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Leuchtende Farben für die Heilig-Geist

11. März 2019 von

Je nach Sichtweise die Arche Noah oder eine Nussschale.
Foto: Patricia Senn

Je nach Sichtweise die Arche Noah oder eine Nussschale.

Foto: Patricia Senn

Auf den beiden Eckfenstern ist der Glaubensweg dargestellt.

Von

Online seit
11. März 2019

Printausgabe vom
14. März 2019
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Am Sonntag, 3. März, durfte die katholische Kirchgemeinde einen besonderen Gottesdienst feiern: Die neuen Kirchenfenster der Heilig-Geist-Kirche, gestaltet von Horst Thürheimer, wurden eingeweiht.

«Nach zwei Jahren, in denen wir mit diesem Fensterprojekt schwanger gegangen sind, ist heute der Tag, an dem das Kind zur Welt gekommen ist», sagte der sichtlich erfreute Pfarrer Marcel von Holzen zum Auftakt des Gottesdienstes. Es sei keine leichte Geburt gewesen, zeitweise sei man im Dunkeln darüber geblieben, wo sich das Kind befände. Die Fenster, die der Künstler Horst Thürheimer in der Mayer‘schen Hofanstalt in München gefertigt hatte, mussten zuerst nach Österreich zum Brennen geschickt werden, bevor sie zur Fertigung in eine Berner Fensterfabrik geliefert werden konnten. So wurde es statt Advent März, bis sie in das mittlerweile fast fertig sanierte Kirchengebäude montiert werden konnten. Die Freude über die Ankunft war nichtsdestotrotz bei allen Beteiligten gross.

Ein weiteres Element zur Harmonisierung

Schon als im Jahr 2013 die Kirche «harmonisiert» wurde, hatte man festgestellt, dass gewisse Elemente im Kirchenraum nicht mehr ins Gesamtbild passten. Dazu gehörten auch die Fenster mit ihrer quadratischen Sprossenrahmung. Dem Raum mangelte es an sakraler Ausstrahlung, doch der Zeitpunkt war noch nicht reif, um die Fenster auszuwechseln. Als Marcel von Holzen 2016 das Pfarramt antrat, wurde auch die Sanierung der beiden Pfarreizentrumsgebäude zum Thema. Schnell war klar, dass das die Gelegenheit war, neue Fenster einzusetzen, die nicht nur eine künstlerische Gestaltung aufweisen, sondern auch eine konkrete Glaubensbotschaft vermitteln sollten.

So machte sich die achtköpfige Kommission auf Künstlersuche. Nach ausgiebiger Recherche inklusive Fensterbesichtigungs-Rundfahrt ins Zürcher Oberland hatte sie fünf potentielle Künstler gefunden und bat diese, Wettbewerbsideen für die neuen Kirchenfenster zu entwickeln.
Ende 2017 trafen schliesslich die Entwürfe ein. In einer demokratischen Abstimmung wurde letztlich Horst Thürheimer als Gewinner gekürt und beauftragt, seinen Entwurf auszuführen. Er hatte den Glaubensweg in seinem Beschrieb und seinen Entwürfen verständlich und trotzdem auf moderne, expressiv-abstrakte Art umgesetzt. «Es handelt sich um eine Gesamtschau, in welcher Reihenfolge man sich die drei Fenster betrachtet, ist jedem individuell überlassen», erklärte Veronika Kuhn, Beraterin der Kunstkommission, während der Einweihung.

Die Farben des Glaubensweges

In kräftigen Farben und mit abstrahierten Symbolen sind die Szenen der Mariengeschichte dargestellt. Man sieht die Begegnung von Maria und Elisabeth, die später Johannes den Täufer zur Welt bringen wird. Die Geburt Jesu ist als kosmisches Ereignis dargestellt, zu sehen sind auch drei Figuren, die für die drei Könige wie für die gesamte Menschheit stehen können – auf der Suche nach Wahrheit und Frieden. In einem weiteren Fenster sind die Säulen des Tempels zu sehen, die eine versteinerte Religion andeuten und mahnen, dass ein Glaube, der anstatt einer freimachende und lebensspendende Kraft nur noch in Gesetzen, Geboten und Verboten erlebt wird, zur Ruine verkommt und in sich zusammenfällt.

Nussschale oder Kirchenschiff

«Wir sind Feuer und Flamme für die Arche», erzählt Marcel von Holzen begeistert. Er meint damit das dritte Fenster, das sich gleich beim oberen Eingang des Kirchenschiffes befindet. Darauf zu sehen ist ein braunes Boot, das – je nach Interpretation – eine Nussschale sein könnte, aber eben auch die Arche Noah. Der Künstler Thürheimer hatte die Ankunft der Bootsflüchtlinge in Deutschland und insbesondere in München nah miterlebt und die Diskussionen rund um die Willkommenskultur mitverfolgt. Für ihn hängt dieses Boot stark mit dieser Thematik zusammen. Für uns ist es aber in erster Linie das Symbol der Gemeinschaft, meint von Holzen. «Die Kirche sieht sich als Boot, in dem alle ebenbürtig beisammen sind und gemeinsam – vom Heiligen Geist bewegt – neue Ufer entdecken wollen».

Kommentare

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16. März 2019 um 16:42 Uhr von Max Pfister

Sehr interessanter Bericht! Vielen Dank.