Mit Leidenschaft die Welt verändern

Faina Mendoza ist eine Frau mit vielen Talenten: sie ist Künstlerin, Museologin, Lehrerin, Öko- und Tierrechtsaktivistin – alles in einer Person vereint. Und wenn sie etwas anpackt, dann macht sie keine halben Sachen.

Faina Mendoza – immer voll im Einsatz für Tiergerechtigkeit und Umweltschutz.

Aufgewachsen bin ich in Mexiko, mitten in Mexiko-City. Die Familie meiner Mutter stammte ursprünglich aus dem Libanon, mein Vater war Mexikaner, wir sind eine ziemlich multikulturelle Familie. Ich kann jedoch nicht behaupten, dass ich mich wirklich als Mexikanerin fühle, auch wenn ich das Land, das Essen, die Menschen und die Natur dort liebe. Doch generell halte ich es für seltsam, wenn man sich über eine Nationalität definiert – ich bin einfach ich, ein Individuum mit seiner eigenen Geschichte, das irgendwo auf der Welt geboren ist.
In Mexiko habe ich meine Kindheit und Schulzeit verbracht und anschliessend ein Studium in Bildender Kunst abgeschlossen. Vor 18 Jahren, damals war ich 22, starb mein Bruder und ich hielt es zu Hause nicht mehr aus, wollte weg, möglichst weit weg, um den Verlust verarbeiten zu können. Weil er selbst an einer Behinderung gelitten hatte, war es mir sehr wichtig, ein Kind zu betreuen, das auch eine Behinderung aufwies. In Paris erhielt ich die Chance, als Au-pair in einer Familie leben und arbeiten zu können. Das war sehr lehrreich und intensiv, gleichzeitig aber auch eine äusserst traurige Zeit. Nach einem Jahr kehrte ich zurück nach Mexiko, weil ich Heimweh hatte, doch schon bald zog es mich wieder nach Paris, diesmal an das renommierte Gymnasium Henry IV als Spanischlehrerin.
Während dieser Zeit lernte ich nicht nur Carlos, meinen Partner, sondern auch die Schweiz kennen. Und bei Carlos wie auch bei Zürich, war es für mich Liebe auf den ersten Blick: ich wusste, dieser Mann wird meine Familie sein, sobald ich ihn das erste Mal gesehen hatte. Keine Ahnung, ob er das auch sofort wusste, aber auf jeden Fall sind wir seither zusammen. Und als ich ihn dann einmal in Zürich besuchte, war mir klar, dass ich hier leben möchte. Ich sagte zu ihm: «Sorg dafür, dass Du in Zürich ein Doktorat finden kannst». Gesagt, getan, er fand eine Stelle an der ETH und seit acht Jahren leben wir nun hier in Höngg.
Es gibt neben der Wahl des Wohnorts und des Partners noch eine dritte richtungsweisende Entscheidung in meinem Leben, die ich sehr spontan getroffen habe: der Entschluss, mich vegan zu ernähren. Vegetarierin bin ich eigentlich schon den Grossteil meines Lebens; meine Mutter erzählt sogar, dass ich bereits als Baby Fleisch immer ausgespuckt habe. Doch in Mexiko war der gesellschaftliche Druck, Fleisch zu essen, so gross, dass ich erst nach meinen Aufenthalten in Paris dazu bereit war, mich zum Vegetarismus zu «bekennen». Der Schritt zum Veganismus geschah dann erst einige Jahre später, nachdem ich in einer Kunstinstallation ein Video gesehen hatte, in dem ein Schaf geschächtet wurde. Dieser Film hat mich dermassen bewegt und verstört, dass mich ein Freund fragte, warum ich eigentlich keine Veganerin sei. Offen gesagt wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal, was das bedeutet – doch schon am gleichen Abend war für mich klar, dass dies mein Weg sein wird. Das ist nun sechs Jahre her, seither sind Carlos und ich Antispeziesisten und verzichten komplett auf den Konsum von Tierprodukten. Und weil es mich beschäftigte, dass ich so wenig über die Nahrungsmittelproduktion und das damit verbundene Tierleid gewusst hatte, begann ich, mich weiterzubilden und aktiv zu werden. Ich kündigte meinen Job in einem Kinderhort, obwohl ich die Arbeit mit Kindern sehr schätze, um mich für meine Ideale einsetzen zu können.
Wir begannen, an Demonstrationen teilzunehmen, Flugblätter zu verteilen, Leute zu informieren. Einmal wöchentlich stellten wir uns mit Freunden vor den Schlachthof in Zürich, um gegen das Unrecht, das den Tieren dort angetan wird, friedlich zu demonstrieren und uns von den Tieren zu verabschieden. In diesem Zusammenhang lernte ich auch Michele kennen, die zu einer sehr guten Freundin wurde. Gemeinsam wollten wir mehr erreichen und noch intensiver daran arbeiten, das Bewusstsein der Menschen zu schärfen. Also gründeten wir «Fairändern». Wir sammeln Secondhand-Kleider, bedrucken sie mit politischen Statements und verkaufen sie – oder animieren die Leute, ihre ausgedienten Kleider mitzubringen und sie bedrucken zu lassen. Auch vegane Kosmetik und nachhaltige Schuhe gehören zu unserem Angebot. Nach einer Startphase ohne festen Laden haben wir vor einem Jahr ein Atelier im «Fogo» in Altstetten gemietet und verkaufen hier unsere Produkte.
Doch nach diesem ersten intensiven Jahr muss ich nun erkennen, dass das Projekt meine Kapazitäten übersteigt. Weil ich mich immer zu 100 Prozent der Sache widme, die mir wichtig ist, habe ich in den vergangenen Monaten – neben meinem «normalen» Job – mehr als 40 Stunden pro Woche in das Projekt investiert und dabei andere Bereiche meines Lebens vernachlässigt. Ich habe kaum mehr Zeit für meine Partnerschaft und meine Kunst, die ich als Ausgleich brauche, und auch meine Gesundheit leidet unter der Belastung. Deshalb habe ich nun schweren Herzens entschieden, den Laden wieder aufzugeben und das Projekt in einem kleineren Rahmen weiterzuführen. Das ist einerseits traurig, weil ich spüre, dass wir etwas erreichen können, andererseits bin ich davon überzeugt, dass sich immer dann, wenn sich irgendwo eine Türe schliesst, an einem anderen Ort eine Türe öffnet. Und tatsächlich, schon jetzt öffnen sich wieder neue Türen: So habe ich die Möglichkeit erhalten, gemeinsam mit einer Kuratorin eine Kunstausstellung zum Thema «Klimawandel» zu gestalten. Damit kann ich endlich wieder im Bereich «Museologie» arbeiten, ein weiterer Schwerpunkt in meinem Leben, der bis anhin zu kurz gekommen ist. Und mit dieser Ausstellung habe ich die Möglichkeit, noch mehr Leute mit dem zu erreichen, was mir am Herzen liegt.

In diesen monatlichen Beiträgen werden ganz normale Menschen aus Höngg porträtiert: Man braucht nicht der Lokalprominenz anzugehören und muss auch nicht irgendwelche herausragenden Leistungen vollbracht haben, nein, denn das Spezielle steckt oft im scheinbar Un-scheinbaren, in Menschen «wie du und ich».
So funktioniert’s: Die zuletzt porträtierte Person macht drei Vorschläge, an wen der Stab der Porträt-Stafette weitergereicht werden soll. Die Redaktion fragt die Personen der Reihe nach an und hofft auf deren Bereitschaft. Sollte die Stafette abreissen, sind wir froh, wenn auch Sie uns mögliche Kandidat*innen melden. Kontaktangaben bitte per Mail an redaktion@hoengger.ch oder Telefon 044 340 17 05.

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