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Neue Ausstellung beim «Höngger»

13. Mai 2019 von

Der Künstler Peter Ruggle stellt seine Bilder beim «Höngger» aus.
Foto: Patricia Senn

Der Künstler Peter Ruggle stellt seine Bilder beim «Höngger» aus.

Foto: Patricia Senn

Auch die Musik zählt zu Ruggle's Leidenschaften.

Von

Online seit
13. Mai 2019

Printausgabe vom
16. Mai 2019
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Peter Ruggle malt das alte Höngg im Lichte der verschiedenen Kunstepochen des 20. Jahrhunderts. Ab 21. Mai ist seine Bilderzeitreise «Höngger Bilder» beim «Höngger» zu sehen.

Das Bild leuchtet von Weitem. Es zeigt das alte Höngger Gesellenhaus am Meierhofplatz mit dem Restaurant Rebstock und der Metzgerei mit angrenzendem Schlachthaus, wie es anno 1950 einmal ausgesehen haben muss. Es ist Nacht oder Abend, denn aus den Fenstern und Türen scheint warmes Licht. Vor dem Gebäude hat sich eine grosse Pfütze gebildet und darin spiegelt sich die Zukunft: Die Fassade der Apotheke und des Kiosks, wie man sie heute am Meierhofplatz findet. Das alte Gebäude wurde 1959 abgerissen, just in dem Jahr, als der Urheber des Bildes geboren wurde: Peter Ruggle. Das «Rebstockbild – Die Geburt und der Tod» bildet das Ende seiner «Höngger Bilder»-Serie, welche ab dem 21. Mai im Rahmen von «Kunst beim Höngger» in den Redaktionsräumen des «Hönggers» zu sehen sein wird.

Hommage an die Kunst und an Höngg

Am 22. Mai 1979, pünktlich zu seinem 20. Geburtstag, durfte Peter Ruggle sein erstes Atelier im Dorfkern von Höngg beziehen. Damals hatte sich in den rund 22 alten Häusern ein Künstlerviertel etabliert. Musiker*innen, Maler*innen, Bildhauer*innen, sie alle konnten hier dank günstigem Wohnraum ihrem Werk nachgehen. Im Zuge der Festlegung der ersten Kernzone des Kantons Zürich wurden die Gebäude 1986 abgerissen, die Künstlerkommune verschwand. Die Geschichte und bauliche Entwicklung des Quartierzentrums begann Ruggle vermehrt zu interessieren, so dass er beschloss, das alte Höngg in den unterschiedlichen Stilrichtungen des 20. Jahrhunderts zu malen. Entstanden sind expressionistische, impressionistische, kubistische und naturrealistische Bilder mit Szenen aus dem «Dorf». Darin verarbeitete Ruggle, der mittlerweile in ein Atelier auf der Werdinsel gezogen ist, auch seine Erinnerungen an diese Zeit. In fast allen Bildern finden sich surrealistische Elemente. «Der Geist und die Fantasie lassen sich nicht einsperren. Diese Freiheit brauche ich und nehme ich mir».

Verstehen, was ist

Ruggle arbeitet akribisch. Der Autodidakt will verstehen, wie ein Bild funktioniert. Technisch, aber auch in der Wirkung. «Beim Betrachten eines Bildes wird etwas ausgelöst», meint er. Ob es einem gefällt oder nicht, es gibt immer eine Resonanz. Je nach Standort kann sich die Sichtweise verändern. «Das fasziniert mich, denn ich sehe es als Parallele zum Leben überhaupt», sagt Ruggle. Um besser zu werden, müsse er sich stets auch selber hinterfragen, sehen, was verändert werden muss, um weiterzukommen. Wenn es ihn packt, dann vertieft er sich völlig in sein Schaffen. «Es ist wie ein Rausch, aufgeben liegt nicht drin, auch wenn es immer Rückschläge gibt». Am Rebstock-Bild hat er 800 Stunden gearbeitet, Modelle gebaut, um den Lichteinfall richtig zu bestimmen, fotografiert und vieles ausprobiert, um die richtige Atmosphäre hinzukriegen. In seinen Bildern spiegeln sich die grossen Fragen, die Gedanken zur Welt und zum Menschsein, die den neugierigen Künstler auch im Leben umtreiben. Auf dem Bild «Zerfallende Erinnerung» zerbröckelt hinter dem davonfahrenden Tram die Strasse, «man kann nicht in die Vergangenheit zurück, es geht immer nur vorwärts, es bleibt einem eigentlich nur die Gegenwart», erklärt der Kunstmaler seine Idee.

Musik als Ausgleich

Was gibt es Gegenwärtigeres als die Musik? Sie ist Ruggles zweite Leidenschaft. In seinem Atelier gibt es unzählige Instrumente zu entdecken. Vor einem grossen Gong steht ein Monochord, ein Saiteninstrument, das aussieht wie eine Art Zither und unheimlich beruhigende Klänge produziert. Nicht zu übersehen ist die grosse «Perkussionsanlage», wobei der Name «Schlagzeug» nicht erfasst, welche Instrumente dort zu sehen sind: Indische Elefantenglöcklein in verschiedenen Grössen, etwas das aussieht wie der Panzer eines Gürteltiers, Guiro genannt, verschiedene Trommeln und Hi-hats. Auch das Musizieren hat sich Ruggle selber beigebracht. «Die Malerei ist manchmal ein einsames Handwerk», sagt Ruggle. «Das Musikmachen ist geselliger, manchmal veranstalten wir mit den anderen Musikern, die ebenfalls hier eingemietet sind, richtige Jam-Sessions». Mit der Vernissage am 21. Mai schliesst sich fast auf den Tag genau ein Kreis für Peter Ruggle: Vor 40 Jahren betrat er am 22. Mai sein erstes Atelier, und dieses Jahr feiert er an diesem Tag seinen 60. Geburtstag. Inzwischen ist er in der glücklichen Lage, als selbstständig erwerbender Allrounder und von seiner Kunst leben zu können.

«Eine Bilderzeitreise durch das alte Höngg»
Vernissage am Dienstag, 21. Mai, 17 bis 21 Uhr in Anwesenheit des Künstlers. Die Ausstellung des Höngger Künstlers Peter Ruggle dauert bis Mitte Oktober. Redaktionsräume des «Hönggers», Meierhofplatz 2, Montag bis Freitag, 9 bis 18 Uhr.

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500
21. Mai 2019 um 22:46 Uhr von Marie-Christine Schindler

Die Bilder sind wirklich sehr schön, man vermag lange davor verweilen. Ein Besuch in der Redaktion lohnt sich.