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Dossier Apotheken

Neue Entscheidungshilfen in der Apotheke

25. Februar 2020 von

Ein kleiner Tropfen Blut genügt für den CRP Test in der Apotheke.
Foto: Patricia Senn

Ein kleiner Tropfen Blut genügt für den CRP Test in der Apotheke.

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25. Februar 2020

Printausgabe vom
27. Februar 2020
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Seit etwas mehr als einem Jahr bietet die Limmat Apotheke neue Serviceleistungen an. So können neben Blutzuckertest und Blasenentzündungscheck zum Beispiel auch die Entzündungswerte geprüft werden.

Bereits seit längerer Zeit bietet die Limmat Apotheke in der Wartau eine Impfberatung und einen Impfservice an. Seit Anfang letzten Jahres hat die Apotheke, die mittlerweile auch durch die Drogerieabteilung der ehemaligen Apotheke und Drogerie Hönggermarkt erweitert wurde, ihre Serviceleistungen um einige Angebote erweitert. So führt sie beispielsweise einen Allergie-Check durch, anhand dessen zehn häufige Allergene getestet werden können. Bei Verdacht auf eine Blasenentzündung kann aufgrund einer Checkliste eruiert werden, ob eine ärztliche Konsultation empfohlen ist, oder ob der zuständige Apotheker, in diesem Fall Dr. Moritz Jüttner, nach einem Urintest ein Antibiotikum verschreiben kann. Noch befindet sich das Beratungszimmer im hinteren Bereich der Limmat Apotheke im Umbruch, aber schon im Frühjahr sollen hier zwei Räume für die Konsultation mit Patienten zur Verfügung stehen. Wenn jemand schon eine längere Leidensgeschichte habe oder die Schmerzen gerade schlimmer geworden seien, könne man anhand solcher Abklärungen präziser entscheiden, ob für den Kundenin der Apotheke ein Therapieplan erstellt werden kann oder ob er sofort in den Notfall oder zum Hausarzt überwiesen werden muss, sagt Apotheker Jüttner im Gespräch.

Rote Flaggen = sofort zum Arzt

Für jeden Check existiert ein sogenannter Beratungsleitfaden, der auf Algorithmen basiert, die von Ärzten validiert wurden. Es gibt Ausschlusskriterien oder «Red Flags», die einen Test von vorneherein unnötig machen. Klagt beispielsweise ein Mann über schmerzhaftes Wasserlösen und Schmerzen in der Nieren- und Beckengegend, schickt Jüttner ihn gleich zum Arzt: «Blasenentzündungen sind bei Männern eher selten. Eine Überweisung an den Arzt für weiterführende Untersuchungen ist dadurch zwingend», sagt er. Beliebt ist die Überprüfung des Langzeitblutzuckers. Kunden, welche über typische Symptome für Diabetes wie häufiges Wasserlassen und ständigen Durst klagen, können so einfach eine Früherkennung von Diabetes durchführen um Folgeschäden zu verhinden. Bereits an Diabetes erkrankte Personen können mit der Messung ihrer Werte feststellen, ob ihre Therapie wirksam ist. Etwas komplexer ist die sogenannte CRP-Messung. Der CRP-Wert (Wert des C-reaktiven Proteins) gibt Auskunft darüber, ob eine Entzündung oder ein Infekt vorhanden ist und hilft bei der Unterscheidung zwischen bakteriellem oder viralem Auslöser. Geringe Aussage machen kann der Test aber zur genauen Ursache der Erkrankung. Jüttner zückt eine eingeschweisste Cartouche, die eine Art «Mini-Labor» enthält und nimmt eine geheftete Checkliste aus einem Ordner. «Dieser Beratungsleitfaden ist komplexer als bei den anderen Checks», sagt er.

Unterscheidung viraler und bakterieller Infekt

Je nachdem, welche Organe betroffen sind, spricht man zum Beispiel von Erkrankungen der oberen oder unteren Atemwege. Eine klassische Erkältung mit laufender Nase, leichten Schluck- und Halsschmerzen gehört zum Beispiel zu den oberen Atemwegen, während starker, länger andauernder Husten die unteren Atemwege betrifft. Nach dieser Vorabklärung geht der Apotheker nun Schritt für Schritt die Anamnese, also die Krankengeschichte des Patienten oder der Patientin durch und achtet auch hier stets auf die roten Flaggen. Hat jemand beispielsweise die erwähnten Erkältungssymptome, dazu aber starke Kopf- oder Ohrenschmerzen, die auch schon länger andauern, ist ein Arztbesuch angezeigt. Wurden alle Fragen durchgearbeitet und keine Ausschlusskriterien entdeckt, kann schliesslich der CRP-Bluttest gemacht werden. Dazu wird mit einer winzigen Nadel ein Stich in den Finger gemacht, und die Kanüle des «Mini-Labors» saugt den kleinen Tropfen Blut auf. Dann rattert das Gerät mit einem Geräusch, das wie eine Mischung aus Scanner und R2-D2 klingt, und wenig später ist der CRP Wert ermittelt. «Ist der Wert sehr hoch, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine bakterielle Erkrankung vor», erklärt Jüttner. «Dann schicken wir die Leute direkt zum Arzt». Früher war eine solche Diagnose schwieriger, man konnte nicht wissen, ob es sich um eine bakterielle Entzündung oder um einen Virus handelt, der nicht mit Antibiotika behandelbar ist. Trifft letzteres zu, kann eigentlich nur abgewartet werden, da hilft auch der Arzt nicht weiter, selbst wenn dieser natürlich noch andere Möglichkeiten der Abklärung habe. Dann schickt man den Patienten lieber nach Hause als ins Wartezimmer. Die Beratung kostet natürlich mehr Zeit, eine CRP-Messung kostet in der Limmat Apotheke 20 Franken pauschal und dauert 10 bis 15 Minuten. Bei gewissen Erkrankungen wie Sinuitis, Mittelohrentzündung oder Pharyngitis liegt es auch in der Kompetenz der Apotheker*innen, die entsprechenden Medikamente abzugeben. Wird der oder die Patient*in nach einem CRP-Test mit Medikamenten nach Hause geschickt, ruft der Apotheker der Limmat Apotheke nach zwei Tagen an, um nachzufragen, ob und wie der gesundheitliche Zustand sich verändert hat. Sind die Beschwerden noch immer nicht besser geworden, wird allenfalls ein zweiter Test durchgeführt oder gleich ein Arztbesuch empfohlen. Jüttner sieht diese Tests als klaren Mehrwert, den die Apotheken ihren Kund*innen bieten könnten. Besonders in der Grippe- und Erkältungsphase der kalten Monate würden diese Serviceleistung immer häufiger genutzt.

Ein bislang wenig bekannter und deshalb selten genutzter Service der Apotheken ist der sogenannte Blisterservice: Patient*innen, die täglich zahlreiche Medikamente einnehmen müssen, erhalten Hilfe beim Einteilen der Pillen in Wochentage und Tageszeiten. «Gerade ältere Menschen mit vielen verschiedenen Medikamenten tun sich schwer damit, die Tabletten in der richtigen Dosierung zu sich zu nehmen, obwohl dies sehr wichtig wäre», meint Jüttner. Der Blisterservice kann von der Ärztin verschrieben werden und wird von der Krankenkasse vergütet. Dabei werden den Kund*innen von der Apotheke wöchentlich die Medikamente hygienisch verpackt in Beuteln übergeben. Jeder Beutel ist mit dem Inhalt und Einnahmezeitpunkt beschriftet. Tatsächlich beanspruchen aber nur die wenigsten diesen einfachen Service.

Diese Serie wird finanziell durch die drei Höngger Rotpunkt Apotheken und Drogerien unterstützt.
Alle Artikel online unter www.hoengger.ch/archiv/dossiers/ «Apotheken»

 

 

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27. Februar 2020
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