Mehr Freundlichkeit für Höngg

Am 17. Februar ist Tag der «Random Acts of Kindness» oder «Spontane Taten der Freundlichkeit». Der «Höngger» will nicht so lange warten und startet jetzt schon eine Freundlichkeitsoffensive.

Komplimente kosten nichts und machen glücklich. (Foto: pas)

Gleich zum Jahresbeginn erhielt die Redaktion eine schöne Nachricht einer Leserin. Sie bedankte sich für den Frontartikel «Mehr Äpfel für Höngg». Äpfel seien tatsächlich gut für das Wohlbefinden, was für die Gesundheit der Gesellschaft jedoch noch wirkungsvoller wäre, ist Freundlichkeit zu verschenken: «Die Journalistin Meike Winnemuth schreibt, dass kleine Akte der Freundlichkeit, für die man keine Gegenleistung erwartet, viral – das heisst ansteckend – wirken!», schreibt sie. Auch der Kolumnist Harald Martenstein thematisiert im «Zeit Magazin» die Freundlichkeit, und schreibt davon, dass manche Menschen oder gar Berufsgattungen von einer neuen Unfreundlichkeit erfasst würden. «Ein <Bitte>, ein <Danke> und ein nicht ganz so schnarrender Ton wären aber mit den Regeln ohne Weiteres vereinbar, sie stimulieren das Virus bestimmt nicht», sagt er. Und: Dass ein neues Zeitalter des Verzichts ausgerechnet mit dem Verzicht aufs Nettsein eingeleitet wird, ist allerdings eine böse Überraschung». Beiden Autor*innen kann der «Höngger» nur beipflichten.

Die Idee an sich ist nicht neu, es existiert sogar ein «Tag der spontanen Nettigkeit», oder eben «Random Acts of Kindness», der 2005 von Neuseeländer*innen Josh de Jong, Marshall Gray, Megan Singleton und Reuben Gwyn ins Leben gerufen wurde. Dieses Jahr findet er am Donnerstag, 17. Februar, statt. Mittlerweile rufen weltweit verschiedene Bewegungen zu mehr Freundlichkeit im Umgang miteinander auf. Dabei berufen sie sich auf psychologische Studien, die belegen, dass das Äussern von Komplimenten und freundlichen Worte nicht nur einen positiven Effekt auf die Empfänger*innen, sondern auch auf die Sender*innen hat. Es kann sogar eine Kettenreaktion auslösen. Mehr Gründe braucht der «Höngger» nicht, um eine Aktion zu starten.

Komplimente: Der einfachste Weg, jemandem eine Freude zu machen

Wer sich einige Zeit im englischen Sprachraum aufhält und in die Schweiz zurückkehrt, muss feststellen: Irgendwie tun sich die Schweizer*innen – oder sind es nur die Zürcher*innen? – etwas schwer damit, grundsätzlich freundlich zu sein. Nicht, dass sie rüpelhaft oder aggressiv wären. Die Grundstimmung ist eher, sagen wir, zurückhaltend bis argwöhnisch. Mit Komplimenten ist man geizig. Einen netten Gedanken auszusprechen, kostet viel Überwindung. Ein freundlicher, spontaner Austausch mit einer fremden Person ist schwierig, vielleicht weil man befürchtet, damit bereits irgendeinen verbindlichen Vertrag mit ihr einzugehen. Manchmal erhält man auch den Eindruck, die Eidgenoss*innen würden anderen das Glück neiden, was auch dazu führt, dass man die eigene Freude nicht an die grosse Glocke hängt. Das ist natürlich etwas grob über einen Kamm geschert. Doch ganz abstreiten lässt es sich wohl nicht. Dabei figuriert «Freundlichkeit» in der westlichen Gesellschaft unter den meistgeschätzten Charaktereigenschaften, die Menschen haben können. Es könnte so einfach sein, anderen – und sich selbst – eine Freude zu machen. Man müsste sich einfach etwas locker machen. Und eine Gelegenheit wahrnehmen. Zum Beispiel das nächste Mal, wenn man denkt: «Diese Frau ist schon unglaublich clever», diesen Gedanken auch aussprechen, ganz sec, ohne grosses Aufheben. Oder den Nachbarn mit den schönsten Blumen im Quartier für seinen grünen Daumen loben. Oder dem freundlichen Verkäufer an der Kasse «Grüezi» und «Danke» sagen und ihm einen schönen Tag wünschen. Oder der Chefin mal sagen, dass sie einen super Job macht. Oder, oder, oder. Kleiner Aufwand, grosse Wirkung.

Weitere Gesten der Freundlichkeit

Es gibt im Internet ganze Bibliotheken mit Tipps, wie man anderen eine spontane Freude bereiten könnte. Aus Italien kommt zum Beispiel die Tradition des «Caffé sospeso», eines «aufgehobenen Kaffees». Bereits seit der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert soll dieser Brauch bestehen, bei dem ausser dem eigenen Kaffee noch ein weiterer bezahlt wird, der an Bedürftige ausgeschenkt wird. Dieser spendierte Kaffee könnte aber auch einfach an die nächste Person gehen, die das Café betritt. Wer noch auf der Suche nach Ideen ist, könnte zum Beispiel der Nachbarin die Einkäufe in den dritten Stock tragen, dem Nachbarn die Türe aufhalten, jemanden in der Schlange den Vortritt lassen – alles Kleinigkeiten, die aber aus einem negativen einen positiven Tag machen können. Auch das Nachzahlen einer abgelaufenen Parkuhr oder das Liegenlassen des Rückgeldes im Bilettautomaten können freundliche Gesten sein. Die Möglichkeiten sind unzählig, man muss sie nur ergreifen. Der «Höngger» möchte Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, im Rahmen der Zeitung eine solche Möglichkeit bieten. Wem möchten Sie schon lange ein Kompliment machen? Oder einfach einmal Danke sagen und wofür? In den kommenden zwei Ausgaben werden wir Ihre Komplimente und Dankeschöns im «Höngger» publizieren. Ausserdem werden wir uns weitere Möglichkeiten überlegen, wie wir gerade in dieser Zeit etwas mehr Freundlichkeit ins Quartier bringen können. Haben Sie Ideen? Melden Sie sich, siehe Infobox. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören!

Komplimente-Zentrale

Wem wollten Sie schon lange ein Kompliment machen? Schreiben Sie es uns auf redaktion@hoengger.ch, via facebook oder auf eine Postkarte an die Adresse Quartierzeitung Höngg, Meierhofplatz 2, 8049 Zürich.

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