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Leitartikel

Luise Beerli – entgegen aller Widerstände

17. November 2020 von

Das Buch über die Jodlerin vom Hönggerberg Luise Beerli zeigt die Geschichte einer starken Persönlichkeit.
Foto: zvg

Das Buch über die Jodlerin vom Hönggerberg Luise Beerli erzählt die Geschichte einer starken Persönlichkeit.

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Online seit
17. November 2020

Printausgabe vom
19. November 2020
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Gerade ist die Biografie «Luise Beerli – Die Jodlerin vom Hönggerberg», geschrieben von Yvonne Türler-Kürsteiner, erschienen. Die Lebensgeschichte der bekannten Höngger Solojodlerin berührt – selbst wenn man keine Volksmusik hört.

Wenn Luise Beerli in die Tracht schlüpft und auf die Bühne geht, wird sie zur Unterhalterin, macht und kontert selbstbewusst Sprüche, zeigt Humor und beeindruckt mit ihrem grossen Gesangs- und Jodeltalent. Auch privat hat sie diese starke Ausstrahlung, wirkt aber zarter, verletzlicher. Auffällig ist die Freundlichkeit, mit der sie einem begegnet, diese Höflichkeit. Dass sie in der ganzen Welt gereist und aufgetreten ist, dass sie mit den besten Musikerinnen und Musikern der Volksmusik gearbeitet hat und befreundet ist – keinen Moment erhält man das Gefühl, sie müsse dies an die grosse Glocke hängen oder sich deshalb über andere stellen. Wer ist diese Frau mit der rabenschwarzen Kurzhaarfrisur und dem drahtigen Körper? Wie wurde sie zu dieser berühmten Person, die unaufgeregt in Höngg lebt, sich mit Liebe um ihre Liegenschaften an der Ferdinand-Hodler-Strasse kümmert und sogar selber Hand anlegt in der Gartenpflege?

In der Parkgarage entdeckt

Die Erzählung beginnt noch vor Luise Beerlis Geburt mit einer Tragödie, die dazu führte, dass sie ihrer Mutter, Trudi Strehler, gleich als Neugeborenes weggenommen und in einem Heim untergebracht wurde. Kein schöner Einstieg ins Leben und leider nicht das einzige Mal, dass sie von ihrer Mutter getrennt wurde. Doch es gab auch Freude und Schönes in Luise’s jungem Leben, wie die Freundschaft mit Knecht Balz auf dem Beerli-Hof ihres Stiefvaters in Höngg, das Traktorfahren, das sie bereits mit neun Jahren beherrschte und das ihr den Spitznamen Traktor-Beerli einbrachte.

Mit Mitte zwanzig war die Autoliebhaberin als kaufmännische Angestellte in der Autobranche angestellt. Zu ihren Aufgaben gehörte unter anderem das Umparkieren von Kundenwagen in der Urania Parkgarage, eine Arbeit, die sie liebte. Schliesslich war es just an diesem Ort, an dem sie als Jodlerin entdeckt wurde. Bereits mit 16 Jahren war sie der Trachtengruppe beigetreten und hatte das Jodeln kennen und lieben gelernt. Als ein Dauermieter zufällig Zeuge wurde, wie sie im akustisch interessanten Parkhaus aus voller Kehle jodelte, meldete er sie ohne ihr Wissen zu einem Jekami-Abend im «Du Théâtre» in Zürich an. Mit diesem Auftritt – sie war 24 Jahre jung – nahm ihre Karriere ihren Anfang: Das «Luisli vom Hönggerberg» war geboren, um die Welt der Volksmusik im Sturm zu erobern. Einfach wurde es ihr auch im Show-Business nicht gemacht, doch mittlerweile hatte sie sich wohl eine dicke Haut angelegt und wusste sehr genau, was sie wollte und wo es ihr zu weit ging. Details seien hier keine vorweggenommen.

Anderen Mut machen

Es dürfte Luise Beerli nicht leichtgefallen sein, so vieles über ihre Vergangenheit und ihr privates Leben preiszugeben. Man kann sich vorstellen, dass Autorin Yvonne Türler-Kürsteiner um viele Sätze kämpfen musste, damit sie heute tatsächlich im Buch stehen. Vieles bleibt bestimmt dennoch ungesagt, wahrscheinlich könnte sie mit den Geschichten mehrere Bücher füllen. Doch so viel Nabelschau würde gar nicht zur Volksmusikerin und Hönggerin passen. Auch um eine Abrechnung geht es ihr nicht. Vielmehr möchte sie mit ihrer Geschichte anderen Mut machen, denen das Schicksal übler mitspielt als anderen. Mit einem Ziel vor Augen, einem starken Lebens- und Arbeitswillen und etwas Glück ist es möglich, allen Schwierigkeiten zum Trotz ein gutes und erfolgreiches Leben zu leben.

 

Die Publikation «Luise Beerli – Die Jodlerin vom Hönggerberg» erscheint aus Anlass der im Jahre 2017 gegründeten Luise Beerli Stiftung als Ortsgeschichtliche Mitteilung Nr. 55 der Ortsgeschichtlichen Kommission des Verschönerungsvereins Höngg.
Autorin: Yvonne Türler-Kürsteiner, 2020.
Das Buch ist ab Montag, 30. November, erhältlich bei Höngger Quartierzeitung GmbH, Meierhofplatz 2.
Preis: 25 Franken

Gleichzeitig zum Buch erschien auch die Best-of-CD „Mini Lieder“, erhältlich unter info@luisebeerli.ch

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