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Höngger Fauna

Nichts als Fuchsgeschwätz

14. Januar 2019 von

Von

Online seit
14. Januar 2019

Printausgabe vom
24. Januar 2019
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Jetzt in den langen Januarnächten hört man es wieder, dieses helle und raue Gebell. Es klingt herzzerreissend und man könnte meinen, es seien die Hilferufe eines verirrten Hundes. Dabei sind es leidenschaftliche Rufe von Füchsen während der Paarungszeit.

Füchse gehen auf leisen Sohlen und stützen als Zehengänger nur mit ihren Zehen am Boden ab. Wir hören kaum etwas, wenn ein Fuchs an uns vorbeihuscht. Trotzdem sind die Vierbeiner lautstarke Tiere. Nicht weniger als 30 verschiedene Lautäusserungen sind von ihnen bekannt. So beispielsweise eben das Bellen in der Paarungszeit oder ein langgezogener Ruf, mit dem sie ihre Jungen vor Gefahr warnen und sie dazu auffordern, sich im Bau zu verstecken. Nicht schlecht staunten wir über die Video-Clips, die unsere Infrarot-Nachtsichtkamera im Garten aufgenommen hatte. Da labten sich zwei Füchse deutlich hörbar genüsslich schmatzend an überreifen Birnen, die wir liegen gelassen hatten. Ein Früchtefresser mit Raubtiergebiss? Mit ihren langen Eckzähnen, den Fangzähnen, können Füchse bestens Beutetiere packen. Der vierte Vorbackenzahn im Oberkiefer und der erste Backenzahn im Unterkiefer sind vergrössert. Diese Reisszähne sind zum Zerbrechen von Knochen und zum Zerschneiden von Fleischstücken da. Wie der Video-Clip zeigte, können damit jedoch auch bestens Birnen aufgebissen werden. Nachdem dies der eine Fuchs getan hatte, setzte er sich schnell hin, richtete den Oberkörper auf und streckte die Schnauze in die Höhe, damit der süsse Birnensaft in den Schlund rinnen konnte. Ein echter Gourmet! Tatsächlich machen Fallobst und Beeren knapp einen Viertel der Nahrung eines Stadtfuchses aus. Hinzu kommen Rüstabfälle, Speisereste, Vogelfutter und Hunde- und Katzenfutter aus draussen aufgestellten Näpfen. Somit stammt mehr als die Hälfte der Nahrung eines Stadtfuchses direkt oder indirekt vom Menschen. Selbstverständlich stehen auch Nagetiere und andere Säugetiere, Vögel und gerne auch Regenwürmer auf dem Speisezettel.
Dass sich bei uns gerade zwei Füchse zum Birnenschmaus eingefunden hatten, ist nicht weiter erstaunlich, denn unsere Stadtfüchse leben gerne in Familiengruppen. Vielleicht hatte der zuerst anwesende Fuchs gekeckert, um den Neuankömmling zu vertreiben. Vielleicht hatte dieser gegurrt, um Zutritt zum Fressplatz zu erbetteln. Beides wurde leider von der Kamera nicht festgehalten. Trotzdem ist eines sicher: Füchse sind kommunikationsfreudig. Und wenn Sie das nun alles irgendwie an Ihren Hund erinnert, dann liegen Sie gar nicht falsch. Vulpes vulpes zählt nämlich in der zoologischen Systematik zur Familie der Hunde. 

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