet und vertreiben nicht nur jeden Raubvogel, sondern auch die Artgenossen. Hinzu kommt, dass sie viele Mäuse und Schnecken für ihre Jungen erbeuten. Bei der Jungenaufzucht handeln sie nicht immer ganz uneigennützig. So beobachtete ich eine Krähe, die auf dem Hausdach ein Amseljunges zerlegte. Sie rupfte vorsichtig die Brustfedern, trennte die zarten Filets heraus und verschlang diese genüsslich. Den befiederten Rest samt Knochen legte sie schnabelgerecht zusammen und flog davon, um damit ihre Jungen – so ganz nach «Raabeneltere»-Manier – zu stopfen. Sobald jetzt dann die Baumnüsse reif sind, zeigen Krähen wahren Einfallsreichtum. Anstatt die Schalen mühsam mit dem Schnabel aufzuhacken, lassen sie die Nüsse von Strassenlampenpfosten und Hausdächern auf den Asphalt knallen, bis sie aufspringen. Oder sie werfen sie auf die Strasse und benutzen vorbeifahrende Autos als Nussknacker. Krähen gehören zu den intelligentesten Vögeln und ihre Hirnleistung kann es mit derjenigen von Affen aufnehmen. Sie lernen enorm schnell und können komplexe Handlungen planen. Sie unterscheiden nicht nur die Gesichter von Artgenossen, sondern auch von Menschen. Ob sie uns allerdings an unseren Krähenfüssen, den Lachfalten im Augenwinkel, erkennen, sei dahingestellt.

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15. September 2020

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17. September 2020
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