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Müller in der Zwickmühle

8. April 2019 von

Die Ärztin kniet am Boden und hilft Anna, die sich verschluckt hat.
Foto: Lina Gisler

Die Ärztin kniet am Boden und hilft Anna, die sich verschluckt hat.

Foto: zvg

Vreni Jenni überreicht die Spende.

Während der Vater und der Immobilienmakler über den Preis der Mühle diskutieren, werden sie von der alten Magd beobachtet.

Foto: Lina Gisler

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Online seit
8. April 2019

Printausgabe vom
11. April 2019
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Die Zürcher Freizeitbühne führte ihr neues Theater auf: Müller’s Mühli erzählt die Geschichte von zwei Städtern, denen es nicht wirklich gelingt, sich im Dorf zu integrieren.

Im reformierten Kirchgemeindehaus wurde der Saal mit langen Tischen und Stühlen ausgestattet, das Theater wurde zur «Theater-Beiz»: Es gab Getränke sowie diverse Kuchen und Gebäck, für den grösseren Hunger konnte man vor dem Theater auch Luigi’s Risotto ai Funghi kosten. Und bevor die letzten ihren Kuchen gegessen hatten, ging das Theater auch schon los. Vergeblich schauten die Zuschauer auf die Bühne, denn die Figur des Immobilienmaklers erschien aus dem Publikum. In dieser ersten Szene wurden sogar vereinzelte Mitglieder im Publikum erwähnt. Diese Leute gehen wirklich lieber in ein Theater, als die alte Mühle zu besichtigen, die der Makler dringend verkaufen möchte! Dann aber ruft doch noch ein Interessent an und ein Treffen wird vereinbart. Der Kriminalautor Müller, der Inspiration sucht, und seine Tochter, die das Restaurant «Müller’s Mühle» eröffnen will, sind bereit, die Mühle zu kaufen. Eigentlich scheint alles perfekt, nur ein Haken hat der Kauf: Die Mühle bekommt man nur inklusive der alten Magd Anna, die lebenslanges Wohnrecht im Nebengebäude hat. Zudem darf sie im Hauptgebäude das Bad benutzen… Die Tochter ist dennoch überzeugt von der Mühle und kann den Vater zu einem Kauf überreden. Dieser fühlt sich sehr schnell gestört durch Anna, er kann sich nicht auf seine Arbeit konzentrieren.
Das Ganze erreicht bei der Eröffnung des Restaurants seinen Höhepunkt, als wirklich alles schiefläuft, was schieflaufen kann: Die bestellten Kellner*innen kommen nicht, der Bürgermeister macht den Zapfhahn kaputt, als er ihn zu reparieren versucht und am Ende taucht auch noch eine Ratte in der Küche auf. Anna versucht, die Ratte zu töten und benutzt dazu den Computer des Vaters, worauf dieser so wütend wird, dass er alle Beteiligten entweder physisch oder mit Worten angreift. Darauf entscheidet der Bürgermeister, dass das Restaurant geschlossen werden muss und der Vater verkauft die Mühle resigniert zurück an den Immobilienmakler für einen viel tieferen Preis. Nach der Tirade des Vaters stirbt Anna sogar noch vor lauter Schock, und der Vater und die Tochter verlassen die Mühle. Auf ihren Abgang folgt jedoch noch eine Kehrtwende in der Erzählung: Der Plot wird gelüftet mit einem Ende, das niemand erwartete.

Mit Herzblut dabei

Das Publikum hatte während des Theaters viel zu lachen. Missverständnisse, Verwechslungen und viele Witze sorgten dafür. Vor allem Vreni Jenni, die die Magd spielte, sorgte für Lacher. Aber alle Schauspieler*innen konnten mir ihrer Authentizität punkten. Man merkte, wieviel Arbeit sie und auch die Menschen hinter der Bühne in das Projekt gesteckt hatten. Sogar Tischdekorationen waren gebastelt worden: Jeden Tisch schmückte eine kleine Mühle, ein Vorgeschmack auf die Aufführung. Auch ins Bühnenbild wurde viel Arbeit investiert, «es ist von A bis Z selber gemacht», betonte Heinz Jenni. Der Hintergrund ist sogar 80 Jahre alt, er konnte von Vorgängern übernommen werden. Jenni, der den Immobilienmakler spielte, hatte das Stück ins Schweizerdeutsche übersetzt, die Originalversion ist von Christian Lange im Deutschen. Doch für die Wahl des Theaters war Jenni nicht alleine zuständig. Er erklärte: «Es gibt eine Stückwahlkommission, die mehrere Alternativen aussucht. Zusammen mit den Mitgliedern werden diese dann angeschaut und es wird abgestimmt, was gespielt werden soll.» Dabei gilt es nicht nur, auf den Inhalt zu achten: «Es muss auch von der Anzahl der Leute und vom Alter der Figuren her ungefähr passen», meint Jenni. Zudem hatten sie wieder einmal ein Stück gewollt, das nicht in der Stube spielt wie es bei den letzten Aufführungen gewesen war. Besonders stolz seien sie, dass das Publikum so zahlreich erschienen ist. «Es ist schön, so ein Echo zu haben», meint Jenni. Und dieses Echo wurde auch genutzt, um Gutes zu tun: Der Erlös der Eintritte am Sonntag sowie der Spenden in einer Sammelkasse, insgesamt 2’500 Franken, wurden der Stiftung «Denk an mich» gespendet. Am 12. und 13. April ist das Theater nochmals zu sehen, diesmal in Wollishofen im Zentrum Hauriweg.

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